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Hier seht Ihr die Schattenseiten der Mode

Dresden - Hygiene-Museum zeigt die Schattenseiten der Mode. "Fast Fashion“ als Lifestyle. Modisch hip zu sein, ist längst kein Luxus mehr, sondern Ausdruck individuellen Lifestyles. Die Modeindustrie hat für jedes Bedürfnis und jeden Geldbeutel das passende Angebot parat.
Steffi Lehmann (26) ist beeindruckt von den Sweatshirts (Manu Washaus Leipzig) mit Motiven der 2013 in Bangladesh eingestürzten Textilfabrik.
Steffi Lehmann (26) ist beeindruckt von den Sweatshirts (Manu Washaus Leipzig) mit Motiven der 2013 in Bangladesh eingestürzten Textilfabrik.

Dresden - Modisch hip zu sein, ist längst kein Luxus mehr, sondern Ausdruck individuellen Lifestyles. Die Modeindustrie hat für jedes Bedürfnis und jeden Geldbeutel das passende Angebot parat.

Damit das funktioniert, wird Bekleidung heute meist in Ländern produziert, die über geringe Umweltstandards und ein niedriges Lohnniveau verfügen. Die neue Ausstellung „Fast Fashion“ im Deutschen Hygiene-Museum Dresden (bis 3. Juli 2016) zeigt Mode und ihre Schattenseiten.

Spätestens seit dem Einsturz einer Textilfabrik im April 2013 in Bangladesch, bei dem 1 127 Menschen getötet wurden, hat sich auch im Westen ein Problembewusstsein gegenüber der globalisierten Textilwirtschaft entwickelt. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, das die Ausstellung gestaltete, baut darauf auf und konzentriert seine kritische Analyse auf Konsumverhalten, ökonomische und ökologische Rahmenbedingungen.

Zuerst jedoch wird der Besucher anhand originaler Exponate und eines Video-Catwalks ins Regime der Modewelt eingeführt: von „Haute Couture“ über „Prêt-à-porter“-Mode und mittelpreisige Konfektionsware reicht das schließlich bis zu „Fast Fashion“.

Haute Couture und „Prêt-à-porter“- Mode stehen für die Welt des schönen Scheins, ein Video beleuchtet die Realität hinter der Fassade.
Haute Couture und „Prêt-à-porter“- Mode stehen für die Welt des schönen Scheins, ein Video beleuchtet die Realität hinter der Fassade.

Was sich hinter diesem Begriff im Hinblick auf Produktion und Konsumption verbirgt, zeigt der Ausstellungs-Parcours anhand von Filmen und Fotodokumentationen, Sachinformationen und fantasievoll aufgearbeiteten Statistiken sowie verschiedenen künstlerischen Objekten.

Man erfährt, dass 90 Prozent der Bekleidung für den amerikanischen und europäischen Markt heute in Billiglohnländern wie China, Indien, Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha kostengünstig produziert werden. Eindrucksvolle Fototableaus geben Einblicke in Arbeitsbedingungen beispielsweise in Textilfabriken in Bangladesch. Preiskalkulationen für Kleidungsstücke weisen maximal ein bis zwei Prozent Anteil für Arbeitslohn aus, sodass die Löhne in der Regel unterhalb des Existenzminimums liegen.

Demgegenüber veranschaulicht ein Tafelbild eindrucksvoll den Werteverfall von Textilien: unter anderem kostet eine Fast-Fashion- Hose den Preis eines Eisbechers.

Das Ergebnis: Wir kaufen viel mehr als wir brauchen, in Deutschland 27 Kilo Textilien pro Jahr (Europa 20 Kilo), das ist vier Mal mehr als 1980.

Fotografie von einer Färberei in Shishi (China), aufgenommen von Greenpeace- Fotograf Jeff Lau.
Fotografie von einer Färberei in Shishi (China), aufgenommen von Greenpeace- Fotograf Jeff Lau.

Dass damit ein enormer Ressourcenverbrauch einhergeht, der zu einer oft unterschätzten Umweltbelastung führt, wird wiederum in eindrucksvollen Bildern und Statistiken deutlich. So benötigt man für die Herstellung von einem Kilogramm Bekleidung ein Kilogramm Chemikalien und 300 Liter Wasser. Für den gesamten Produktions- und Verarbeitungsprozess werden etwa 7000 unterschiedliche Chemikalien eingesetzt. Schauerlich schön wird das Problem in einer Fotografie des Tullahan-Flusses auf den Philippinen sichtbar, der sich in der Modefarbe Pink zeigt.

Der abschließende Ausstellungsteil ist einem „Slow-Fashion-Lab“ gewidmet, das anhand innovativer Produkte und Technologien eine „grüne“ Mode präsentiert. Ein Laufsteg stellt Kollektionen von Dresdner Designern und neueste Entdeckungen nachhaltiger Mode der Berliner Fashion Week vor. Da kann man Lachshaut als Alternative für Leder begutachten, sich über Färbemethoden mittels Mikroalgen oder Gerben mit Rhabarber informieren.

So mancher Besucher nimmt das Gesehene nachdenklich auf. „Beim Einkauf würde ich dann aber doch eher danach entscheiden, was mein Portemonnaie hergibt“, sagt Lisa Wobst (20), Fachschülerin aus Leipzig.

Ausstellungsbesucherinnen Lisa (20, l.) und Johanna (19) am Catwalk für nachhaltige Bekleidung.
Ausstellungsbesucherinnen Lisa (20, l.) und Johanna (19) am Catwalk für nachhaltige Bekleidung.

Fotos/Repro: Petra Hornig

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