Rummenigge über Trainer Kovac: "Es gibt keine Jobgarantie beim FC Bayern"

München - Nach der ausführlichen TV-Plauderei von Karl-Heinz Rummenigge konnte Niko Kovac trotz seines möglichen Meisterstücks nicht sorgenfrei in die Zukunft blicken. Die titelreife Tor-Gala des FC Bayern beim 5:0 im Jubiläums-Klassiker gegen Borussia Dortmund bedeutet noch lange nicht, dass Kovac auch der Trainer sein wird, der den weiteren Umbruch im Münchner Luxus-Ensemble leiten wird.

Karl-Heinz Rummenigge erteilt keine Jobgarantien beim FC Bayern.
Karl-Heinz Rummenigge erteilt keine Jobgarantien beim FC Bayern.  © DPA

"Es gibt keine Jobgarantie beim FC Bayern - für Niemanden. Das ist auch gut so, jeder muss beim FC Bayern liefern", forderte Rummenigge.

"Das ist das Prinzip bei Bayern München und mit diesem Druck muss auch jeder umgehen können. Und wer mit dem Druck nicht umgehen kann, ist bei uns im falschen Club", konstatierte Vorstandschef Rummenigge am Sonntag in der Fußball-Talkshow "Wontorra" im TV-Sender Sky.

Nach dem rasanten Überholmanöver im Titelrennen forderte der 63-Jährige im Herzschlagfinale um die Schale weitere Siege. "Wir müssen einfach die letzten sechs Spiele in dem Stil von gestern angehen."

Nach dem Aus im Achtelfinale der Champions League hatte Kovac das Double als Ziel ausgerufen, jetzt muss der Coach mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2021 "liefern".

Bei der Frage, ob der Kroate auch Vizemeister werden dürfe, wich Rummenigge aus. "Wir werden Meister", erklärte er. Durch den Triumph im 100. deutschen Clásico in der Bundesliga sind die Dinge für die laufende Saison wieder in die richtigen Bahnen gelenkt.

"Die Mannschaft hat gesprochen", sagte Präsident Uli Hoeneß nach den fünf Watschn für den BVB. Damit die Münchner Dominanz bleibt, kündigte Rummenigge falls nötig weitere Umbaumaßnahmen für die Saison 2020/21 an.

FC Bayern: Kovac genervt von Berichterstattung

Niko Kovac holte auf der Pressekonferenz zum Rundumschlag gegen die Medien aus.
Niko Kovac holte auf der Pressekonferenz zum Rundumschlag gegen die Medien aus.  © DPA

Kovacs Stimmung am Mia-san-Mia-Festwochenende war schon kurz nach dem wegweisenden Schritt für die eigene Meisterprüfung getrübt worden.

Denn statt über Sieg, Taktik und Finessen zu parlieren, sollte er zur nächtlichen Party von Jérôme Boateng in der legendären Münchner Edeldisko P1 Stellung beziehen - und sah mit reichlich Verdruss den Anlass für eine Grundsatzrede gekommen. In einer von ihm als "Wort zum Sonntag" bezeichneten Ansprache forderte Kovac mehr Respekt und weniger Sensationsgier.

Dass der 47-Jährige bald mit den Rummenigge-Aussagen konfrontiert wird, dürfte ihm in der Vorbereitung auf das Düsseldorf-Spiel in einer Woche nicht sonderlich gefallen.

Rummenigge sprach auch über die schwierigen Wochen im tristen Herbst 2018, die unglückliche Großrotation von Kovac und dass man auf diesen eingewirkt habe. Kovac habe in Frankfurt gute Arbeit geleistet, lobte Rummenigge.

"Wir werden jetzt daran arbeiten, dass er das bei Bayern München auch bewerkstelligt. Die Vertragslaufzeit ist bekannt. Wir werden ihn dabei im positiven Sinne begleiten", versprach Rummenigge Kovac.

Machtdemonstration der Bayern gegen Rivale Borussia Dortmund

Der FC Bayern zeigte gegen den BVB wohl sein bestes Spiel der Saison.
Der FC Bayern zeigte gegen den BVB wohl sein bestes Spiel der Saison.  © DPA

Der kroatische Coach braucht mehr solch mitreißende Auftritte wie den vom Samstag, in dem er phasenweise eine "sensationelle" Leistung sah.

Top in der Defensive, top um Jubiläumstorschütze Robert Lewandowski im Angriff, top im Zweikampf - der FC Bayern demonstrierte gegen die komplett überforderten Dortmunder all die Tugenden, die er in anderen großen Spielen nicht zeigte.

"Wir haben das beste Spiel der Saison gemacht", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Wir haben die Lehren aus dem Liverpool-Spiel schon gezogen. Mannschaft und Trainer haben das viel besser gemacht." Lewandowski (2), Mats Hummels, Serge Gnabry und Javi Martínez setzten das in Zählbares um.

Einen Punkt haben die Münchner Vorsprung, dazu die klar bessere Tordifferenz - die Bayern haben es wieder selbst in der Hand.

Von einer "Lehrstunde" sprach der gezeichnete Gäste-Trainer Lucien Favre, Kapitän Marco Reus erlebte im ersten Spiel als Jungvater einen schmerzhaften Tag. "Wir waren richtig schlecht von der ersten Sekunde an. Das war für den Verein nicht würdig genug", sagte der 29-Jährige.

Rummenigge kündigt weitere Veränderungen im Bayern-Kader an

Oliver Kahn (r) soll Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef ablösen.
Oliver Kahn (r) soll Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef ablösen.  © DPA

Reus sieht die Münchner, die schon mal neun Punkte hinten lagen, im "psychologischen Vorteil". Zumal das Ego der Bayern-Stars nicht erst seit der Handwerker-statt-Künstler-Kritik von Kovac angestachelt ist. "Es war ein Big-Point-Spiel. Wir wollten zeigen, dass wir auch eine große Mannschaft schlagen können", sagte Kapitän Manuel Neuer.

Eine Frage wird die Münchner vermutlich bis zum Saisonende begleiten. Warum bringt das Rekordmeister-Ensemble vergleichbare Leistungen nicht auch gegen Gegner wie Düsseldorf oder Freiburg. "Das ist eine gute Frage", rätselte Salihamidzic über seine Wundertüten-Fußballer.

Der 80 Millionen Euro teure Rekordeinkauf Lucas Hernández sah am Samstag bei seiner Arena-Permiere im VIP-Bereich nur die herausragende Seite der künftigen Teamkollegen. Neben ihm steht sein französischer Weltmeisterkollege Benjamin Pavard als Zugang fest, weitere Umbaumaßnahmen am Kader sollen folgen.

"Die werden uns verstärken. Wir werden vielleicht noch was machen. Auch möglich, dass wir den einen oder anderen Abgang haben", sagte Rummenigge.

Er selbst bekräftigte, dass er bei Ende seines Vertrags im Jahr 2021 aufhört und Oliver Kahn sein Nachfolger werden soll. "Er soll von mir eingearbeitet werden. Ich finde die Entscheidung sehr schlüssig", sagte Rummenigge.

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