Riesenzoff auf Schalke: Di Santo laut Tedesco "Respektlos!"

Gelsenkirchen - Vier Niederlagen und nun der erste große Zoff: Beim und nach dem 0:2 gegen den FC Bayern München zeigen sich erste Risse im Schalke-Kollektiv. Nach dem heftigen Disput mit Trainer Domenico Tedesco drohen Franco Di Santo Sanktionen.

Schalkes Trainer Domenico Tedesco ärgerte sich über das Verhalten seines Stürmers Franco di Santo.
Schalkes Trainer Domenico Tedesco ärgerte sich über das Verhalten seines Stürmers Franco di Santo.  © DPA

Der desaströse Saisonstart hat bei den Schalkern seine Spuren hinterlassen. Das wüste Wortgefecht zwischen Tedesco und Di Santo machte die ersten Gräben sichtbar.

"Ich bin enttäuscht. Das ist auch respektlos gegenüber den Mitspielern", schimpfte der sonst so besonnene Trainer.

Mit harschen Worten geißelte Tedesco das Verhalten seines Mittelfeldspielers, mit dem er sich nach dessen Auswechslung in der 65. Minute einen heftigen Disput geliefert hatte. "Wir müssen den Stil wahren. Ein bisschen gute Erziehung wäre da nicht verkehrt."

Nach dem Spiel zeigte der Argentinier zumindest Reue und entschuldigte sich auch öffentlich beim Coach, bei den Mitspielern und Fans.

"Ich sehe ein, dass ich mich falsch verhalten habe. Und es gibt nichts, um meinen Fehler zu rechtfertigen", schrieb der 29-Jährige auf Twitter.

Sein "heißes Blut" und sein "Wettbewerbsgeist" hätten ihn zu dieser Reaktion "verleitet". Er wolle "immer spielen" und "immer gewinnen", ergänzte er: "Ich bin Argentinier und gehe in jeden Zweikampf, als wäre es mein Leben. Aber das ist ein Mannschaftsspiel und nicht nur deshalb werde ich immer die Entscheidungen meines Trainers respektieren."

Der FC Schalke 04 steckt tief in der Krise und wartet als Tabellenletzter weiter auf seinen ersten Bundesliga-Sieg in dieser Saison.
Der FC Schalke 04 steckt tief in der Krise und wartet als Tabellenletzter weiter auf seinen ersten Bundesliga-Sieg in dieser Saison.  © DPA

Gleichwohl dürfte dies Di Santo vor einer internen Strafe kaum bewahren. Sportvorstand Christian Heidel wollte zwar "keinen Staatsakt" aus dem unliebsamen und auf Spanisch geführten Wortgefecht machen, sagte aber auch klar: "Wenn Franco sich nicht korrekt verhalten hat - und das entscheidet der Trainer - werden wir ihn sanktionieren."

Tedesco, der trotz der Emotionen ein korrektes Benehmen von seinen Spielern erwartet, meinte: "Ob das Folgen hat, klären wir intern." Zumindest muss Di Santo wohl mit seiner Verbannung für die nächsten Spiele rechnen.

Besonders verärgert zeigte sich Tedesco darüber, dass er Di Santo, den er immer "gepusht" und gefördert habe, mit den Fingern die Nummer "7" zeigte und so wohl signalisierte, dass der Trainer lieber Mitspieler Mark Uth hätte auswechseln sollen.

"Wir sind auf und neben dem Platz eine saubere Truppe. Deswegen gibt es so etwas bei uns nicht", sagte Tedesco.

Der 33-Jährige dementierte nicht, dass auch er heftig reagiert hatte und Di Santo mit den Worten "Halt die Fresse" harsch angegangen war.

Zum Haareraufen war nicht nur Franco Di Santos Verhalten. Auch seine Torquote lässt seit Jahren zu wünschen übrig: In 69 Bundesliga-Spielen erzielte der Stürmer für Schalke gerade mal fünf Tore!
Zum Haareraufen war nicht nur Franco Di Santos Verhalten. Auch seine Torquote lässt seit Jahren zu wünschen übrig: In 69 Bundesliga-Spielen erzielte der Stürmer für Schalke gerade mal fünf Tore!

Der Zoff kommt zur Unzeit. Vor dem Spiel am Dienstag beim SC Freiburg und dem folgenden Heimspiel gegen Mainz ist die Lage mit null Punkten am Tabellenende prekär genug. Nun droht Tedesco gar die Einstellung des Schalker Negativ-Startrekords. Vor zwei Jahren war das Team mit Markus Weinzierl mit fünf Pleiten gestartet, landete am Ende auf Rang zehn. Die Parallelen sind unübersehbar. "Es ist eine Scheiß-Situation", räumte Torhüter Ralf Fährmann ein.

Zwar betonen alle, die Lage sei mit der vor zwei Jahren nicht vergleichbar, weil seinerzeit fast alles neu gewesen sei.

Doch Heidel macht gerade dieser Umstand Sorgen, zumal man mit "anderen Zielen" in die Saison gegangen sei. "Nun haben wir eine gewachsene Mannschaft, wir haben sie mit dem Trainer zusammengestellt. Deshalb ist die Enttäuschung jetzt fast noch größer."

Noch besitzt der im Vorjahr gefeierte Tedesco als Trainer des Vizemeisters weiter Kredit. Doch die Ergebniskrise zehrt an den Nerven. Und Besserung ist kaum in Sicht.

"Es gibt auf Schalke niemanden, der sich keine Sorgen macht. Das wäre auch abnormal", betonte Heidel, der den Coach dennoch weiter stützt: "Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass er souverän bleibt."


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