Meine Meinung: Der 1. FC Köln braucht einen radikalen Schnitt!

Köln – Die 0:2-Niederlage des 1. FC Köln bei Union Berlin wirkte wie ein Bewerbungsschreiben für den siebten Bundesliga-Abstieg. Die Gründe für die sportliche Krise sind kurzfristig kaum zu beheben. Ein Kommentar.

Der frühere Leistungsträger Marco Höger (30) enttäuschte in dieser Saison bisher komplett.
Der frühere Leistungsträger Marco Höger (30) enttäuschte in dieser Saison bisher komplett.  © Marius Becker/dpa

Am Sonntag erreichten die Kölner in der Bundesligasaison 2019/20 einen vorläufigen Tiefpunkt. Paderborn verdrängte den FC auf Platz 18.

Köln ist nach 14 Spieltagen das schlechteste Team der Liga. Die Zeit der Ausreden ist nun hoffentlich endlich vorbei. Vielmehr wäre es an der Zeit für eine Bestandsaufnahme: Warum steht das Team auf Platz 18 und wie kann der Umschwung gelingen?

Gegen Berlin ließen die Kölner Spieler mal wieder jene Basics vermissen, ohne die in der Ersten Liga nichts zu gewinnen ist: Einsatz, Kampf und Mentalität. Die Offensive präsentierte sich harmlos, die Defensive höchst anfällig.

Auch eine Spielanlage war nicht zu erkennen. Während die Mitaufsteiger aus Paderborn und Berlin durch Offensivspiel bzw. harte Arbeit Chancen auf den Klassenerhalt haben, verliert Köln bereits jetzt den Anschluss.

Die Art und Weise der bisherigen Auftritte, die zu zehn Niederlagen und nur zwei Siegen führten, zeigt: Dem 1. FC Köln fehlt es an Qualität und Mentalität.

Der Abstieg im Sommer 2018 wirkt bis heute nach

Der 1. FC Köln feierte im Sommer 2019 die Meisterschaft nach einer weitgehend glanzlosen Zweitligasaison.
Der 1. FC Köln feierte im Sommer 2019 die Meisterschaft nach einer weitgehend glanzlosen Zweitligasaison.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Auf den ersten Blick verwundert die Kölner Bilanz. Schließlich wurde das Team des Zweitligameisters vor der Saison für knapp 20 Millionen Euro verstärkt. Die Ursachen liegen jedoch tiefer in der Vergangenheit.

Nach dem Erreichen des Europapokals im Sommer 2017 folgte die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte mit 22 Punkten. Der Verein bezeichnete den Abstieg im Sommer 2018 als "Unfall" und machte einfach wie vorher weiter, statt Defizite zu hinterfragen.

In der Folge blieb der Stamm um Timo Horn, Marco Höger, Marcel Risse und Jonas Hector erhalten. Dazu verpflichtete der FC gute Zweitligaspieler wie Dominick Drexler oder Rafael Czichos und stattete diese mit langen Verträgen aus.

Der Aufstieg gelang schließlich aufgrund der individuellen Qualität des Kaders. Euphorie kam keine auf. Der Leistungsabfall bei einigen früheren Stars wie Horn, Hector oder Risse war unübersehbar. Die Kölner Hoffnung: Mit Rückkehrer Modeste würde alles gut werden.

Aber auch Ex-Trainer Beierlorzer gelang es nicht, aus den verschiedenen Grüppchen wieder eine Einheit zu formen. Das Team folgte auch seiner laufintensiven Spielidee nicht mit Überzeugung.

Wo können Trainer und Sportdirektor ansetzen?

Der Klassenerhalt könnte für FC-Sportdirektor Horst Heldt (l) und FC-Trainer Markus Gisdol zur "Mission Impossible" werden.
Der Klassenerhalt könnte für FC-Sportdirektor Horst Heldt (l) und FC-Trainer Markus Gisdol zur "Mission Impossible" werden.  © Andreas Gora/dpa

Der Verein reagierte und setzte auf Trainer Gisdol. Doch auch dieser Wechsel scheint angesichts von einem Punkt aus drei Spielen zu verpuffen. Ist das Team untrainierbar?

Die Kaderzusammenstellung wird immer mehr zum Problem für den 1. FC Köln. Zu viele Spieler können oder wollen dem Verein im Abstiegskampf der Bundesliga nicht (mehr) helfen. Torhüter Horn fehlt die Konkurrenz, Mittelfeldspieler Höger das Tempo und Stürmer Modeste ist nur noch ein Schatten seiner Topform der Saison 2016/17. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Abhilfe leisten kann der neue Geschäftsführer Horst Heldt erst durch Transfers in der Winterpause. Oder er greift früher durch und bestraft Spieler, die nicht mitziehen. Diese Option zeigte Heldt nach der Niederlage in Berlin auf.

Angesichts von noch 20 ausstehenden Spielen kann der Klassenerhalt noch geschafft werden. Dafür müssen aber alle an einem Strang ziehen und Woche für Woche ihre Bestleistung abliefern. Zudem scheint eine Veränderung der Mannschaftshierarchie überfällig.

Der neue Vorstand des 1. FC Köln steht vor seiner ersten großen Herausforderung. Wofür möchte der Verein stehen? Wie soll der Verein als Bundesligist etabliert werden? Zudem droht ein Riss im Verhältnis zu den treuen Fans, von denen ein Teil bereits in Resignation verfallen ist.

Im Sommer sollte dann in jedem Fall ein Schnitt erfolgen. Der FC kann es sich nicht mehr leisten, auf teure und nur vermeintliche Leistungsträger zu setzen. Es braucht endlich eine langfristige Strategie.

TAG24-Redakteur Philipp Hambloch berichtet seit Februar 2018 über den 1. FC Köln.
TAG24-Redakteur Philipp Hambloch berichtet seit Februar 2018 über den 1. FC Köln.  © Bild-Montage Andreas Gora/dpa, privat

Titelfoto: Marius Becker/dpa

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