Meine Meinung: Promis, stellt Eure Kids nicht ständig im Netz zur Schau!

Stuttgart - Früher war alles besser. Naja, zumindest hatten es die Kinder früher viel, viel besser!

Daniela Katzenberger mit ihrer Tochter Sophia auf Instagram.
Daniela Katzenberger mit ihrer Tochter Sophia auf Instagram.  © Screenshot Instagram.com/DanielaKatzenberger

Wenn Eltern da nämlich einen Schnappschuss vom Nachwuchs wollten, dann mussten sie einen Film in die Kamera legen, knipsen, den Film zum Entwickeln bringen - und hoffen, dass die Fotos etwas geworden waren.

Dann kamen die Bilder in ein Foto-Album, und dort konnte sie nur sehen, wer zu Besuch war. Oder zum Geburtstag eingeladen. Der Personenkreis war also recht überschaubar.

Mittlerweile ist das anders. Alle tragen ein komplettes Fotostudio in der Hosentasche: ihr Smartphone. Inklusive Bildbearbeitung. Und die geschossenen Fotos sind dank Snapchat, Instagram oder Facebook im Nu in die digitale Welt geballert, können von Tausenden oder gar Millionen Usern angesehen, kommentiert oder geteilt werden.

Und wer hat bei all dem nichts zu sagen? Die Kinder. Mir stößt auf, wie oft Eltern schon Aufnahmen von Babys und Kleinkinder ins Netz stellen. Ohne, dass die sich wehren können. Insbesondere bei Promis aller Kategorien (also A bis Z) sehe ich das öfter. Wenn Mama und Papa permanent jeden Quark in den Äther furzen müssen ("Ich bin beim Arzt", "Ich hab Bock auf Schokolade", "Ich bin heute so müüüüde"), dann ist das eine Sache.

Finde ich persönlich im schlimmsten Fall langweilig. Zudem können erwachsene Menschen von sich selbst im Netz preisgeben und veröffentlichen, was sie wollen. Und das Gesetz erlaubt. Selbstvermarktung, im Gespräch bleiben - no problem.

Aber wenn die eigenen Kinder permanent vor die Kamera gepackt werden, dann habe ich dafür kein Verständnis. Da präsentiert etwa eine Daniela Katzenberger (32) immer wieder ihre Tochter Sophia (3) auf Instagram. Oder Ina Aogo (29), Spielerfrau von VfB-Defensivspieler Dennis Aogo (32), filmt ihre Tochter Payten (3) in ihrer Instagram-Story in Pulli und Windeln. Und das sind nur zwei Beispiele. Es gibt unzählige weitere.

Ina Aogo (hinten) filmt ihre Tochter Payten für ihre Instagram-Story.
Ina Aogo (hinten) filmt ihre Tochter Payten für ihre Instagram-Story.

Muss so was sein? Müssen Kinder herhalten, um das eigene Verlangen nach Aufmerksamkeit, nach Klicks und Likes oder Kommerz zu befriedigen?

Ein kleines Kind weiß doch gar nicht, was es bedeutet, wenn Tausende, Hunderttausende oder gar Millionen Follower Szenen der eigenen Kindheit öffentlich miterleben können.

Ein Kind ist sich doch gar nicht der Tragweite bewusst. Und weiß auch nicht darum, dass sich leider genug Menschen da draußen kleine Kinder nicht nur anschauen, weil sie süß sind. Die haben noch ganz andere Antriebe.

Darum äußerten sich bereits vor langer Zeit die Ordnungshüter zu dem Thema. Auf Facebook wendete sich die Polizei NRW Hagen im Oktober 2015 an Eltern: "Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! - Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!"

Die Beamten verwiesen darauf, dass die geposteten Bilder schlimme Konsequenzen haben können: "Vielleicht finden Sie die Fotos heute süß, Ihrem Kind sind sie in ein paar Jahren aber endlos peinlich. Oder Ihr Kind wird damit sogar gemobbt. Noch schlimmer: Pädophil veranlagte Menschen bedienen sich solcher Fotos und nutzen sie für ihre Zwecke bzw. veröffentlichen sie an anderer Stelle."

Die Polizisten warnten in dem Beitrag: "Auch ihre Kinder haben eine Privatsphäre. Kinderfotos haben in sozialen Netzwerken grundsätzlich nichts zu suchen. Denn das Internet 'vergisst' nichts." Das Posting erreichte über 17 Millionen Menschen, wurde über 369.000 Mal geteilt.

Ich schließe mich der Kernbotschaft der Beamten an: Kinder haben ein Recht auf ihre Privatsphäre. Liebe Eltern, ob Normalos oder Promis: Hört bitte auf, Bilder Eurer Kids im Netz zu verbreiten. Insbesondere die Promis sollten sich das zu Herzen nehmen. Denn mit Bekanntheit kommt nicht nur Geld - sondern auch die Vorbildfunktion.

Die Kinder von heute werden zu den Erwachsenen von morgen. Und wenn sie sich dann selbst im Netz darstellen wollen, dann ist das ihre eigene, bewusste Entscheidung. Bis dahin achtet bitte ihre Privatsphäre. Und postet im Zweifelsfall kein Foto in sozialen Netzwerken.

TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.
TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.

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