Die Schalke-Krise: Wagner zwischen Torflaute und Nübel-Problem

Gelsenkirchen - Lang war es ruhig in Gelsenkirchen und ist es noch. Beinahe untypisch ob der aktuellen Situation scheint es beim FC Schalke 04 derzeit - zumindest öffentlich - noch keine Panik zu geben. Doch Königsblau steckt in der Krise, und die hat gleich mehrere Gesichter.

Schwere Nummer derzeit: Schalke-Coach David Wagner (48) hat momentan alle Hände voll zu tun.
Schwere Nummer derzeit: Schalke-Coach David Wagner (48) hat momentan alle Hände voll zu tun.  © Marcel Kusch/dpa

Wir schreiben den 18. Spieltag. 17. Januar 2020, Rückrundenauftakt in der Veltins Arena. Die Knappen schlagen Borussia Mönchengladbach mit 2:0 (0:0) nach den Toren von Suat Serdar (48.) und Neuzugang Michael Gregoritsch (58.).

Letzterer wurde im Winter vom FC Augsburg ausgeliehen, nicht zuletzt, um die etwas klaffende Offensive von S04 mit Leben zu füllen.

Seit ebenjenem 17. Januar sind nun sechs Wochen ins Land gegangen. Die magere Ausbeute in der Liga seither: drei Niederlagen und drei Unentschieden.

Hinzu kommt ein Horror-Torverhältnis 1:14. Lediglich beim schwachen 1:1 gegen Tabellen-Schlusslicht SC Paderborn gelang Ahmed Kutucu die zwischenzeitliche Führung.

Vorne klemmt's, und hinten krampft's: Schalke 04 in der Krise!

So war der Sieg gegen die Fohlen am 18. Spieltag zwar durchaus verdient, die Borussia an dem Tag allerdings auch noch nicht unbedingt aus dem Winterschlaf erwacht. Der Tabellenplatz fünf, den man knapp hinter dem punktgleichen Erzrivalen aus Dortmund belegt hatte nach dem Spieltag, hat man inzwischen verloren.

So ist man zwar immer noch Sechster, jedoch sind die Champions-League-Plätze so gut wie unerreichbar. Dass der FC Schalke 04 nach der vergangenen Seuchen-Saison überhaupt in Richtung Europa schielt, ist grundsätzlich ein Erfolg.

Ein Platz unter den ersten vier war und kann auch nie ein realistisches Ziel der Knappen gewesen sein. Selbst die Euro League wäre kein absolutes Muss gewesen, auch wenn ein Verein wie Schalke durchaus den Anspruch haben sollte, trotz eines solchen Horror-Jahres, die Top 6 anzupeilen.

Königsblau im Leistungsloch, Ergebnisse stimmen bedenklich

Der Schalker Abwehr-Recke Ozan Kabak musste nach 29 Minuten gegen den 1. FC Köln verletzt ausgewechselt werden.
Der Schalker Abwehr-Recke Ozan Kabak musste nach 29 Minuten gegen den 1. FC Köln verletzt ausgewechselt werden.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Und gerade nach einer solch überraschend guten Hinrunde kann die Fallhöhe bei einem Leistungstief durchaus im Kopf für Blockaden sorgen. Jedoch erinnert das derzeitige Leistungstief der Königsblauen viel eher an altbekannte Muster aus der letztjährigen Spielzeit als an ein Kopf-Problem.

Es darf die Frage erlaubt sein, fällt die Wagner-Maske pünktlich zum Ende des Karnevals?

Trainer David Wagner hat dem Team neues Leben eingehaucht. Schalke machte in der Hinrunde wieder Spaß. Besonders auffällig: Dass man sich gerade offensiv durch viele verschiedene Torschützen auszeichnete, was gleichzeitig den Wunsch nach einem Knipser immer lauter werden ließ.

Stand jetzt hat man diesen mit Michael Gregoritsch nicht finden können. Zur Torflaute kommt derzeit eine Wackel-Defensive, die von (Torwart-)Lapsus zu Lapsus eilt. Die Niederlagen gegen den FC Bayern (0:5) und daheim gegen RB Leipzig (ebenfalls, 0:5) waren ähnlich bedenklich wie das 0:3 am Wochenende gegen den 1. FC Köln.

Ob die torlosen Unentschieden gegen die kriselnden Kellerkinder aus Berlin und Mainz als Erfolge zu verbuchen sind, darf durchaus auch angezweifelt werden.

Schalke 04 vom Verletzungspech heimgesucht, Mascarell fehlt bis Saisonende

Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Schalker nach der 0:3-Pleite gegen Köln.
Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Schalker nach der 0:3-Pleite gegen Köln.  © Marcel Kusch/dpa

Die Schalker kommen 2020 nicht in Fahrt. Zu den Böcken ihrer Schlussleute kommt dann auch noch ein erhebliches Maß an Verletzungspech hinzu. So fielen kurz vor dem Köln-Spiel kurzfristig Youngster Suat Serdar mit einem Zehbruch und Kapitän Omar Mascarell mit einer Adduktorenverletzung aus.

Trainer Wagner nach der Partie bei den Kölnern: "So etwas geht an der Mannschaft nicht spurlos vorüber. Wir haben schon genug angeschlagene Spieler, und das ist dann auch die Erklärung. Der Ansatz ist der, dass wir beißen, so gut wir können, und schauen, dass unsere Angeschlagenen zurückkommen."

Neben Serdar und Mascarell, der wegen seiner Verletzung in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen wird, schied dann auch noch Abwehr-Chef Ozan Kabak nach einer halben Stunde verletzt aus.

Die derzeitige Situation zeigt, wie wackelig das Schalker Gebilde war und ist.

Es liegt an Wagner und seinem Trainer-Team, die Mannschaft möglichst bald wieder in die Spur zu bekommen. Gerade mit Blick auf die Ausfälle der langzeitverletzten Routiniers wie Daniel Caligiuri, Benjamin Stambouli oder Salif Sané eine immens schwere Aufgabe.

Am Dienstag wartet dann ausgerechnet der FC Bayern im DFB-Pokal auf die Knappen.

Fans schießen gegen Alexander Nübel, ausgerechnet der FC Bayern wartet im DFB-Pokal am Dienstag

Alexander Nübel musste drei Mal hinter sich greifen gegen den 1.FC Köln. Beim dritten Gegentor leistete er sich einen Mega-Bock.
Alexander Nübel musste drei Mal hinter sich greifen gegen den 1.FC Köln. Beim dritten Gegentor leistete er sich einen Mega-Bock.  © Thomas Fähnrich/dpa

Gerade für Alexander Nübel wird dieses Spiel eine Zerreißprobe. Nach seinem erneuten Patzer gegen Köln kippt die Stimmung im Schalker Anhang. Die "Nübel Raus"-Rufe waren nach dem Köln-Spiel deutlich zu hören. Sein Wechsel zum FC Bayern und seine derzeitigen Leistungen liegen den Fans der Königsblauen schwer im Magen.

Beim 0:5 in der Liga stand noch Vertreter Markus Schubert zwischen den Pfosten. Somit wird es für Nübel, aller Voraussicht nach, das erste Spiel gegen seinen neuen Arbeitgeber seit Bekanntwerden des Wechsels.

Anhand der Torwart-Posse, dem Schalker Trend im Allgemeinen und der Verletzungssorgen sowie der Form der Münchner gäbe es aktuell wohl kaum ein dickeres Brett zu bohren.

Andererseits hat man gegen den übermächtigen Rekordmeister auch nichts zu verlieren - und der Pokal hat ja bekanntlich seine eigenen Gesetze.

Schalkes Jean-Clair Todibo tröstet seinen Torwart, nachdem ihm ein Ball zum 0:3 durch die Beine gerutscht war. Es sind nicht die Wochen des Alexander Nübels.
Schalkes Jean-Clair Todibo tröstet seinen Torwart, nachdem ihm ein Ball zum 0:3 durch die Beine gerutscht war. Es sind nicht die Wochen des Alexander Nübels.

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