Heimlich Migranten ins Land geschleust? Polizei entlarvt rechte Fake-News-Hetze!

Hamburg - In den sozialen Medien kursiert derzeit ein Video, auf dem zu erkennen ist, wie dutzende Personen aus einem Zug in Ashausen (Landkreis Harburg) aussteigen und die Straße entlanggehen. So weit, so unspektakulär.

Das Video zeigt, wie mehrere Personen aus einem Zug aussteigen.
Das Video zeigt, wie mehrere Personen aus einem Zug aussteigen.  © Montage: Screenshot Facebook/HenrykStöckl

Doch im Netz haben sich rechte Meinungsmacher den Clip zu eigen gemacht und behaupten, es handle sich um Flüchtlinge, die heimlich von der Regierung ins Land geschleust würden.

Einer, der die Fake News unter anderem verbreitet, ist Henryk Stöckl, der sich selbst als "Patriot gegen links-grüne Mainstream-Medien" bezeichnet und bereits für seine rechte Meinungsmache im Netz bekannt ist.

Am Donnerstag teilte Stöckl das entsprechende Video auf seinem Twitter-Account und schrieb dazu: "Ein Zug mit 1.000 (EINTAUSEND) Schwarzafrikanern fuhr gestern in #Ashausen ein. Eine Frau filmte die Massen und wurde dabei von einem Migranten bedrängt! In den Medien liest man darüber nichts."

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Dann fragt er an Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius gewandt: "Was geht da vor sich, was verschweigen Sie uns?"

"Ungeheurlich und infam, was hier an Unwahrheiten verbreitet wird", lautet die Reaktion von Pistorius. Um die Verbreitung im Netz einzudämmen, hat sich nun auch die Polizei Harburg zu den Szenen geäußert.

Ebenfalls bei Twitter betonte sie, dass es sich bei dem Video keinesfalls um eine große Anzahl von Flüchtlingen handle, sondern schlichtweg um Menschen, die zur Arbeit gingen.

Auch der Landkreis Harburg teilte auf Anfrage mit: Die gezeigten Personen sind keine Flüchtlinge, die in Ashausen untergebracht werden sollen. Die Pressesprecherin sagte, dass es zu 99 Prozent Angestellte eines großen Unternehmens in der Region seien.

Das Social-Media-Team der Polizei Harburg reagierte auf die Hetze.
Das Social-Media-Team der Polizei Harburg reagierte auf die Hetze.  © DPA

Sie steigen demnach regelmäßig in Ashausen vom Zug in einen Bus ins benachbarte Winsen um. Dort ist ein Logistik-Zentrum des Unternehmens angesiedelt.

Die Sprecherin ergänzte, dass der Landkreis Harburg im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 240 Flüchtlinge zugewiesen bekommen habe. Der Kreis habe zudem keine Unterkunft, in der man auch nur annähernd 1000 Menschen an einem Ort aufnehmen könne.

"Derzeit kursiert ein Video in den sozialen Medien, das eine vermeintlich große Anzahl von Flüchtlingen zeigen soll, die plötzlich und ohne Wissen der Bevölkerung mit einem Zug in #Ashausen ankommen. Das ist falsch!", stellt auch die Polizei noch einmal ausdrücklich klar.

Richtig sei lediglich, dass dort regelmäßig Menschen mit dem Zug ankämen.

"Richtig ist auch, dass wir wegen eines Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz ermitteln, da das Video mutmaßlich ohne Zustimmung der abgebildeten Personen veröffentlicht und verbreitet wurde. #RechtameigenenBild #Ashausen", so die Polizei weiter.

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