FC Bayern München verabschiedet Uli Hoeneß! Es fließen Tränen

München - Für den FC Bayern München ist der "Tag X" am Freitag eingetreten. Nach mehr als 40 Jahren wird sich Uli Hoeneß aus der ersten Reihe des deutschen Fußball-Rekordmeisters zurückziehen.

Bevor er überhaupt nur ein Wort sagte: Uli Hoeneß kämpft mit den Tränen.
Bevor er überhaupt nur ein Wort sagte: Uli Hoeneß kämpft mit den Tränen.  © Tobias Hase/dpa

Es ist ein Werdegang, den damals, als der kleine Uli Mitte der 60er beim VfB Ulm als Teenager auflief, niemand auch nur zu träumen wagte.

Von der DFB-Schülerauswahl erspielte er sich über Jahre hinweg, von einer Top-Auswahl in die nächste, schließlich in die deutsche Nationalmannschaft, wurde 1974 schließlich Weltmeister. Doch sein Weg ging weiter.

Nach einer Knieverletzung wechselte er mit 27 Jahren, jüngste Manager in der Geschichte der Fußball-Bundesliga, in die wirtschaftliche Führung des FC Bayern Münchens. Einem Verein, der zu diesem Zeitpunkt sieben Millionen Mark Schulden hatte.

30 Jahre später, 2009, wurde er mit 99,3 Prozent zum Präsidenten des Vereins gewählt. Und nun, am 15. November 2019 endet sein Wirken bei einem der reichsten Fußballvereine der Welt.

Um 19 Uhr begann nach 49 Jahren weiß-blauem Rot-Weiß am Freitag der letzte offizielle Termin für Uli Hoeneß: Die Jahreshauptversammlung des FC Bayern Münchens.

Stehende Ovationen und Überraschungsgäste

Überraschung für Hoeneß (r.): Unter anderem verabschiedete sich auch Arjen Robben von dem Bayern-Präsidenten.
Überraschung für Hoeneß (r.): Unter anderem verabschiedete sich auch Arjen Robben von dem Bayern-Präsidenten.  © Sven Hoppe/dpa

Der erste Punkt auf der Tagesordnung: Bericht des Präsidenten. Doch Hoeneß kam nicht zum Sprechen. Stehende Ovationen und Jubelrufe verschlugen dem Bayern-Boss die Sprache, noch ehe er eine Silbe von den Lippen brachte. Schon da kämpfte er sichtlich mit den Tränen.

"Uli Hoeneß. Uli Hoeneß - du bist der beste Mann!" schallte es im Chor durch die Halle.

Dann kamen Franck Ribéry, Arjen Robben und Marko Pešić als Überraschungsgäste in die Münchner Olympiahalle und brachten den DFB-Pokal, die Meisterschale und den Pokal für die Basketball-Meisterschaft aufs Podium.

Erst nach dieser Überraschung sammelte sich der Noch-Bayern-Präsident und begann mit seiner Begrüßungsrede und der förmlichen Eröffnung der Jahreshauptversammlung.

Anschließend übergab er das Wort an den 1. Vize-Präsidenten, Prof. Dr. Dietmar Mayer, für den Rechenschaftsbericht, der neben vielen Zahlen und Daten auch den Ticket-Resellern den Kampf ansagte.

Anschließend sprach Walter Mennekes, der zweite Vizepräsident, über das sportliche Abschneiden der einzelnen Abteilungen, von den Jugendvereinen über den Basketball-Club bis hin zum Schach-Team.

Hoeneß geht mit den Worten: "Das wars, ich habe fertig. Danke!"

Mit 5976 Stimmen wurde Herbert Hainer zum neuen Präsidenten des FC Bayern Münchens gewählt.
Mit 5976 Stimmen wurde Herbert Hainer zum neuen Präsidenten des FC Bayern Münchens gewählt.  © Sven Hoppe/dpa

Update, 20.20 Uhr: Dann betrat Uli Hoeneß erneut das Rednerpult und berichtet aus dem Nähkästchen, wie alles begann: "Es war eine wunderschöne Zeit", die mit einer Knieverletzung als aktiver Spieler endete und quasi seinen Einstieg als Manager beim FC Bayern bedeutete.

"Wir hatten 7 Millionen Mark Schulden aber wir hatten das Glück, Karl-Heinz Rummenigge zu haben - denn den konnte ich nach Mailand verkaufen", erinnerte er sich zur Belustigung der Anwesenden.

Er arbeitete sich von Anekdote zu Anekdote bis in die Gegenwart, begründete noch einmal seine Rücktrittsentscheidung und betonte noch einmal sein Vertrauen in seinen Nachfolger Herbert Hainer und Oliver Kahn, der in zwei Jahren voraussichtlich Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG beerben wird.

Und er machte seine Zukunftsvision klar: "Wir sind ein Tanker, der seinen Weg gehen muss. Der nicht nach links schaut - und schon gar nicht nach rechts." Der Verein solle stark und selbstbewusst sein, aber nicht arrogant.

Vor allem soziale Ziele treiben Hoeneß umher: "Wenn man oben ist, muss man auch an die Unteren denken." Es gäbe in München Menschen, die von ihrer Rente nicht leben können. In diesem Bereich möchte er sich künftig noch mehr engagieren.

Dann blickte er ins Publikum und meinte: "Das wars, ich habe fertig. Danke!", verbeugte sich und verließ das Rednerpult.

Vorstand mit 6063 Ja-Stimmen entlastet

Update, 20:33 Uhr: Nach dem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft über den Jahresabschluss folgte die Entlastung des Vorstandes. Die 6091 stimmberechtigten Mitglieder bestätigten diese Entlastung mit nur 20 Nein-Stimmen und 8 Enthaltungen unter der Leitung von Dr. Gerhard Riedl.

Anschließend kam Karl-Heinz Rummenigge mit dem Bericht des Vorstandes an das Rednerpult. Er eröffnet jedoch mit "Diese Jahreshauptversammlung bedeutet eine große Veränderung in der Geschichte unseres Vereins" und erzählte davon, wie er Uli Hoeneß kennenlernte.

Rummenigge ehrt den "Rekordmeister beim Rekordmeister"

Karl-Heinz Rummenigge (l.) übernimmt das Rednerpult, während Uli Hoeneß sich dankend vor den Zuschauern verbeugt.
Karl-Heinz Rummenigge (l.) übernimmt das Rednerpult, während Uli Hoeneß sich dankend vor den Zuschauern verbeugt.  © Tobias Hase/dpa

Update, 20:53 Uhr: Besonders ehrt Karl-Heinz Rummenigge, als er von jenen Spielern sprach, die den Verein verließen, die beiden "Überraschungsgäste" Franck Ribéry und Arjen Robben: "Diese beiden haben über eine Dekade für uns gespielt. Es waren die erfolgreichsten Jahre in der Geschichte des FC Bayern Münchens". Vor allem den Franzosen, der mit 24 Titeln in zwölf Jahren zum "Rekordmeister beim Rekordmeister" wurde, hob er dabei hervor.

Schließlich bedankte er sich zudem bei Rafinha, James Rodríguez, Renato Sanches und Marco Friedl. Und er nahm Mats Hummels dankend vor den Buh-Rufen der Fans in Schutz: "Wir bekamen ein sehr gutes Angebot, das wir schon allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht ausschließen konnten."

Dann blickt er in den aktuellen Kader und gesteht, hohe Investitionen getätigt zu haben: "Wir haben unseren Kader weiter auf höchstem Niveau verjüngt, und vor allem in Lucas Hernandez und Benjamin Pavard zwei weltmeisterliche Verstärkungen bekommen." Diese werden sich jedoch auszahlen, ist sich Rummenigge sicher.

Anschließend lobte und dankte er noch einmal Hasan Salihamidzic: "Er gibt jeden Tag 100 Prozent für den FC Bayern München." Und appellierte an die Anwesenden: "Ich bitte auch, ihm zu vertrauen. Er ist ein junger Mensch." Und es gäbe keine Uni, die einen auf die Ausbildung zum Sportdirektor oder Vorstand bei solch einem Verein vorbereite.

Hansi Flick bleibt mindestens bis Weihnachten Bayern-Coach

Update, 21.03 Uhr: "Uli, Hasan und ich haben nach dem Dortmund-Spiel öffentlich kundgetan, dass Hansi bis auf weiteres unser Trainer sein wird", erinnerte Rummenigge. Und um Fans und Journalisten das Spekulieren zu ersparen, gab er dem Interims-Trainer, Hansi Flick, noch einmal Rückendeckung. "Und 'bis auf Weiteres' bedeutet mindestens bis Weihnachten. Und vielleicht darüber hinaus."

Rummenigge: Rassismus ist beim FC Bayern und im Fußball keine Option

Update, 21.19 Uhr: Karl-Heinz Rumenigge setzt ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung von Menschen: "Wir sind nicht verantwortlich für das, was passiert ist. Aber wir sind verantwortlich dafür, dass es nicht vergessen wird."

Er erinnert an die soziale und politische Verantwortung des Vereins und erinnert an den Besuch des Holocaust-Museums in Los Angeles oder der Teilnahme am Christopher-Street-Day: "Ich stelle im Namen des ganzen FC Bayern klar: Mia san bunt." Er könne nicht akzeptieren, dass Manche hier anders denken.

Rummenigge und Hoeneß kabbeln sich: Gelächter

Nach einer emotionalen Rede scherzen Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß gleich wieder weiter.
Nach einer emotionalen Rede scherzen Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß gleich wieder weiter.  © Sven Hoppe/dpa

Update, 21.37 Uhr: "Ich hatte in dir den perfekten Lehrmeister", richtet sich Karl-Heinz Rummenigge schließlich an Uli Hoeneß. Zuerst als Spieler, später hinter den Kulissen.

"Dieser Club war und ist für dich eine Familie", meinte der Vorstandsvorsitzende zum scheidenden Präsidenten. "Wer deinen FC Bayern angegriffen hat, wusste, worauf er sich einlässt", lobte Rummenigge weiter.

Dann kämpfte auch er mit den Tränen: "Wir haben gemeinsam alles erlebt, haben Seite an Seite gelitten und gejubelt." Er erinnerte an die vielen gemeinsamen Jahre. "Jede Sekunde neben dir war ein Genuss", trotz bayerischer Streitkultur. Er ergänzte: "Es war mir eine Ehre, mein Freund", und verließ das Rednerpult mit den Worten: "Mir san Uli."

Nachdem er Uli Hoeneß schließlich ein Fotobuch mit Erinnerungen übergab, meinte der Noch-Präsident: "Ich danke dir, muss aber eines sagen: Ich wusste gar nicht, dass du so emotional sein kannst", worauf Rummenigge grinsend meinte: "Veraschen kann ich mich selber." Gelächter.

Es folgte der Finanzbericht von Jan-Christian Dreesen. Mit über 750 Millionen Euro Gesamtumsatz und einem Jahresüberschuss von 52 Millionen Euro wurde ein neuer Rekord erreicht.

Der designierte Hoeneß-Nachfolger, Herbert Hainer, stellt sich vor

Update, 22.10 Uhr: Daraufhin wurde der Wahlausschuss unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. Gerhard Riedl vorgestellt. Das Präsidium verließ die Bühne. Der Dingolfinger Herbert Hainer, Wahlvorschlag als neuer Vereinspräsident, stellte sich daraufhin den Mitgliedern vor. Er berichtet von seinem Traum, Fußballprofi zu werden - was jedoch nur sein Bruder beim TSV 1860 München schaffte - seine Karrierer beim Sportartikelhersteller "Adidas" und dem wirtschaftlichen Erfolg dieses Unternehmens.

Doch er warnte: "Es darf nicht immer um maximalen Gewinn gehen." Er wollte schon immer hochzufriedene Mitarbeiter und ein nachhaltiges Arbeiten anstreben. "Der FC Bayern ist kein kickender Konzern und darf es nie werden." Er sei Sport und Heimat. Das sei die Seele des Vereins - und die dürfe er nie verlieren.

Der erneute Vize-Präsident-Bewerber, Prof. Dr. Dieter Mayer, bescheinigt dem Verein unter Herbert Hainer eine positive Zukunft. Auch Walter Mennekes, erneuter Bewerber um den Posten des zweiten Vize-Präsidenten, warb anschließend um seine Wiederbesetzung.

Herbert Hainer ist offiziell neuer Präsident des FC Bayern Münchens

Update 22.54 Uhr: Nachdem sich die Kandidaten vorstellten, erklärte Dr. Gerhard Riedl das Prozedere zur Wahl. Anschließend wurde abgestimmt. Und damit war es offiziell: Herbert Hainer wurde mit überwältigender Mehrheit (nur 79 Nein-Stimmen und 36 Enthaltungen) bis 2022 zum neuen Präsidenten des FC Bayern Münchens ernannt. Die Ära Uli Hoeneß ist damit offiziell abgeschlossen.

Auch Prof. Dr. Dieter Mayer (1. Vize-Präsident, 46 Nein-Stimmen, 44 Enthaltungen) und Walter Mennekes (2. Vize-Präsident, 21 Nein-Stimmen, 10 Enthaltungen) haben sich das Vertrauen der Mitglieder erarbeitet und bekommen ihre alten Ehrenämter wieder zugewiesen.

Uli Hoeneß zum Ehrenpräsidenten gewählt

Update, 23.14 Uhr: Im Anschluss an die Wahl gab es noch ein besonderes Video. Aktuelle und ehemalige Wegbegleiter, große und kleine Namen aus den verschiedenen Abteilungen und Epochen von Uli Hoeneß bedankten und verabschiedeten sich von "ihrem Uli". Sichtlich gerührt und geehrt nahm Hoeneß die Sprechgesänge und stehenden Ovationen entgegen.

Als erste große Amtshandlung trat der neue Bayern-Boss, Herbert Hainer, während des abklingenden Applauses, ans Mikrofon und beantragte durch "Abstimmung per Beifall" Uli Hoeneß zum 6. Ehrenpräsidenten des 1. FC Bayern München e.V. zu benennen.

Anschließend sagten per Videobotschaft noch einmal einige der aktiven Spieler des deutschen Rekordmeisters - allesamt mit blonder Uli-Gedächtnis-Perücke - zum Gruß: "Servus, mein Präsident".

Titelfoto: Tobias Hase/dpa

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