Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge stichelt, Lucas Hernández macht sich direkt beliebt

München - Manuel Neuer (33) erhielt nach der überaus heftigen Kritik seines Beraters an der Transferpolitik des FC Bayern München einen Anruf seines Chefs. Karl-Heinz Rummenigge (63) kündigte weitere Einkäufe an, wartet auf ein Signal von Leroy Sané (23) und stichelt Richtung Dortmund. Rekordeinkauf Lucas Hernández (23) verkaufte sich gut.

Lucas Hernández (r.) hat mit beim FC Bayern München in Zukunft große Ziele.
Lucas Hernández (r.) hat mit beim FC Bayern München in Zukunft große Ziele.  © DPA

Hernández hatte sich bestens vorbereitet und sammelte bei seiner Vorstellung im Beisein seiner Ehefrau Amelia und des Sohnes Martin sofort Pluspunkte beim für ihn so "großen" FC Bayern.

"Servus. Ich bin Lucas. Ich bin glücklich, hier zu sein. Ich freue mich auf eine gute Saison mit dem FC Bayern. Also: Pack ma's!", sagte der 23 Jahre alte Franzose auf Deutsch am Montag im Pressesaal der Allianz Arena.

Seitlich über Hernández prangte ein Bild, auf dem der Neuzugang von Atletico Madrid, der beim deutschen Rekordmeister "ein Leader" werden möchte, den goldenen WM-Pokal küsst. Zahlreiche Titel und Trophäen - das sind die Ziele, die der Spieler mit dem großen Kämpferherzen auch in den vorerst fünf Vertragsjahren in München gewinnen möchte, allen voran "die wundervolle Champions League", wie er erklärte.

Keine Aussprache zwischen Salihamidzic und Zorc: "Warum denn auch?"
FC Bayern München Keine Aussprache zwischen Salihamidzic und Zorc: "Warum denn auch?"

Es liege jetzt an ihm zu zeigen, "dass die 80 Millionen Euro in mich gut investiert sind". Wann er erste Beweise liefern kann, ist noch offen: Zum Trainingsstart des Rekordmeisters mit einer Kleingruppe von acht Profis konnte der Neue nach einer Operation am rechten Knie noch nicht gegen den Ball treten.

Hernández wartet ungeduldig auf "grünes Licht" der Ärzte. Zum Bundesligastart am 16. August gegen Hertha BSC vor heimischer Kulisse möchte er unbedingt dabei sein.

Wer Hernández beobachtete und ihn reden hörte, erlebte einen Spieler, der sich um die internationale Wettbewerbsfähigkeit seines neuen Arbeitgebers augenscheinlich nicht sorgt.

Transfers des FC Bayern München sorgen für Unruhe

Lucas Hernández will im Dress des FC Bayern München viele Titel sammeln.
Lucas Hernández will im Dress des FC Bayern München viele Titel sammeln.  © DPA

Die überschaubaren Transferaktivitäten bestimmten aber den Großteil der Pressekonferenz, bei der Bayern-Chef Rummenigge vor allem eines tun musste - beschwichtigen. "Wir sind noch nicht am Ende", versicherte der Vorstandsvorsitzende.

Man sei "grundsätzlich bereit", nach Hernández und dessen Landsmann und Weltmeisterkollegen Benjamin Pavard (23, 35 Millionen Euro) vom VfB Stuttgart weitere "Topspieler" zu holen. "Wir arbeiten mit Hochdampf an dem Transfermarkt", erklärte Rummenigge den Pressevertretern vor Ort.

Auch beim begehrten Nationalspieler Sané von Manchester City sei man am Ball. "Wir sind bereit!" Die Bayern-Führung erwartet nach dem Urlaub des Außenangreifers zeitnah ein Signal über dessen Zukunftsplanung. "Wir müssen abwarten, ob sich in der Richtung etwas bewegt."

FC Bayern zeigt, "wo es langgeht"! Nagelsmanns Meilenstein gegen den FC Barcelona
FC Bayern München FC Bayern zeigt, "wo es langgeht"! Nagelsmanns Meilenstein gegen den FC Barcelona

Rummenigge verwies in diesem Kontext gleich mehrfach auf die erst Anfang September endenden Transferfrist. Man habe schon häufiger große Transfers erst spät im Sommer realisiert, seinerzeit etwa bei den Verpflichtungen der Topspieler Mark van Bommel (42), Arjen Robben (35), Javi Martínez (30) oder auch Xabi Alonso (37).

Im globalen Markt müssen die Münchner jedoch abwarten, was die noch finanzkräftigeren und größeren Vereine tun. "Es muss ein Dominostein fallen. Auf den wartet man in Fußball-Europa. Wenn es den gibt, dann werden viele Transfers folgen", sagte er.

Beim "Domino-Effekt" könnte auch der FC Bayern zum Zuge kommen, aber zu neuen, lange utopischen Preisen. "Wir sprechen bei dreistelligen Millionenbeträgen fast schon von Normalität", bemerkte Rummenigge. Den Fans versprach er: "Wir werden eine Mannschaft haben, die in allen drei Wettbewerben sehr wettbewerbsfähig antreten wird."

Telefonat mit Manuel Neuer nach Kritik an Transferpolitik

Manuel Neuer (r.) wurde von Karl-Heinz Rummenigge persönlich angerufen.
Manuel Neuer (r.) wurde von Karl-Heinz Rummenigge persönlich angerufen.  © DPA

Ein Telefonat hatte Rummenigge am Morgen mit Kapitän Neuer geführt. Dessen Berater Thomas Kroth (59) hatte die Konkurrenzfähigkeit des Kaders auf internationaler Ebene infrage gestellt.

"Thomas Kroth ist nicht das Sprachrohr von Manuel Neuer in dieser Angelegenheit gewesen, sondern es handelt sich hier um eine rein private Meinung von Thomas Kroth", sagte Rummenigge. Persönlich habe er diese "etwas eigenartig" gefunden.

Die Bayern-Bosse halten nach einer internen Situationsanalyse vor allem eine quantitative Anpassung des Kaders für notwendig - plus eine Qualitätssteigerung gerade auf der offensiven Außenbahn. In der Abwehr sieht Rummenigge den Rekordmeister dagegen bestens besetzt mit Pavard, Niklas Süle (23) und Hernández in einer Dreierkette sowie mit Joshua Kimmich (24) und David Alaba (27) davor als offensive Außenverteidiger.

"Wir sind da auch international top aufgestellt." Rummenigge garnierte seine Einschätzung mit einer Stichelei in Richtung des Bundesliga-Rivalen Borussia Dortmund, der Mats Hummels (30) zurückgeholt hatte. "Ich habe gelesen, der beste deutsche Innenverteidiger würde nicht mehr beim FC Bayern spielen. Ich bin der Meinung, der beste deutsche Innenverteidiger spielt bei Bayern München und im übrigen auch in der Nationalmannschaft dort." Gemeint war damit natürlich Abwehrspieler Süle.

Bei Rummenigges Aufzählung der Abwehrkräfte kam Jérôme Boateng (30) gar nicht mehr vor, obwohl der 30-Jährige zum Trainingsstart in München seinen Dienst wieder aufnahm. "Der Trainer plant primär mit Niklas, Lucas und Benjamin", bemerkte Rummenigge. Darum ging Hummels, darum ist auch Boateng ein Wechselkandidat.

Dass der Weltmeister von 2014 den Verein vorzeitig verlasse, sei aber "nicht klar", so Rummenigge. Fest stehe nur: "Es wird uns kein Stammspieler mehr verlassen."

Karl-Heinz Rummenigge (l.) sprach zum Saisonauftakt Klartext, Lucas Hernández wurde offiziell vorgestellt.
Karl-Heinz Rummenigge (l.) sprach zum Saisonauftakt Klartext, Lucas Hernández wurde offiziell vorgestellt.  © DPA

Mehr zum Thema FC Bayern München: