Überzogene Kritik: Die Qualität der Bundesliga ist besser als alle denken

Ein Kommentar

Dresden - Man müsse aufpassen, sonst würde man international den Anschluss verlieren. Man müsse noch mehr Geld generieren, um irgendwie mithalten zu können. Die großen Kracher würden nicht in die Bundesliga kommen.

War der Shooting-Star der vergangenen Saison und hat seinen Vertrag bei Bayer 04 Leverkusen trotz vieler lukrativer Angebote bis 2023 verlängert: Leon Bailey.
War der Shooting-Star der vergangenen Saison und hat seinen Vertrag bei Bayer 04 Leverkusen trotz vieler lukrativer Angebote bis 2023 verlängert: Leon Bailey.  © DPA

All diese in den vergangenen Wochen immer häufiger zu hörenden Aussagen sind irgendwo richtig, aber auch irgendwo falsch.

Denn auch vor einigen Jahren, als alle noch voll des Lobes und von der großen Qualität begeistert waren, fand man die Weltstars nicht in Deutschlands Eliteklasse.

Ein Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Zlatan Ibrahimovic, Ronaldinho oder Eden Hazard haben niemals in der Bundesliga gespielt - und werden es auch nicht mehr.

Dennoch hat es dem deutschen Fußball nie an Qualität gemangelt.

Nein, auch nicht in der letzten Spielzeit, wo das Abschneiden in den internationalen Wettbewerben insgesamt gesehen schlecht war, wo aber auch vieles zusammenkam.

Deshalb und wegen der schlechten Weltmeisterschaft 2018 der DFB-Mannschaft in Russland aber die ohnehin schon hitzige Debatte um die Ach-so-schlechte-Bundesliga nochmal zu dramatisieren, ist völlig überzogen.

Denn sie ist auch weiterhin eine der besten Ligen der Welt und hat eine hohe Qualität. In England wird vielleicht schnellerer Fußball gespielt, in Spanien technisch anspruchsvollerer. In der Bundesliga ist die taktische Disziplin aber insgesamt besonders ausgeprägt.

BVB-Akteur Marco Reus (Mitte) ist er einer der besten Außenbahnspieler der Welt. Wenn er verletzungsfrei bleibt, kann er das vielleicht auch endlich mal konstant unter Beweis stellen.
BVB-Akteur Marco Reus (Mitte) ist er einer der besten Außenbahnspieler der Welt. Wenn er verletzungsfrei bleibt, kann er das vielleicht auch endlich mal konstant unter Beweis stellen.  © DPA

Das mag nicht jedem gefallen, aber selbst in Spanien und England ist nicht jedes Spiel ein Offensivspektakel. Hier gibt es auch genügend schwache Partien.

Und natürlich haben diese beiden und auch andere Länder in Sachen Nachwuchsarbeit aufgeholt und Deutschland mitunter sogar dank deutlich höherer Einnahmen überholt, nachdem die deutsche Jugendarbeit nach der schwachen Europameisterschaft 2004 neu und erfolgreich gestaltet wurde.

Aus der stärker gewordenen Konkurrenz aber zu folgern, dass Deutschlands Nachwuchsarbeit nun schlecht sei, weil ein paar Monate lang keine Titel gewonnen wurden, ist lächerlich.

Denn wer sich in den vergangenen Jahren mal die A- oder B-Jugend-Bundesliga angeschaut hat, der weiß, wie viele hochveranlagte Talente jedes Jahr aufs Neue nachkommen und wie gut diese Akteure ausgebildet sind.

Sie haben es allerdings schwer, in Mannschaften wie Bayern, Dortmund, Hoffenheim, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen zu kommen, die für attraktiven und auch erfolgreichen Fußball stehen.

Auch Spiele des SC Freiburg, 1. FSV Mainz 05, SV Werder Bremen und von Hannover 96 sind mitunter herzerfrischend anzusehen.

Star-Aufgebot beim FC Bayern München: Thomas Müller (l.), WM-Torschützenkönig von 2010, und Robert Lewandowski (r.), dreifacher Torschützenkönig der Bundesliga haben ihre Klasse schon oft genug unter Beweis gestellt.
Star-Aufgebot beim FC Bayern München: Thomas Müller (l.), WM-Torschützenkönig von 2010, und Robert Lewandowski (r.), dreifacher Torschützenkönig der Bundesliga haben ihre Klasse schon oft genug unter Beweis gestellt.  © DPA

Natürlich gibt es auch Clubs mit einem weniger attraktiven Stil, wie der FC Schalke 04, VfB Stuttgart oder sogar den FC Augsburg.

Auch Hertha BSC ist hier zu nennen, aber der Hauptstadtclub macht unter Trainer Pal Dardai eine spielerische Entwicklung mit vielen jungen Akteuren durch, die eben nicht von heute auf morgen stattfinden kann, sondern auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist.

Obwohl der Meisterschaftskampf vermutlich früh entschieden sein wird, weil der FC Bayern München die Liga auch in dieser Saison klar dominieren dürfte, wird es gerade um die Champions League und Europa-League-Plätze ein heftiges Gerangel vieler gleichwertiger Teams geben.

Auch der Abstiegskampf verspricht viel Spannung.

Aber vermutlich werden auch in den kommenden Wochen und Monaten wieder viele Menschen die Bundesliga kritisieren, weil einige Stars für hohe Ablösesummen in eine andere Liga wechseln und dafür angeblich nur unbekannte Spieler geholt werden.

Dass solche Kritik allerdings Meckern auf ganz hohem Niveau ist, wird in der Qualitätsdiskussion gerne mal verschwiegen.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0