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Politischer Hass in Deutschland: Warum "Nazis" und "Gutmenschen" miteinander reden sollten

Meinung: Schweigen und Ausgrenzung sind Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden

Ein Facebook-Experiment von Boris Palmer und Hasnain Kazim hat Redakteur Patrick Hyslop ins Grübeln gebracht.

Von Patrick Hyslop

Stuttgart - Seit vergangenem Montag haben der grüne OB von Tübingen, Boris Palmer (46), und der Spiegel-Journalist Hasnain Kazim (44) auf Facebook ein interessantes Experiment laufen: Sie haben ihre Accounts getauscht.

Dresden, August 2018: Demonstranten der rechten Szene drohen Gegendemonstranten Gewalt an.
Dresden, August 2018: Demonstranten der rechten Szene drohen Gegendemonstranten Gewalt an.

Der eine schreibt nun auf der Facebook-Seite des jeweils anderen. Und wird mitunter mit Meinungen konfrontiert, die dem völlig entgegenlaufen, was auf der eigenen Seite so an User-Kommentaren reinkommt.

Was (nicht nur) mir dabei auffällt: Palmer und Kazim haben eine ganz andere Auffassung davon, in wieweit sie mit Menschen sprechen, die mit ihrer Meinung so ganz im Gegensatz zur eignen stehen. Konkret: User, die wohl eher im rechten politischen Spektrum angesiedelt sind.

Kazims Schmerzgrenze scheint da recht schnell erreicht zu sein. Er selbst schrieb in einem langen Beitrag davon, wie er den Austausch mit ihnen stoppe, sie dann auch blockiere.

Palmers Ansatz ist da aus meiner Sicht besser. "Ich bin der Auffassung, dass ein allzu schneller Abbruch des Dialogs Schaden anrichtet, weil man die andere Seite dann nicht mehr erreicht", schreibt der Ausnahme-Grüne.

Die Folge laut Palmer: Die AfD könne dann "alle diejenigen einsammeln (...), die etwas sagen, wollen, das in der Welt von Hasnain Kazim anstößig ist und feststellen, dass sie das nicht können, ohne massiv ausgegrenzt zu werden".

Will den Dialog nicht allzu schnell abbrechen: Boris Palmer.
Will den Dialog nicht allzu schnell abbrechen: Boris Palmer.

Das trifft den Kern von politischen Debatten in Deutschland im Jahr 2019 ganz gut. Es gibt ein entweder/oder. Entweder Du bist dafür oder dagegen. Entweder Du bist gut oder Du bist böse.

Mich erinnert dieses Schwarz-Weiß-Denken an die Aussage des ehemaligen US-Präsidenten George Bush, als er nach den islamistischen Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 an die Welt gewandt sagte: "Either you're with us or you are with the terrorists." (Entweder seit Ihr auf unserer Seite oder auf der der Terroristen.)

Das halte ich für brandgefährlich. Weil es nicht nur unsere ohnehin vor allem durch die Folgen der Flüchtlingskrise 2015 gespaltene Gesellschaft immer weiter teilt, den Keil immer tiefer hinein treibt, sondern auch, weil Menschen wie Kazim dadurch auch diejenigen vergraulen und alleine lassen, die gar keine Rechtsradikalen sind.

Denn nicht jeder, der Kritik an der Flüchtlingspolitik übt, ist ein Neonazi. Nicht jeder, der die Verschleierung der Frau ablehnt, ist ein islamophober Arsch. Man sollte ja meinen, dass das eigentlich völlig selbstverständlich sei. Ist es aber nicht.

Gerade im Netz enden die meisten Diskussionen früher oder später mit dem Kampfbegriff "Nazi!", worauf das "Gutmensch!" zurückgeschossen wird. Und danach herrscht in der Regel inhaltliche Sprachlosigkeit. Von Beleidigungen mal ganz abgesehen.

Hamburg, Juli 2017: Linksradikale randalieren während des G20-Gipfels im Schanzenviertel.
Hamburg, Juli 2017: Linksradikale randalieren während des G20-Gipfels im Schanzenviertel.

Ist es das, was wir wollen? Knallharte politische Blockbildung? Wo die eigene Seite die gute ist und das Gegenüber selbstredend der Böse? Wo es legitim scheint, dass man die "Bösen" mit allen Mitteln ausgrenzt?

Wo man demokratische Grundregeln, wie die inhaltliche Auseinandersetzung in Parlamenten, aufgibt, um Brandanschläge zu begehen oder den politischen Widersacher niederschlägt? Wo alles nur noch "Nazi" oder "Gutmensch" ist?

Ich will das nicht. Ich lehne das entschieden ab. Es ist genau solch ein Klima, das entsteht, wenn jeder sich nur noch in seiner Filterblase einrichtet. Wenn man nur noch das hört, sieht und mit "gefällt mir" markiert, was einem zusagt. Insofern gefällt mir das Experiment Palmer/Kazim.

Denn die echte Welt ist keine Filterblase. Und die Gesellschaft, das sind nicht irgendwelche anderen Leute. Die Gesellschaft, das sind wir. Wir alle: Große, Kleine, Dicke, Dünne, Heterosexuelle, Homosexuelle, Linke, Rechte, Christen, Juden, Muslime, Atheisten, Veganer, Fleischesser, Reiche, Arme und Fans von Helene Fischer.

Und darum ist es an jedem Einzelnen von uns, dass wir nicht weiter spalten, sondern miteinander reden. Ob uns das im Einzelfall passt oder nicht. Denn die Alternative ist zwar leicht, aber nicht erstrebenswert. Weiter spalten. Weiter Hemmungen abbauen. Weiter das immer mehr aufgeben, was Gesellschaften ausmacht: den Zusammenhalt. Das wäre der sichere Weg in den Abgrund.

Spiegel-Journalist Hasnain Kazim (Foto) ging während des Facebook-Experiments mit Palmers Followern hart ins Gericht.
Spiegel-Journalist Hasnain Kazim (Foto) ging während des Facebook-Experiments mit Palmers Followern hart ins Gericht.

Sollte man mit absolut jedem reden? Nein, natürlich nicht. Alles hat seine Grenzen! Und nicht nur die juristischen. Auch die des Anstands.

Wer glaubt, dass die Bundesrepublik eine GmbH ist, die Maulwurfmenschen morgen Hitler zurückbringen oder den Holocaust leugnet, der ist ebenso verloren wie diejenigen, die meinen, dass sie in Hamburg "Bullenschweine" klatschen und das System stürzen müssten, während sie Deutschland als "Stück Scheiße" beschimpfen. Oder die, für die es absolut okay ist, sogenannte "Ungläubige" mit Lastwagen auf Weihnachtsmärkten zu töten.

Wer solche Positionen vertritt, der ist jenseits von Gut und Böse. Und teils auch jenseits der Menschlichkeit. Aber das sind Extreme. Ich bin überzeugt, dass man viele Leute erreichen kann, ehe sie so sehr verstockt sind. Ehe sie sich so sehr in was auch immer für eine Ecke gedrängt fühlen, dass sie sich zurückziehen und dort womöglich radikalisieren.

Eine kleine Anekdote: Vor Jahren arbeitete ich in einer Zeitungsredaktion. Damals fiel mir ein Leserbrief-Schreiber auf. Sein Lieblingsthema: die Flüchtlinge. Die Kollegen rollten mit den Augen. Der Leser war schnell abgestempelt. Aber ich wollte wissen: Wer ist der Mann? Warum treibt ihn das so um? Also lud ich ihn in die Redaktion ein. Mittsechziger, AfD-Wähler. Wer sich besonders schlau fühlen möchte, würde ihn süffisant einen "besorgten Bürger" nennen.

Wir unterhielten uns miteinander. Über seine Leserbriefe. Über seine politische Weltsicht. Es stellte sich heraus: Er war keineswegs ein "Nazi". Er war einfach ein Konservativer ohne politische Heimat. Bis die AfD kam. So jemanden konnte die frühere CDU noch sehr gut integrieren. Nach dem Gespräch ging es zurück an die Arbeit. Und er schrieb weiter Leserbriefe.

Das verändert nicht die Welt, klar. Aber es verschafft Einblick in die Gedankenwelt des Gegenübers. Und jedes bisschen Reden ist besser als Schweigen und Ausgrenzen. Darum: Lasst uns mehr miteinander reden. Auch wenn's mitunter schwer fällt.

Fotos: DPA

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