Extremes Risiko: Islamistischer Gefährder lebt mitten unter uns

Anscheinend ohne polizeiliche Beobachtung kann sich Said O. in Herford bewegen. (Symbolbild)
Anscheinend ohne polizeiliche Beobachtung kann sich Said O. in Herford bewegen. (Symbolbild)  © 123RF

Herford - Es klingt beängstigend: Said O. (51), der vom Bundeskriminalamt als islamistischer Gefährder eingestuft wird, lebt seelenruhig in Herford. Von Observation ist weit und breit nichts zu sehen.

So lautet es zumindest in einem Bericht von RTL. In NRW leben rund 250 Gefährder. Ihnen wird zugetraut, dass sie Terroranschläge in Deutschland planen und ausführen könnten.

Deshalb müssen sie eigentlich streng überwacht werden. Der 51-jährige Kriegsveteran, der in beiden Tschetschenien-Kriegen gegen Russland kämpfte, kann sich allerdings laut RTL-Recherche völlig frei bewegen.

2001 kam er mit seiner Frau und seinen Kindern nach Deutschland. Weil er Verbindungen zum IS haben soll, fiel er den Behörden schon mehrfach auf.

Der Mann aus Herford soll für den bereits verurteilten IS-Terroristen Sebastian B. eine Bezugsperson gewesen sein und diesem auch nach unbestätigten Berichten eine Unterkunft geboten haben.

Anfang des Jahres wollte Said O. sogar die deutsche Staatsangehörigkeit (TAG24 berichtete). Bisher blieb ihm die allerdings wegen der Frage nach seiner Verfassungstreue verwehrt.

Rund 1000 Gefährder sollen in Deutschland leben.
Rund 1000 Gefährder sollen in Deutschland leben.  © DPA

"Eigentlich müsste Said O. unter polizeilicher Überwachung stehen, weil bei ihm mit einem Terroranschlag zu rechnen ist. Als wir den Mann in Herford aufspüren, bemerken wir aber kein Observationsteam.

Möglicherweise hält sich dieses stark im Hintergrund, als Said O. jedoch sein Haus verlässt und in ein Auto steigt folgt dem Mann niemand", heißt es im RTL-Bericht. Nähere Angaben will die Polizei nicht machen.

Birgit Ebel, die die Initiative "extremdagegen" gegründet hat, kennt Said O.: "Das ist jemand, der das Töten gelernt hat. er ist im Tschetschenienkrieg gewesen und ich denke, dass er sicherlich skrupellos ist und auch sein konspiratives Geschäft versteht."

Nicht zuletzt seit dem Berliner Weihnachtsmarkt-Attentat, das Anis Amri am 19. Dezember mit einem Lastwagen verübte, ist die Angst vor Terroranschlägen in Deutschland wieder gewachsen.

"Wir müssen zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort mit einem Anschlag rechnen. Es geht nicht darum, Angst zu verbreiten, sondern die Sicherheitslage realistisch einzuschätzen. Das ist eine extrem hohe Belastung für die jeweiligen Kollegen und Kolleginnen", erklärt ein Sprecher des Verfassungsschutzes Thüringen.

Eine Überwachung von Gefährdern wie Said O. rund um die Uhr ist eigentlich vorgeschrieben, bei insgesamt 1000 Gefährdern in Deutschland aber schwierig.

Bei Dauerüberwachungen sind zwischen 30 und 40 Beamten nötig. Das nimmt viel Zeit und vor allem Geld in Anspruch: Pro Gefährder belaufen sich die Kosten, die der Steuerzahler übernimmt, auf etwa 100.000 Euro im Monat.

Titelfoto: 123RF


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