Bayern-Trainer Niko Kovac macht Druck auf Bosse und hat einen Wunschspieler

München - Gut erholt präsentierte sich Niko Kovac (47) nach fünf Wochen Urlaub. Der Double-Trainer setzt sich für sein zweites Jahr in München hohe Ziele, aber seine Chefs müssen erstmal in Vorleistung treten: Verstärkungen, bitte! Leroy Sané (23), Ousmane Dembélé (22) - das ist die Preisklasse. Talent Jann-Fiete Arp (19) kommt eher als Azubi in den Süden.

Jann-Fiete Arp (r.) muss beim FC Bayern München den nächsten Schritt machen.
Jann-Fiete Arp (r.) muss beim FC Bayern München den nächsten Schritt machen.  © DPA

Kovac hatte eine Botschaft an seine Bosse.

Auf konkrete Transferforderungen verzichtete der Double-Trainer des FC Bayern München zwar, aber Präsident Uli Hoeneß (67), Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (63) und Sportdirektor Hasan Salihamidzic (42) nahm er trotzdem in die Pflicht. "Ich vertraue unseren Chefs, dass da noch was an Verstärkungen kommen wird", sagte Kovac am Dienstag im Hinblick auf die Saison.

Den größten Handlungszwang sieht der Trainer dabei in der Offensive gegeben.

"Wir haben sicherlich Bedarf vorne durch die Abgänge von Arjen (Robben, 35) und Franck (Ribéry, 36)", sagte der 47 Jahre alte Coach.

Neben Kovac saß zu Beginn der Pressekonferenz noch der 19 Jahre junge Arp, der sich bei seiner Vorstellung jedoch nicht als mögliche Lösung anpries, sondern realistisch als Azubi einstufte.

Das drei Millionen Euro teure Sturmtalent des Zweitligisten Hamburger SV will beim Rekordmeister von den etablierten Stars "lernen", allen voran von Bundesliga-Torschützenkönig Robert Lewandowski (30). "Da kann man sich Tipps und Tricks holen. Da ist er der perfekte Spieler für mich. Da gibt es keinen besseren", so Arp.

Wunschlösung von Trainer Niko Kovac lautet Leroy Sané

Leroy Sané von Manchester City wird vom FC Bayern München umworben.
Leroy Sané von Manchester City wird vom FC Bayern München umworben.  © DPA

Die ersten Tage nannte er "überwältigend".

Kovac sieht in Arp, der beim HSV als 17-Jähriger für Furore sorgte, aber zuletzt die erste harte Profizeit erlebte, ein Langzeitprojekt (Vertrag bis 2024, Anm. d. Red.). Arp sei "jetzt zum Männerspieler" geworden: "Er soll alles aufsaugen."

Arp wird also nicht das offensive Vakuum füllen, das Kovac mit einem Topspieler gefüllt sehen möchte.

Die Wunschlösung hieße Sané. Die Frage, ob der 23-Jährige passen würde, beantwortete Kovac äußerst unmissverständlich: "Ja. Punkt. Ausrufezeichen! Er kann uns auf jeden Fall helfen. Man hat in der Nationalmannschaft und bei Manchester City gesehen, dass er die Fähigkeiten hat."

Auch den Ex-Dortmunder Dembélé (22) vom FC Barcelona nannte Kovac später einen "sehr guten Spieler", womit die Messlatte für die Bayern-Bosse natürlich extrem hoch liegt.

Ein Top-Flügelflitzer hat höchste Priorität für Kovac, der sagte: "Das ist primär unser erstes Ziel." Geduld sei aber gefragt. "Mir ist nicht bange. Ich weiß, dass da noch etwas kommen wird. Ich vertraue absolut unseren Chefs, die alles für ihren Club tun."

Kovac, der im ersten Bayern-Jahr durch ein Stahlbad gehen musste und öffentliche Rückendeckung der Führungsriege gerade in der Endphase vermisste, baute mit seinen Aussagen geschickt Druck auf Hoeneß und Rummenigge auf.

Große Erwartungen an Niko Kovac im zweiten Bayern-Jahr

Karl-Heinz Rummenigge und die Bosse des FC Bayern haben große Ziele.
Karl-Heinz Rummenigge und die Bosse des FC Bayern haben große Ziele.  © DPA

Der Kader muss zudem quantitativ angereichert werden, da inklusive der Wechselkandidaten Jérôme Boateng (30) und Renato Sanches (21) derzeit nur 17 Feldspieler vorhanden sind.

"Wir hatten letzten Saison 19 Feldspieler und nach drei Spielen drei Schwerverletzte. Man muss als Trainer vom Worst Case ausgehen. Man geht nicht schadenfrei durch die Saison. Mit 17 Mann wird es nicht reichen", mahnte Kovac. Zielgröße seien 19 bis 20 Feldspieler, mit denen er arbeiten kann - "und dann rede ich auch schon von Fiete Arp".

Es gibt also noch viel zu tun - nicht nur auf dem Trainingsplatz. Kovac benötigt weitere Qualitätsspieler, denn die Erwartungshaltung des Vereins an ihn bleibt nach dem Gewinn von Meisterschaft und DFB-Pokal im Premierenjahr unverändert hoch.

"Unsere Ziele werden nicht geringer", sagte Rummenigge zum Trainingsstart am Montag.

Besonders in der Champions League wird im zweiten Kovac-Jahr beim Rekordmeister mehr als das Achtelfinale erwartet.

"Wir möchten das Double verteidigen. Und international möchten wir sehr viel besser abschneiden", sagte Kovac zur eigenen Zielsetzung. Mit einem Gerücht räumte er noch auf. Ob er tatsächlich im Sommer Rücktrittsgedanken gehabt habe, wie geschrieben wurde? Die kurze Antwort des Übungsleiters: "Ich bin hier, damit ist die Frage beantwortet."

Niko Kovac startet in seine zweite Saison als Trainer des FC Bayern München.
Niko Kovac startet in seine zweite Saison als Trainer des FC Bayern München.  © DPA

Titelfoto: DPA (Bildmontage)

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