6:1-Galasieg des FC Bayern gegen Bremen: Plädoyer für Hansi Flick?

München - Wie bei den bitteren Pleiten gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach ließ der FC Bayern München im Duell mit Werder Bremen beste Chancen ungenutzt, dennoch durften die Fans gleich sechs Mal jubeln.

Der FC Bayern München konnte Werder Bremen aus der Allianz Arena fegen.
Der FC Bayern München konnte Werder Bremen aus der Allianz Arena fegen.  © Sven Hoppe/dpa

Entsprechend groß dürfte die Erleichterung bei Trainer Hansi Flick (54) gewesen sein, dessen Zukunft an der Seitenlinie des amtierenden Meisters und Pokalsiegers, so begrenzt sie per Definition als "Übergangslösung" generell sein mag, an einem seidenen Faden zu hängen scheint.

Die große Frage, ob der 54-Jährige bis zum Sommer das Sagen haben wird oder bereits im Winter seinen Trainerstuhl wieder räumen muss, treibt beim FC Bayern derzeit nicht nur die Führungsetage um, sondern auch die Spieler und Anhänger des Klubs.

Im Kreise der Mannschaft genießt Flick in diesem Zusammenhang Rückendeckung. "Wir fühlen uns sehr wohl. Man kann seine Philosophie in unserem Spiel sehr gut erkennen", erklärte Abwehrspieler David Alaba (27) nach der Demontage letztlich völlig überforderter Bremer noch am Samstag.

Alabas Teamkollege Manuel Neuer (33) hatte sich bereits nach dem lockeren 3:1-Erfolg in der Champions League gegen Tottenham Hotspur für einen Verbleib Flicks bis zum Sommer, wenn die Verantwortlichen einen neuen Übungsleiter präsentieren wollen, ausgesprochen. Negative Stimmen waren bislang nicht zu vernehmen, was jedoch auch mit der klar definierten Amtszeit Flicks zusammenhängen dürfte.

Sofern es letztlich auch bei dieser bleiben wird, wofür aktuell alles spricht.

Gerade große Namen, die auf der Bank Platz nehmen müssen, könnten auf Dauer für Unruhe und völlig neue Herausforderungen sorgen. Dieser Kelch ging bislang zumindest in der Öffentlichkeit an Flick gänzlich vorbei. Es war ein Kelch, an dem sich sein Vorgänger das eine oder andere Mal verschluckt hatte.

Das engagierte, wenngleich vor dem Tor stellenweise auch etwas unglückliche Auftreten der letzten Wochen, das es in dieser Form unter Ex-Trainer Niko Kovac (48) vor dessen Abgang nicht mehr gegeben hatte, wirkt jedenfalls wie ein Plädoyer der Spieler für ihren neuen Coach, der selbst äußerst zufrieden war: "Das hat jedem, der im Stadion war, Spaß gemacht."

Der Trainerwechsel hat der Mannschaft sichtlich geholfen, wieder bessere Leistungen auf den Rasen zu bringen, wenngleich die letzten Niederlagen in der Bundesliga den Vorsprung auf die Spitze bis auf sieben Zähler hatten anwachsen lassen. Zu viel für den Anspruch und das Selbstverständnis, das inzwischen tief im Verein verankert ist, allerdings auch nicht wirklich mehr als eine Momentaufnahme.

Jupp Heynckes lobt Hansi Flick, Entscheidung haben die Bosse

Hasan Salihamidzic betonte einmal mehr, wer letztlich die Entscheidungshoheit hat.
Hasan Salihamidzic betonte einmal mehr, wer letztlich die Entscheidungshoheit hat.  © Matthias Balk/dpa

Unter Kovac mangelte es selbst im zweiten Jahr an der nötigen Entwicklung, weshalb die Verantwortlichen korrekterweise die Reißleine ziehen mussten. Dass dies an der Qualität des Trainers lag, der sicherlich noch einiges an Erfahrung im Umgang mit großen Namen und einem dominanten Spielstil mit viel Ballbesitz sammeln muss, ist sehr wahrscheinlich. Die Kabine hatte Kovac längst nicht mehr hinter sich.

Sein direkter Nachfolger scheint es in kurzer Zeit deutlich besser zu machen.

Flicks Fähigkeiten hatte Trainer-Legende Jupp Heynckes (74) in seiner Kolumne in einer "kicker"-Kolumne in höchsten Tönen gelobt. So sei dieser ein "Juwel", das "gefördert werden" müsse. "Hansi Flick ist prädestiniert für die Aufgabe als Cheftrainer des FC Bayern und der ideale Mann für diese Position."

Der Rekordmeister besitze "nun die große Chance, über einen längeren Zeitraum einen Trainer zu haben, der eine Epoche prägen kann", adelte Heynckes, der die Münchner im Jahr 2013 zum historischen Triple aus Triumphen in der Bundesliga, dem DFB-Pokal und der Champions League geführt hatte. Es gehe "nicht um Momentaufnahmen, sondern um das grundsätzliche Know-how eines Trainers, seine Fachkompetenz und menschliche Note, seine Philosophie".

Ungeachtet des spielerischen Aufschwungs, der trotz der beiden bitteren Niederlagen gegen Leverkusen und Mönchengladbach zweifelsfrei zu erkennen und würdigen ist, sowie des großen Lobs von vielen Seiten, trat Sportdirektor Hasan Salihamidzic (42) ebenfalls noch am Samstag auf die Bremse.

"Natürlich schauen wir uns ganz genau an, wie wir arbeiten, wie der Trainer arbeitet, wie die Spieler darauf anspringen. Aber selbstverständlich entscheiden wir das", erklärte der 42-Jährige die aktuelle Situation hinsichtlich Flicks, der nach der Trennung von Kovac vom Assistenten "bis auf Weiteres" zum Übungsleiter befördert worden war. "Klar, die Spieler können sich das wünschen, aber am Ende haben wir das letzte Wort."

Allzu lange dürfte es nicht mehr dauern, bis eben jenes gesprochen wird. "Wir haben am 21. Dezember das letzte Spiel gegen Wolfsburg, entweder an diesem Samstag oder am Tag danach werden wir uns treffen und eine Entscheidung fällen", hatte Karl-Heinz Rummenigge (64) unlängst der "SportBild" erklärt. Es ist sehr begrenztes Zeitfenster, das nicht viel Spielraum lässt.

Sollte der FC Bayern somit nicht einen geeigneten Kandidaten, der bereits im Winter das Ruder an der Säbener Straße übernehmen kann, präsentieren, spricht angesichts der Spielerwünsche vieles für ein weiteres Engagement Flicks. Und wer weiß, wie gewinnbringend sich diese Zusammenarbeit bis zum Ende der laufenden Saison noch entwickeln kann.

Bleibt Hansi Flick bis Sommer? Die Trainerfrage beim FC Bayern München steht weiter im Raum.
Bleibt Hansi Flick bis Sommer? Die Trainerfrage beim FC Bayern München steht weiter im Raum.  © Matthias Balk/dpa

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