TAG24-Bundesliga-Analyse: Der Meistertitel ist für den FC Bayern München Pflicht

Endlich geht es wieder los! Bereits am kommenden Wochenende starten die Bundesligisten im DFB-Pokal in die neue Saison. In der großen Analyse nimmt TAG24 alle 18 Klubs genau unter die Lupe und schätzt die Stärken, Schwächen und Kader der Teams ein.

München - Borussia Dortmund als Meister? Für alle Fans des FC Bayern eine Horror-Vorstellung, die die Münchner mit aller Macht verhindern wollen. Ein Selbstläufer wird das Einfahren des Doubles in dieser Spielzeit jedoch nicht.

Top-Transfer des FC Bayern

Der Münchner Königstransfer sollte Leroy Sané (23) werden. Der FC Bayern bemüht sich bereits seit Wochen um die Dienste des jungen Nationalspielers von Manchester City, das Werben und dessen Folgen nahmen teils groteske Züge an. Nun hat sich der 23-Jährige schwer am Knie verletzt und muss sich einem Eingriff unterziehen. Ob der Wechsel an die Isar schlussendlich überhaupt noch zustande kommen wird, steht in den Sternen.

Dass sich die Verantwortlichen von einer Verletzung nicht zwangsläufig abschrecken lassen, zeigt der Transfer von Lucas Hernández (23), der trotz einer Knieverletzung (inklusive Operation) für die überaus stolze Summe von 80 Millionen Euro von Atlético Madrid an die Säbener Straße gelotst wurde und zusammen mit Niklas Süle (23) das Kernstück der Abwehr bilden soll.

Eine stets tadellose Einstellung, Robustheit, ein starkes und faires Zweikampfverhalten sowie ein gutes Gespür für Raum und Timing zeichnen Hernández, dem man die Zeit unter Atlético-Trainer Diego Simeone (49) deutlich anmerkt, aus. Seine Athletik sticht heraus, die Größe von nur 1,82 Metern ist angesichts von Sprungkraft und Schnelligkeit kein Problem. In der Offensive hat er zwar noch etwas Luft nach oben, aber das fällt kaum ins Gewicht, für den Spielaufbau sind andere zuständig.

Hernández hat sich von seinem Eingriff am Knie inzwischen bestens erholt. Der teure Verteidiger trainiert mit der Mannschaft und dürfte bald erstmals für den Rekordmeister als Stammspieler auf dem Feld stehen.

Die Dienste des Abwehrspielers Lucas Hernández ließ sich der FC Bayern eine stolze Summe kosten.
Die Dienste des Abwehrspielers Lucas Hernández ließ sich der FC Bayern eine stolze Summe kosten.  © Montage: Matthias Balk/dpa, Martin Rickett/PA Wire

Alle Neuzugänge des FC Bayern

Ob dieser Sprung auch Benjamin Pavard (23), der vom VfB Stuttgart für 35 Millionen Euro verpflichtet wurde, gelingen wird, scheint derzeit hingegen fraglich. Die Leistungen des Franzosen waren nicht nur bei den Schwaben zuletzt recht überschaubar. Der 23-Jährige muss sich erheblich steigern, er könnte sonst zum Fehleinkauf des Sommers werden.

Einen besseren Eindruck hinterließ in der Vorbereitung derweil Jann-Fiete Arp (19).

Der Youngster, der vom Hamburger SV für drei Millionen Euro zum FC Bayern gewechselt ist und eigentlich erst behutsam an das Niveau der Liga und vor allem seines neuen Vereins herangeführt werden soll, präsentierte sich in der Saisonvorbereitung besser als von vielen erwartet. Die Chance auf einen Stammplatz ist zwar in weiter Ferne, der erste Eindruck stimmt jedoch.

Jann-Fiete Arp (l.) und Benjamin Pavard (r.) sind ebenfalls neu im Kader des FC Bayern München.
Jann-Fiete Arp (l.) und Benjamin Pavard (r.) sind ebenfalls neu im Kader des FC Bayern München.  © Montage: Matthias Balk/dpa, Peter Kneffel/dpa

Alle Abgänge des FC Bayern

Während die Abgänge von Franck Ribéry (36, Ziel unbekannt), Arjen Robben (35, Karriereende) und Rafinha (33, ablösefrei zu Flamengo Rio de Janeiro) bereits seit langer Zeit feststanden, sorgte der Abschied von Mats Hummels (30) für Aufsehen.

Für 30,5 Millionen Euro zog es den Abwehrspieler zurück zur Borussia nach Dortmund. Hummels lief bereits von 2008 bis 2016 für den BVB auf, konnte mit dem Verein große Erfolge feiern und reifte zu einem Verteidiger von Weltklasse-Format heran.

Aufgrund der Neuzugänge von Hernández und mit Abstrichen Pavard schien Hummels' Platz in der Abwehr nicht nur zu wackeln, sondern gänzlich verloren zu sein. Kovac erklärte deutlich, im Zentrum mit Hernández zu planen. An dessen Seite Süle zu Recht und ohne jeglichen Zweifel gesetzt ist.

Eine faire Entscheidung strikt nach dem Leistungsprinzip schien der Übungsleiter beinahe kategorisch auszuschließen, was wohl auch der immensen Ablösesumme des 80-Millionen-Franzosen geschuldet sein dürfte. Ob sich diese Vorgehensweise rächen wird, dürfte sich im Laufe der Saison zeigen.

Einerseits könnte Hummels im Falle von Verletzungen oder ebenfalls möglichen Anpassungsschwierigkeiten in der Bayern-Abwehr schmerzlich fehlen, andererseits könnte seine Rolle beim BVB, bei dem er die junge Abwehrreihe als erfahrener Akteur leiten und so auf das nächste Level heben soll, zum Problem werden. Die Dortmunder haben massiv aufgerüstet, es droht ein enger Kampf um Titel, bei dem auch Hummels zum Zünglein an der Waage werden kann.

Darüber hinaus hat die Rückkehr von James Rodríguez (27) zu Real Madrid einen faden Beigeschmack. Die Münchner entschieden sich, die vertraglich festgelegte Kaufoption in Höhe von 42 Millionen Euro zum Ende der Leihe nicht zu ziehen. Kovac war es zuvor nicht gelungen, den überaus spielstarken Kolumbianer in das Team zu integrieren.

Der Abgang von Marco Friedl (21), der nach einer Leihe vom Bundesliga-Konkurrenten Werder Bremen für 3,5 Millionen Euro fest verpflichtet wurde, stellt im Gegenzug nicht mehr als eine kleine Randnotiz dar.

Mats Hummels (2.v.r.) kommt bei Borussia Dortmund nach seinem Wechsel eine ganz besondere Rolle zu.
Mats Hummels (2.v.r.) kommt bei Borussia Dortmund nach seinem Wechsel eine ganz besondere Rolle zu.  © David Inderlied/dpa

DFB-Pokal: Pflichtaufgabe auf dem Weg zur Titelverteidigung

Die Münchner konnten sich in der zurückliegenden Saison im Finale gegen RB Leipzig nach der Niederlage gegen Eintracht Frankfurt im Vorjahr den DFB-Pokal sichern. Auch in diesem Jahr geht der Kampf um die begehrte Trophäe erneut nur über den FC Bayern (und den BVB).

Zum Auftakt geht es für die Truppe von Kovac ins Stadion der Freundschaft - und damit zum FC Energie Cottbus. Die Rollenverteilung ist vor dem Aufeinandertreffen am kommenden Montag (2. August, 20.45 Uhr) eindeutig.

Coach Claus-Dieter Wollitz (54) und seine Mannschaft, die zurzeit in der Regionalliga Nordost spielt und völlig neu formiert ist, wollen den großen Favoriten zwar ärgern, alles andere als ein Bayern-Sieg wäre jedoch eine der größtmöglichen Sensationen der diesjährigen ersten Runde.

Claus-Dieter Wollitz und Energie Cottbus wollen den FC Bayern München im DFB-Pokal ärgern.
Claus-Dieter Wollitz und Energie Cottbus wollen den FC Bayern München im DFB-Pokal ärgern.  © Frank Hammerschmidt/zb/dpa

Saisonziel des FC Bayern

Hinsichtlich des Saisonziels muss nicht lange um den heißen Brei herumgeredet werden: Die achte Meisterschaft in Folge ist trotz eines starken Widersachers aus Dortmund im Münchner Selbstverständnis schlichtweg Pflicht. Auch im DFB-Pokal wäre alles andere als ein erneuter Triumph am Ende der Saison ein deutlicher Makel für den Verein.

Steht am Ende das Double aus Bundesliga und Pokal, sind die grundlegenden Anforderungen der Verantwortlichen erfüllt.

Niko Kovac konnte mit dem FC Bayern in seinem ersten Jahr an der Säbener Straße das Double feiern.
Niko Kovac konnte mit dem FC Bayern in seinem ersten Jahr an der Säbener Straße das Double feiern.  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images/Pool/d

TAG24-Prognose zum FC Bayern

Der Titel in der Liga (und im Pokal) geht auch in dieser Saison nur über den FC Bayern München. Die Münchner sind in sämtlichen Mannschaftsteilen bärenstark besetzt.

Manuel Neuer (33) fungiert als gewohnt sicherer Rückhalt, Sven Ulreich (31) ist ein verlässlicher und routinierter Ersatzmann.

Ein Abwehrverbund aus Süle und Hernández im Zentrum sowie Joshua Kimmich (24) und David Alaba (27) als Außenverteidiger ist, wenn die Akteure fit und in Form sind, von jedem Sturm nur schwer zu knacken. Auch eine Dreierkette ist durch das vorhandene Personal eine Alternative und bietet in taktischer Hinsicht wichtigen Spielraum. Dazu kommt mit Jérôme Boateng (30) ein Spieler, der noch immer zu starken Leistungen fähig ist. Lediglich hinter Pavard steht derzeit ein Fragezeichen.

Um das Mittelfeld dürfte die Konkurrenz die Münchner ebenfalls beneiden. Javi Martínez (30) überzeugt als robuster Abräumer, kann absoluten Ausnahmekönnern wie Thiago Alcántara (28) problemlos den Rücken freihalten. Zudem kann mit Kimmich ein weiterer Akteur als Sechser auflaufen, sollte Kovac mit einer Dreierkette planen. Dazu gesellen sich mit Leon Goretzka (24) und Corentin Tolisso (25) zwei Akteure, die national in jeder anderen Mannschaft gesetzt wären.

Bei Renato Sanches (21) gilt es hingegen abzuwarten. Der junge Mittelfeldspieler war unzufrieden, erhielt kaum Einsatzzeit und wollte weg. Nach einem eindringlichen Gespräch mit den Verantwortlichen folgte die Kehrtwende, die aber mit der klaren Forderungen nach mehr Chancen, sich auf dem Platz zu präsentieren, verbunden ist.

In der Offensive verfügt der FC Bayern mit Kingsley Coman (23) und Serge Gnabry (24) über eine Flügelzange, die sich sehen lassen kann - allerdings eine latente Gefahr mit sich bringt. Beide sind durchaus anfällig für Verletzungen. Vor allem der 23-jährige Franzose scheint geradezu verflucht zu sein. Thomas Müller (29) ist kein Flügelspieler und wird es auch nicht mehr werden. Neuzugang Arp ist in dieser Rolle nur ein Notnagel, Alphonso Davies (18) mehr eine Notlösung als eine Alternative.

Dieser Umstand veranschaulicht perfekt das Problem der Münchner: Es stimmt nicht in der Breite des Kaders. Nicht umsonst setzten Hasan Salihamidzic (42) und Co. bislang bei Sané alle Hebel in Bewegung. Selbst eine Verpflichtung des Nationalspielers wäre aber keine endgültig Lösung gewesen - auch ohne dessen Schock-Diagnose. In Bestbesetzung sind die Bayern zweifelsohne schwer zu schlagen. Was passiert jedoch, wenn es das Glück nicht gut meint?

Eine Verletzung von Robert Lewandowski (30) wäre beispielsweise ein Schlag, der mit dem aktuellen Kader bei aller Liebe in keiner Weise zu verkraften wäre. Nicht umsonst hat der Stürmer mit Nachdruck mindestens noch drei Neuzugänge gefordert. Angesichts einer langen Saison und wettbewerbsübergreifend vielen Partien muss dringend nachgebessert werden. Zeit dafür bleibt dem FC Bayern bis zum 2. September, dann schließt das Transferfenster in Deutschland.

Geschieht dies und nimmt das Pech gleichzeitig nicht Überhand, wird es für die nationale Konkurrenz erneut reichen.

Abgesehen vom BVB haben nur wenige Mannschaften die Qualität, die Bayern realistisch und konstant ärgern zu können. Die achte Meisterschaft in Serie scheint greifbar, auch weil in schwierigen Phasen der Saison eine entsprechende Mentalität den Ausschlag geben kann - und bei selbiger macht dem Seriensieger noch immer keiner etwas vor.

Deshalb gilt: Das Double ist wie immer (!) Pflicht. Es wird vom FC Bayern erwartet.

Robert Lewandowski und der FC Bayern München wollen einmal mehr das Double gewinnen.
Robert Lewandowski und der FC Bayern München wollen einmal mehr das Double gewinnen.  © Christian Charisius/dpa

Bereits veröffentlichte Analysen

Borussia Dortmund

RB Leipzig

Eintracht Frankfurt

1. FSV Mainz 05

SC Freiburg

Fortuna Düsseldorf

FC Augsburg

Borussia Mönchengladbach

1. FC Köln

TSG 1899 Hoffenheim

Hertha BSC

FC Schalke 04

SC Paderborn 07

Bayer 04 Leverkusen

Titelfoto: Montage: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Imag

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