FC St. Pauli: Chancenwucher treibt Trainer und Spieler in den Wahnsinn

Hamburg - Am Ende sprach alles für den FC St. Pauli - 20:3 Torschüsse, 8:2 Ecken, 65:35 Prozent Ballbesitz. Doch nach mehr als 90 Minuten stand nur ein ernüchterndes 0:0-Unentschieden gegen Dynamo Dresden auf der Anzeigetafel.

Stürmer Henk Veerman fasst sich nach Spielende ungläubig an den Kopf.
Stürmer Henk Veerman fasst sich nach Spielende ungläubig an den Kopf.  © Christian Charisius/dpa

Kein Wunder, dass Verantwortliche und Spieler im Nachhinein von einer gefühlten Niederlage sprachen.

"Wir freuen uns natürlich nicht über das Ergebnis", sagte Trainer Jos Luhukay, nachdem sich sein Gegenüber, Dresden-Trainer Markus Kauczinski, zuvor über den errungenen Punkt sichtlich erfreut gezeigt hatte.

Fast schon sinnbildlich war die Nachspielzeit, in der St. Pauli erst durch Christopher Buchtmann die Latte traf, und anschließend durch Ryo Miyaichi den Pfosten. "Den Ball in der letzten Minute muss ich natürlich machen und so fühlt es sich ein bisschen an, als hätten wir heute verloren", erklärte der Japaner über seine vergebene Großchance.

Kollege Henk Veerman meinte: "Am Ende kommt dann auch noch Pech dazu, als wir mit der letzten Aktion zwei Mal Aluminium treffen."

Doch so weit hätte es gar nicht kommen brauchen. Bereits in den ersten 45 Minuten hatten die Kiezkicker so viele Chancen, dass sie mit drei oder vier Toren hätten führen müssen. "Die Mannschaft hat in der ersten Halbzeit Fußball gespielt, der unglaublich gut war", erkannte Trainer Luhukay an.

Seine Mannschaft habe in der Offensive aggressiv agiert und den Gegner früh unter Druck gesetzt. Die fünf bis acht sehr guten Möglichkeiten hätten "für zwei Spiele gereicht" ärgerte sich der Niederländer allerdings.

Neben dem eigenen Unvermögen scheiterte St. Pauli aber häufig auch an Dynamo-Keeper Kevin Broll. "Dresdens Torwart hatte einen guten Tag", erkannte Waldemar Sobota. Dennoch sagte der Pole: "Müssen wir unsere Abschlüsse besser machen."

Strittiges Tackling von Zander

Leo Östigard gewinnt das Kopfballduell gegen Patrick Schmidt.
Leo Östigard gewinnt das Kopfballduell gegen Patrick Schmidt.  © Christian Charisius/dpa

Gegen tiefstehende Sachsen wurde die zweite Halbzeit zu einem "Abnutzungskampf", wie Sportchef Andreas Bornemann die Partie bezeichnete. Dresden verteidigte nun zusehends besser und machte die Mitte dicht, wodurch St. Pauli über außen spielen musste und dort nicht mehr so zwingend agierte, wie in den ersten 45 Minuten.

Dadurch kam der Tabellenletzte selbst zu einigen Halbchancen und erhielt in der 85. Minute sogar einen Elfmeterpfiff, nachdem Luca Zander Chris Löwe im Strafraum zu Fall gebracht hatte.

"Ich habe während des Tacklings gemerkt, dass ich den Ball nicht mehr treffe und habe dann zurückgezogen", beschrieb der Rechtsverteidiger die Szene. Allerdings habe sein Gegenspieler auch den Kontakt gesucht, wie er sagte. "Für mich war das ganz klar kein Elfer."

So entschied schließlich auch Schiedsrichter Daniel Schlager, nachdem er sich die Bilder selbst am Monitor noch einmal angeschaut hatte. Eine vertretbare, aber streitbare Entscheidung, da Zander seinen Gegenspieler, wenn auch nur leicht und er den Kontakt suchte, berührte.

"Wir hatten das Quäntchen Glück mit der Schiedsrichterentscheidung beim zurückgenommenem Elfmeter", gab Luhukay zu. Doch es wäre auch zu viel des Guten gewesen, wenn Dresden mehr als nur einen Punkt mit auf die Rückfahrt nach Sachsen genommen hätte.

St. Pauli kann auf Leistung aufbauen

Leo Östigard gewinnt das Kopfballduell gegen Patrick Schmidt.
Leo Östigard gewinnt das Kopfballduell gegen Patrick Schmidt.  © Christian Charisius/dpa

Denn alles in allem zeigte St. Pauli nach der Niederlage in Kiel eine starke Reaktion und eine gute Leistung. "Mit unserer Leistung hingegen können wir sehr zufrieden sein. In unserer Situation haben wir alles gegeben, jeder hat gekämpft", sagte Abwehrspieler Leo Östigard.

Mitspieler Sobota war sich der Bedeutung des einen Punktes bewusst. "Jeder von uns weiß, dass wir jeden Punkt brauchen. Heute nehmen wir den einen mit, drei wären aber besser gewesen", erklärte der Pole.

Der Blick der Spieler ging aber auch schon weiter. "Wir schauen aber nach vorne und konzentrieren uns auf das nächste Spiel", sagte Zander.

Und diese Partie hat es in sich: Es ist das große Derby gegen HSV! Und mit so einer Leistung, wie gegen Dresden, sind die Kiezkicker auch dort nicht chancenlos. Sie müssen eben nur die Tore machen. So wie im Hinspiel!

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