Bei Aue klappte (fast) alles, bei Dynamo dagegen so gut wie nichts!

Aue/Dresden - Dynamo hat 13 Punkte, der FC Erzgebirge 16 - nicht insgesamt, sondern mehr als Dresden. Aue ist Fünfter, die SGD Letzter. Vor der Saison hätten viele sicher umgedreht getippt. Aber es kam anders.

TAG24 nennt Gründe, warum es am kleinen Lößnitzbach läuft und an der großen Elbe nicht.

Erwartungshaltung

Die Leistungen seiner Mannschaft zauberten FCE-Coach Dirk Schuster ein Lächeln ins Gesicht.
Die Leistungen seiner Mannschaft zauberten FCE-Coach Dirk Schuster ein Lächeln ins Gesicht.  © picture point/Sven Sonntag

Das dürfte von allen der größte Punkt sein. In Aue weiß jeder vom Anpfiff des 1. Spieltages an, dass es nur um den Klassenerhalt geht.

Jährlich zumindest zwei Teams hinter sich zu lassen, ist aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen schon eine Leistung. Die Veilchen haben die Außenseiterrolle angenommen und wissen damit umzugehen. Rückschläge bringen sie nicht vom Weg ab.

Wenn die Dynamos ganz ehrlich sind: Keiner, aber auch wirklich keiner hat Ende Juni zum Trainingsauftakt damit gerechnet, dass die Schwarz-Gelben als abgeschlagenes Schlusslicht in die Winterpause gehen. Geträumt hat Dresden von ganz anderen Sphären.

Erst recht nach Paderborns Sensationsaufstieg. Die ersten beiden Spiele ohne Punkt wurden noch als Betriebsunfall abgetan. Nach dem 1:4 in Aue folgten acht weitere Niederlagen, nur ein Sieg und ein Remis. Keiner konnte mit dieser Serie umgehen, keiner konnte sie stoppen. Weil niemand darauf eingestellt war.

Kader

Markus Kauczinski soll im neuen Jahr das schier Unmögliche doch noch schaffen - den Klassenerhalt.
Markus Kauczinski soll im neuen Jahr das schier Unmögliche doch noch schaffen - den Klassenerhalt.  © Lutz Hentschel

Obwohl Aue weder einen Manager noch einen Sportdirektor hat, wirkt der Kader homogener, ausgeglichener. Der große Stamm spielt seit 2016 zusammen.

Gegangen ist vor der Saison nur Leihspieler Emmanuel Iyoha, gekommen sind Sören Gonther und Marko Mihojevic.

Trotzdem klappt auch nicht alles. Neuzugänge wie Nicolas Sessa, Hikmet Ciftci oder Njegos Kupusovic spielen gar keine Rolle.

Dresden gab den Zweikämpfer Gonther ab, ließ die Leihe von Dario Dumic auslaufen, verkaufte Haris Duljevic.

Die drei Abgänge wurden nie kompensiert. Auf Körperlichkeit wurde kaum gesetzt. Die Quittung folgte.

Spielsystem

Aue außer Rand und Band! Die Veilchen tanzten nach dem sensationellen wie spektakulären Heimsieg gegen Nürnberg ausgelassen.
Aue außer Rand und Band! Die Veilchen tanzten nach dem sensationellen wie spektakulären Heimsieg gegen Nürnberg ausgelassen.  © picture point/Sven Sonntag

Coach Daniel Meyer vertraute auf das stabile 4-4-2 oder ließ im 4-3-3 spielen, immer kompakt. Nachfolger Dirk Schuster stellte auf 4-2-3-1 um, brachte seine Tugenden - Kampf, Leidenschaft, Moral, Mentalität - ein. Erst in den letzten beiden Heimspielen stellte er auf Dreierkette um, die aber dennoch einfach daherkam.

Cristian Fiel stülpte den Dresdnern ab Juni die Dreierkette über. Ballbesitzfußball, körperlos, gar nicht erst in Zweikämpfe kommen, das Leder zirkulieren lassen. Seine Jungs wollten, konnten es aber nicht umsetzen. Die Idee war gut, aber alles wirkte überfrachtet.

Oft wussten die Spieler gar nicht, was sie tun sollten. Genau dieses Überlegen kostete die Schnelligkeit in den Handlungen. Das und ein gesundes Zweikampfverhalten impft Markus Kauczinski jetzt ein.

Heimstärke

Bei Dynamo waren auch die eigentlichen Führungsspieler am Boden: Patrick Ebert (l.) und Marco Hartmann sanken nach der Heimniederlage gegen Bielefeld und Ex-Coach Uwe Neuhaus frustriert auf den Rasen im Harbig-Stadion.
Bei Dynamo waren auch die eigentlichen Führungsspieler am Boden: Patrick Ebert (l.) und Marco Hartmann sanken nach der Heimniederlage gegen Bielefeld und Ex-Coach Uwe Neuhaus frustriert auf den Rasen im Harbig-Stadion.  © Lutz Hentschel

Allein 23 Punkte hat Aue im "Schacht" eingefahren - sieben Siege und zwei Remis. Das ist phänomenal und war so nicht zu erwarten. Gerade das irre 4:3 gegen Nürnberg vergisst so schnell niemand. Aue hatte aber auch das nötige Glück.

Das hatte Dresden daheim auch - siehe der späte Siegtreffer beim 2:1 gegen Regensburg. Oder auch das 1:0 gegen Wiesbaden mit all seinen Begleiterscheinungen. Insgesamt gab es aber nur drei Siege, zwei Remis und vier Niederlagen. Spektakulär war nur das 3:3 gegen St. Pauli nach 0:3.

Übrigens: In fremden Gefilden waren beide Teams schlecht. Aue holte sechs, Dresden gar nur zwei Zähler.

Pascal Testroet (vorn) klatscht mit den Auer Fans ab - dieses Bild gab es oft in dieser Saison.
Pascal Testroet (vorn) klatscht mit den Auer Fans ab - dieses Bild gab es oft in dieser Saison.  © Picture Point/Roger Petzsche
Die Dynamo-Profis mussten wie hier in Stuttgart nicht nur einmal in dieser Saison bei den Fans am Zaun antanzen, um sich die Leviten lesen zu lassen.
Die Dynamo-Profis mussten wie hier in Stuttgart nicht nur einmal in dieser Saison bei den Fans am Zaun antanzen, um sich die Leviten lesen zu lassen.  © imago images/Steffen Kuttner

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