Plakat-Eklat der Bayern-Fans: So entstanden die Spruchbänder

Sinsheim - Es ist der traurige Höhepunkt eines bereits länger schwelenden Problems: die Schmäh-Spruchbänder von "Fans" des FC Bayern München gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp (79).

Die "Fans" des FC Bayern München sorgten am Samstag für einen handfesten Eklat.
Die "Fans" des FC Bayern München sorgten am Samstag für einen handfesten Eklat.  © Tom Weller/dpa

Doch wie kamen die Spruchbänder der "Anhänger" überhaupt in das Stadion? Offenbar in Einzelteilen, die vor Ort zu einem großen Ganzen gemacht wurden. Am Samstag sind jene offenbar während des Spiels im Block zusammengestellt worden.

Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Polizeikreisen. Die Gäste-Fans hatten dort zuvor eine Choreographie zum 120. Vereinsjubiläum der Münchner mit vielen einzelnen Plakaten gezeigt.

Einsatzpolizisten berichteten am Samstagabend in Sinsheim, dass Fans größere Mengen an Klebebänder mit in die Arena genommen hätten - offiziell, um damit Fahnen an den Stangen zu befestigen. Diese seien aber dazu verwendet worden, um aus einzelnen Plakaten die Banner zu basteln, die die Münchner danach hochhielten.

Manche der mitgereisten Bayern-"Anhänger" hatten Hopp mit zwei Spruchbändern äußerst schwer beleidigt, das Bundesliga-Spiel bei der TSG, das mit 6:0 für den FC Bayern endete, war in der Folge gleich zweimal von Schiedsrichter Christian Dingert (39) unterbrochen werden. In den letzten 13 Minuten spielten die beiden Mannschaften nur noch symbolisch den Ball hin und her, während Hopp und Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge (64) am Spielfeldrand standen und applaudierten. Ein Bild mit Wirkung.

In der Vergangenheit war schon oft gerätselt worden, wie trotz strenger Kontrollen Hass-Plakate ins Stadion kommen konnten. Einige Bayern-"Fans" hatten zudem Pyrotechnik und Rauchtöpfe in die Arena geschmuggelt und abgebrannt.

Kontrollausschuss ermittelt, DFB-Präsident Fritz Keller räumt bei Problematik Fehler ein

DFB-Präsident Fritz Keller hat nach dem Hoffenheim-Eklat Fehler eingeräumt.
DFB-Präsident Fritz Keller hat nach dem Hoffenheim-Eklat Fehler eingeräumt.  © Roland Weihrauch/dpa

Der Fall beschäftigt nun alle Ebenen. Der DFB-Kontrollausschuss wird nach den Beleidigungen der "Fans" gegen Hopp ein Ermittlungsverfahren einleiten. Dies werde Anfang der Woche geschehen, bestätigte der Deutsche Fußball-Bund.

DFB-Präsident Fritz Keller (62) hat im Umgang mit den immer wiederkehrenden Beleidigungen gegen Hopp derweil erhebliche Fehler eingeräumt.

"Manche haben Recht, wenn sie sagen, wir hätten viel früher durchgreifen müssen und das einfach nicht zulassen dürfen", sagte der Präsident des DFB am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des "ZDF" deutlich. Nach den ersten Plakaten gegen Hopp vor Jahren habe es "immer wieder Geldstrafen" gegeben, "dann gab es eine Bewährungsstrafe und dann ist irgendwann mal gut."

Schmähungen und Plakate gegen den Mehrheitseigner der TSG sorgen seither für Aufregung - und zwar in mehreren Stadien. "Ich glaube, wir sind am Tiefpunkt angekommen", sagte Keller, der ausdrücklich die Reaktion der Vereine in Sinsheim lobte.

Einige "Fans" wollten mit den Aktionen gegen die wiedereingeführte DFB-Kollektivstrafe gegen die Anhänger von Borussia Dortmund protestieren, die aufgrund von Beleidigungen gegen Hopp mit einem Auswärtsbann belegt worden waren. Keller verteidigte dieses Vorgehen. "Der Teilausschluss war auf Bewährung ausgesprochen worden. Wenn man gegen eine Bewährung verstößt, dann wird es rechtskräftig", sagte er. Dem Gericht sei "gar nichts anderes übrig geblieben".

Keller kündigte ferner auch ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten an.

"DFB, DFL, Vereine, wir müssen alle an einem Strang ziehen", forderte er. "Gegen diese Chaoten, die nichts mit Fußball zu tun haben, muss durchgegriffen werden. So geht es nicht mehr weiter im Fußball." Es brauche nun "ein Zeichen gegen Hass und Neid in der Gesellschaft".

FC Bayern gegen Hoffenheim: ProFans äußert sich zum Eklat

Bayern-Trainer Hansi Flick war aufgrund des Verhaltens einiger "Fans" sehr wütend.
Bayern-Trainer Hansi Flick war aufgrund des Verhaltens einiger "Fans" sehr wütend.  © Tom Weller/dpa

Das Fadenkreuz-Plakat und die Schmähkritik sind nach Ansicht der Fanorganisation ProFans indes zum Symbol gegen die Kollektivstrafe geworden. Dies sagte ProFans-Sprecher Sig Zelt der Deutschen Presse-Agentur. "Ein Weg zur Befriedung wäre freilich, wenn der DFB die Kollektivstrafe abschafft.

"Dann wäre die Luft sofort raus", sagte er.

Dieser Schritt sei überfällig. Er erwarte aber nicht, dass der DFB über seinen Schatten springen werde - "gerade jetzt nicht".

Ein Fadenkreuz-Plakat hatte dazu geführt, dass das DFB-Sportgericht alle Anhänger des BVB für zwei Jahre von Auswärtsspielen bei den Hoffenheimern ausgeschlossen hat. Aus Protest dagegen hatten am Wochenende zuvor auch mehrere "Fans" von Borussia Mönchengladbach gegen Hopp gehetzt und für eine Unterbrechung der Partie gesorgt.

Das Urteil in diesem Fall steht noch aus.

Der DFB verhalte sich in der Frage "nicht geschickt", sagte Zelt. "Man zeigt die Stirn und provoziert damit nur noch Gegenreaktionen, so dass keiner zurückweicht. Im Moment sehe ich da keine Bewegung aufeinander zu." Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel (58) hatte die Kollektivstrafe bei Fanvergehen ausgesetzt.

Hopp wird von einigen "Fans", über deren Bezeichnung man mitunter wohl streiten kann, angefeindet, seit er seinem Heimatverein Hoffenheim den Aufstieg bis in die Bundesliga finanzierte. Die Kraichgauer sind aber dank hoher Transfereinnahmen in den vergangenen Jahren mittlerweile unabhängig von dem 79 Jahre alten Milliardär.

Nicht nur Schmäh-Spruchbänder, sondern auch eine Pyro-Show: Bayern-"Fans" benahmen sich in Sinsheim daneben.
Nicht nur Schmäh-Spruchbänder, sondern auch eine Pyro-Show: Bayern-"Fans" benahmen sich in Sinsheim daneben.  © Tom Weller/dpa
Einige "Fans" des FC Bayern München sorgten in Sinsheim für einen Eklat.
Einige "Fans" des FC Bayern München sorgten in Sinsheim für einen Eklat.

Titelfoto: Tom Weller/dpa

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