Werden Fahrpläne für Bus und Bahn in Hamburg bald überflüssig?

Hamburg - Der Hamburger Verkehrsverbund hat die Pläne der SPD zum sogenannten Hamburg-Takt (TAG24 berichtete) im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) begrüßt.

Der erste Serien-Elektrobus steht am Rathausmarkt. Hamburg geht den ersten Schritt in einen schadstofffreien Nahverkehr.
Der erste Serien-Elektrobus steht am Rathausmarkt. Hamburg geht den ersten Schritt in einen schadstofffreien Nahverkehr.  © DPA

Es sei erfreulich, dass "das Angebot im öffentlichen Nahverkehr weiter massiv ausgebaut werden soll", sagte HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann am Montag.

Die Pläne brächten zusätzlichen Schwung in das Bestreben, das Angebot für die Hamburgerinnen und Hamburger noch deutlich attraktiver zu machen.

Klar sei auch, "dass so ehrgeizige Ziele noch mehr modernere und umweltfreundlichere Fahrzeuge bedeuten."

Der Landesparteitag der SPD hatte am Wochenende einen Leitantrag der Parteiführung zum Thema Mobilität und Verkehr beschlossen.

Bürgermeister Peter Tschentscher sagte, Ziel sei bis spätestens 2029 die Schaffung eines "Hamburg-Takts", der dafür sorge, dass Menschen nicht länger als fünf Minuten auf Bus, U- und S-Bahn oder andere Mobilitätsangebote warten müssten.

Auch seitens der Opposition in der Bürgerschaft wurden die Pläne grundsätzlich begrüßt. "Nun muss es nach der Ankündigung aber auch in die Umsetzung gehen", sagte der Verkehrsexperte der CDU, Dennis Thering. Die technischen Voraussetzungen gebe es bereits, aber ein Umsetzungszeitraum von zehn Jahren sei "nicht nachvollziehbar".

Ihm dränge sich der Verdacht auf, "dass es sich bei diesem Projekt bereits um ein wenig Wahlkampfgetöse der SPD handelt und man die Verkehrsprobleme von heute auf Senate von morgen abwälzen will", sagte Thering.

Kritik am Projekt geht über Wahlkampf-Taktik hinaus

 Der Hamburger Verkehrsverbund hat die Pläne der SPD zum sogenannten Hamburg-Takt begrüßt.
Der Hamburger Verkehrsverbund hat die Pläne der SPD zum sogenannten Hamburg-Takt begrüßt.  © DPA

FDP-Kolllege Ewald Aukes fragt, wie Tschentschers Plan umgesetzt werden soll: "Gilt der Fünf-Minuten-Takt auch im Umland? Was kostet die Anschaffung zusätzlicher Busse und Bahnen? Wo soll das Geld herkommen?"

Interessant sei, dass nicht nur der HVV den Fünf-Minuten-Takt sichern solle, sondern auch Shuttleservices neuer Mobilitätsanbieter, sagte Linksfraktionschefin Heike Sudmann.

"Die SPD soll gefälligst das HVV-Angebot ausbauen und nicht Privatunternehmen wie der VW-Tochter MOIA einen Absatzmarkt sichern", forderte sie.

Außerdem mute es seltsam an, als heutige Regierungspartei ein Versprechen für zehn Jahre später zu machen. Das würde wie ein vorgezogener Aprilscherz wirken.

Beim grünen Koalitionspartner freute man sich hingegen, "dass endlich Dynamik in die Diskussion kommt", wie der Fraktionsvorsitzende Anjes Tjarks sagte. Der Fünf-Minuten-Takt würde in der Rot-Grünen Koalition schon länger diskutiert und ginge in eine verkehrspolitisch richtige Richtung.

Um die Verkehrssituation in Hamburgs Westen bis zu einer geplanten Schnellbahnanbindung zu verbessern, plant Rot-Grün eine zusätzliche Busverbindung zwischen Othmarschen und Eidelstedt, eine weitere Haltestelle der Metrobuslinie 3 und Taktverdichtungen. Über einen entsprechenden Antrag soll die Bürgerschaft bei ihrer nächsten Sitzung abstimmen, wie die Fraktionen am Montag mitteilten.

Titelfoto: DPA

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