Bayern-Star Kingsley Coman: "Hauptsache weg vom Fußball"

München - Kingsley Coman (23) sorgt bei vielen Anhängern des FC Bayern München nicht nur mit seinen Dribblings für Freude. Inzwischen ist der junge Franzose kaum noch wegzudenken - und er hat beim Rekordmeister noch einiges vor.

Kingsley Coman (r.) hat beim FC Bayern München noch so einiges vor.
Kingsley Coman (r.) hat beim FC Bayern München noch so einiges vor.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Der 23 Jahre alte Flügelspieler, der seine Wurzeln auf der Karibikinsel Guadeloupe hat und noch bis zum Sommer des Jahres 2023 an den amtierenden Meister und Pokalsieger gebunden ist, ist zwar in Frankreich aufgewachsen, fühlt sich in München allerdings sichtlich wohl. Nun gewährte er im Bayern-Interview mehrere tiefe Einblicke.

"Trotz meiner karibischen Herkunft habe ich mich immer als Franzose gefühlt, aber mittlerweile lebe ich seit über fünf Jahren im Ausland, spreche jeden Tag Englisch mit meiner Freundin, spreche Deutsch mit meinen Teamkollegen. Im Grunde spreche ich heute mehr Deutsch und Englisch als Französisch", erklärte Coman im Gespräch.

Eben jener "ganze Mix" gefalle ihm sehr.

"Ich finde es schön, dass ich mehrere Kulturen in mir vereinen kann und versuche, das Beste aus allen Welten mitzunehmen. Von Vielfalt kann man nur profitieren", führte der Youngster, der in den Vororten der französischen Millionenmetropole Paris aufgewachsen war, im Interview aus.

An Weihnachten werde er seine Verwandten in Guadeloupe erneut besuchen, zuletzt sei dies vor zwei Jahren der Fall gewesen.

"Die Feiertage dort zu verbringen, ist wunderschön. Dort werde ich nicht als Fußballstar gesehen - sondern einfach als Kingsley. Auf Guadeloupe geht es sehr gemütlich zu. Die Leute sind wahnsinnig freundlich. Sie erkennen mich zwar, respektieren aber auch, wenn ich mit meiner Familie mal meine Ruhe haben möchte." Es sei deshalb ein Ort, an dem er "runterschalten" könne.

Normalerweise ist Coman jedoch dafür bekannt, den einen oder anderen Gang höher zu schalten. Seine Schnelligkeit hat der Rechtsfuß in diesem Zusammenhang offenbar von seinem Vater geerbt, der ihn als Jugendlicher auch immer wieder gefordert hat. Etwa in Form von kleinen Wettrennen. Es kam aber der Tag, an dem sich dies änderte.

"Als ich 13 oder 14 Jahre alt war, war ich auf einmal schneller als er", scherzte Coman. "Dann wollte er plötzlich nicht mehr gegen mich antreten." Seine Familie habe ihm auf seinem steinigen Weg zum Fußballprofi aber sehr geholfen.

Kingsley Coman will mit dem FC Bayern noch viel erreichen

Kingsley Coman hat beim FC Bayern München einen Vertag bis Sommer 2023.
Kingsley Coman hat beim FC Bayern München einen Vertag bis Sommer 2023.  © Sven Hoppe/dpa

Der Rausch der Geschwindigkeit, den Coman unter anderem auf den vielen Autobahnen des Freistaats auch mit schnellen Sportwagen auslebt, macht die Bayern-"Rakete" allerdings nicht vollends glücklich.

"Ich brauche einfach den Ball am Fuß", sagte der 23-Jährige und schob nach: "Ohne ihn loszusprinten, muss natürlich sein, um in die Tiefe zu gehen. Aber mir gefällt es viel besser, meine Geschwindigkeit im Dribbling auszunutzen. Und Joggen nervt mich noch mehr. Ich kann stundenlang Fußball spielen - aber 20 Minuten lang nur herumzulaufen, das interessiert mich im Grunde nicht."

Dass der Sport jedoch auch Schattenseiten hat, musste er gleich mehrmals bitter erfahren. Immer wieder warfen Coman schwere Verletzungen zurück, er musste sich Operationen unterziehen, dachte laut eigener Aussage gar an ein Karriereende.

"Ich hatte zwei Operationen an derselben Stelle, konnte jeweils acht Wochen lang überhaupt nichts machen", erinnerte sich der Linksaußen. Wenn man aufgrund der Verletzungen so viel Zeit habe, um nachzudenken, dann "verändert einen das".

Er habe damals begonnen, sich fürs Kochen zu interessieren oder auch für Mode. "Hauptsache weg vom Fußball. Heute, wenn ich müde bin oder von etwas gestresst, denke ich an diese Zeit zurück und merke schnell, dass es immer besser ist, müde, aber trotzdem gesund zu sein. Wenn man verletzt ist, fehlt nichts mehr als der Fußballplatz."

Deshalb ist es ihm auch wichtig, klarzustellen, was genau er damals mit seiner Aussage ausdrücken wollte. "Ich meinte damals, wenn es mir sofort ein drittes Mal passieren würde. Ich hatte mich gerade zurückgekämpft und gesagt, dass ich mich nicht ein drittes Mal operieren lassen würde. So hatte ich mich in dem Moment einfach gefühlt. Nun ist aber alles wieder in Ordnung."

Schließlich hat Coman an der Säbener Straße noch viel vor. "Ich spüre das Vertrauen des Klubs, fühle mich als wichtiger Teil der Mannschaft und möchte mich in Zukunft immer mehr einbringen, auch außerhalb des Platzes. Ich arbeite so hart wie möglich."

Franck Ribéry (36), mit dem Coman bei Bayern eine ganz besondere Beziehung pflegte, und Arjen Robben (35) gelten für Coman als Maßstab. "Sie haben große Karrieren hingelegt. Dazu gehört mehr, als nur immer top zu spielen, was schwer genug ist. Ich hoffe, dass ich auf meine Weise auch eine ganz große Karriere haben werde", sagte der Nationalspieler im Hinblick auf seine Zukunft im Verein.

Kingsley Coman (l.) musste in seiner Karriere schon mehrere Verletzungen überstehen.
Kingsley Coman (l.) musste in seiner Karriere schon mehrere Verletzungen überstehen.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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