Bayern-Kracher gegen Dortmund: "Männerfußball" auf hohem Niveau

München - Ist der Bundesliga-Gipfel gegen Dortmund schon das Endspiel von Hansi Flick (54)? Der Interimscoach des FC Bayern München kennt nur einen Antrieb. Die 90 Minuten werden die Trainerfrage beim Rekordmeister forcieren.

Der FC Bayern München empfängt am 11. Spieltag der Bundesliga den BVB.
Der FC Bayern München empfängt am 11. Spieltag der Bundesliga den BVB.  © Sven Hoppe/dpa

Flick ahnte, was kommt. Aber locken ließ sich der Interimscoach vor dem großen Zukunftsspiel des FC Bayern gegen die Borussia aus Dortmund nicht.

Der Verlauf und auch der Ausgang des nationalen Clásicos am Samstag (18.30 Uhr/Sky) in der Allianz Arena wird die Trainerfrage beim deutschen Serienmeister noch weiter forcieren. Und darum blockte Flick am Freitag alle Reporterfragen ab.

"Das Spiel gegen Dortmund ist die Ziellinie. Da wollen wir durchgehen mit einem Sieg. Das ist das, was mich antreibt, das ist das, was die Spieler antreibt", sagte Flick.

Was danach kommt, wird ausgeblendet. "Der FC Bayern wird seine Entscheidung treffen", verdeutlichte der 54 Jahre alte Trainer.

Alles bis auf eine krachende Niederlage würde den Münchner Bossen Zeit verschaffen und den Handlungsdruck in der Länderspielpause verringern. Und eine Verlängerung der Flick-Spiele ermöglichen.

Aber für das Gigantentreffen Bayern gegen Dortmund sind verlässliche Voraussagen unmöglich, wie der Clásico-Experte Mats Hummels (30) vor seiner viel beachteten Rückkehr im BVB-Trikot nach München weiß: "Unsere Duelle sind immer etwas Spezielles. Und es ist nie vorhersehbar, was passiert."

Dortmund mit Horror-Bilanz in den letzten Spielen in der Münchner Allianz Arena

Mats Hummels will mit dem BVB in München einen wichtigen Sieg feiern.
Mats Hummels will mit dem BVB in München einen wichtigen Sieg feiern.  © Bernd Thissen/dpa

Flick wagte die Vorhersage eines intensiven Abends: "Die Bundesliga ist Männerfußball. Es wird ein Spiel auf hohem Niveau."

Der 54-Jährige nahm damit einen Satz auf, mit dem BVB-Sportdirektor Michael Zorc (57) die eigenen Profis nach der "Horrorbilanz" von fünf bittere Niederlagen mit insgesamt 3:22 Toren in den letzten fünf Ligaspielen in der Allianz Arena anstachelte. "Wir müssen Männerfußball spielen! Wir müssen Kerle sein!", hatte Zorc vor dem Duell erklärt.

Beide Titelanwärter dürfen nicht verlieren, um Anschluss an Spitzenreiter Gladbach zu halten. Es sei, egal unter welchen Vorzeichen, "das Spiel der Saison" sagte Bayern-Spieler Leon Goretzka (24).

Dass die Formkurve für Dortmund sprechen könnte, wischt Kapitän Manuel Neuer einfach beiseite: "Es ist immer ein Duell auf Augenhöhe, egal, wo wer in der Bundesliga steht, wer gerade die Nase vorn hat, wie die Lage der Liga ist. Es ist der deutsche Klassiker - und der hat seine eigenen Gesetze."

Und mit Flick einen neuen Hauptdarsteller. Legt der 54-Jährige nach dem gelungenen 2:0-Einstand gegen Olympiakos Piräus gegen den BVB erfolgreich nach, könnte aus dem Zwei-Spiele-Coach ganz schnell ein Übergangschef bis zur Winterpause oder sogar bis zum Saisonende werden.

Diese Variante würde den Münchner Bossen die Möglichkeit geben, in Ruhe an einer Lösung mit dem geschätzten Erik ten Hag (49) zu arbeiten, der Ajax Amsterdam kurzfristig nicht verlassen will.

Hansi Flick beim FC Bayern München: Es geht um Ergebnisse

Hansi Flick hat beim FC Bayern vorerst die Nachfolge von Niko Kovac übernommen.
Hansi Flick hat beim FC Bayern vorerst die Nachfolge von Niko Kovac übernommen.  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images/Bayern

Am Samstag heißt das Duell Flick kontra Lucien Favre (62). Vom Schweizer Tüftler und Zauderer wird erwartet, dass er den Lauf der jüngsten, emotionalen Erfolge des BVB aufnimmt und damit mutiger handelt als beim letzten 0:5-Untergang.

"Wir haben keine Angst vor Bayern", versicherte Favre, dem aber die Offensiv-Asse Marco Reus (30) und Jadon Sancho (19) fehlen könnten. BVB-Rückkehrer Hummels weiß, was der Borussia fehlte. Mumm! Schon im Kabinengang hätten sie damals "das Gefühl" gehabt, zu gewinnen, berichtete er. "Da hat der BVB nicht dagegengehalten."

Zuletzt tat das die Dortmunder Mannschaft beim Pokalsieg gegen Mönchengladbach und beim furiosen 3:2 in der Champions gegen Inter Mailand, als jeweils mit großer Moral und offensiver Wucht Rückstände in Erfolge verwandelt werden konnten. "Wir müssen auch in München mutig auftreten", erklärte Julian Brandt (23) in diesem Kontext.

Wer wagt mehr Risiko? Flicks wichtigste Sofortmaßnahmen bei den Bayern lauten Stabilität und Maloche. Künstler-Fußball mit feinen Technikern wie Philippe Coutinho (27) und Thiago (28) scheint auch gegen den BVB nicht angesagt. "Es hat uns sehr gut getan, dass wir uns auf die Defensive konzentriert haben", sagte Flick zum zähen Piräus-Spiel.

Er erwähnte extra die Laufleistungen von Joshua Kimmich (24, 13,6 Kilometer) und Thomas Müller (30), der über zwölf Kilometer gerannt war. "Man ist in München jahrelang verwöhnt worden mit schönem Fußball", bemerkte Flick.

Jetzt geht's um Ergebnisse.

Flicks offensive Trumpfkarte heißt Robert Lewandowski (31). Der Pole hat an jedem der ersten zehn Spieltage getroffen. Und gegen den x-Club trifft er besonders gerne, zehnmal in den letzten fünf Duellen. "Lewandowski ist große Klasse. Er ist brandgefährlich im Strafraum", warnte Favre. Stoppt der BVB Lewandowski - und auch Flick?

Robert Lewandowski (M.) und seine Teamkollegen vom FC Bayern München stehen unter Druck.
Robert Lewandowski (M.) und seine Teamkollegen vom FC Bayern München stehen unter Druck.  © Marius Becker/dpa

Titelfoto: Marius Becker/dpa

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