FC St. Pauli: So sieht das Winterzeugnis der Kiezkicker aus

Hamburg - Die ersten 18 Spiele der Saison glichen beim FC St. Pauli einer Achterbahnfahrt. Die Mannschaft musste viele Verletzungen einstecken. Insgesamt kamen 35 Spieler zum Einsatz. Ihre Einzelkritik.

Tor

Gegen Dynamo Dresden flog Robin Himmelmann an einer Ecke vorbei und verursachte das Gegentor. (Archivbild)
Gegen Dynamo Dresden flog Robin Himmelmann an einer Ecke vorbei und verursachte das Gegentor. (Archivbild)  © Lutz Henschel

Robin Himmelmann: 3+

Der 30-Jährige ist bei den Kiezkickern die unumstrittene Nummer eins - eigentlich. Denn mitten in der Saison machte Trainer Jos Luhukay unnötigerweise ein Fass auf und deutete einen Torwart-Wechsel an. Diesen vollzog er allerdings nur im DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt. Ansonsten stand Robin Himmelmann wie gewohnt zwischen den Pfosten und überzeugte im Großen und Ganzen.

Gegen Holstein Kiel wurde er am 4. Spieltag zum Matchwinner, wenige Tage später im Spiel bei Dynamo Dresden zum Deppen, als er bei zwei Gegentoren nicht gut aus. Der Torwart fing sich aber und zeigte gegen Ende der Hinrunde wieder wie gewohnt sein Können.

Ersatzmann Svend Brodersen brach sich Mitte der Hinrunde das Schlüsselbein. Dafür reaktivierte der Kiezclub Korbinian Müller, der fortan als Nummer zwei agierte und im DFB-Pokal sein Debüt für den FC St. Pauli gab.

Abwehr

Leo Östigard freut sich über den Derbysieg.
Leo Östigard freut sich über den Derbysieg.  © Daniel Bockwoldt/dpa

James Lawrence: 3

Der Waliser stieß erst nach dem vierten Spieltag zum Team, stand aber auf Anhieb in der Startelf und erzielte bei seinem Debüt auch gleich ein Tor.

Leo Östigard: 3+

Der junge Norweger wurde im Derby ins kalte Wasser geschmissen und überzeugte. Seine 20 Jahre sind ihm kaum anzumerken. Agiert abgeklärt in den Zweikämpfen und überzeugt mit einem sensationellen Kopfballspiel. Zudem identifiziert er sich mit dem Verein, wie kaum ein anderer.

Philipp Ziereis: 4

Dem Innenverteidiger war bei seinen Einsätzen die fehlende Spielpraxis nach seinem Kreuzbandriss noch anzumerken. Je länger er auf dem Platz stand, desto sicherer wurde er in seinen Aktionen. Könnte im Verlaufe der Saison noch wichtig werden.

Daniel Buballa: 3

Der Kapitän wechselt immer mal wieder die Position. Mal spielt er als Linksverteidiger, mal in der Innenverteidigung. Spult sein Pensum ab und ist für Trainer Luhukay unverzichtbar. Sofern er denn fit ist, kleinere Verletzungen setzten den 29-Jährigen immer mal wieder außer Gefecht.

Sebastian Ohlsson zeigt seine Muskeln.
Sebastian Ohlsson zeigt seine Muskeln.  © Imago Images / MIS

Sebastian Ohlsson: 3-

Die Spiele des Schweden laufen immer nach dem selben Muster ab. Erst findet der 26-Jährige schwer in die Partie, dann kämpft er sich rein und liefert solide bis gute Leistungen ab. Musste zuletzt sogar hinten links aushelfen, aber auch da spielte er ordentlich.

Luca Zander: 3

Verpasste den Saisonstart aufgrund einer Schulterverletzung aus der Vorsaison, stand in den letzten acht Spielen aber sechsmal über 90 Minuten auf dem Platz. Hat sich seinen Platz rechts hinten wieder zurückerkämpft.

Florian Carstens: 4

Stand am zweiten Spieltag gegen den VfB Stuttgart überraschend in der Startelf und nahm Ex-Nationalstürmer Mario Gomez aus dem Spiel.

Hat unter Trainer Luhukay aber einen schweren Stand und pendelt zwischen Zweitliga- und U23-Mannschaft. Zu allem Überfluss brach er sich die Hand und verpasste die letzten Spiele.

Matt Penney: 4

Der Engländer feierte ein kurioses Debüt. Er stand gleich in der Startelf, flog in der Nachspielzeit aber mit gelb-rot vom Platz. Gehörte zum Stammpersonal, bis er sich einen Muskelfaserriss zuzog und seitdem fehlte. Muss an seiner Ballannahme arbeiten. Ist mit dem Kopf in vielen Situationen schon weiter, als mit dem Ball am Fuß.

Ih-yeong Park: 4

Stand am ersten Spieltag überraschend in der Startelf. Anschließend fiel er mit einer Schulterverletzung aus.

Jan-Philipp Kalla: 4

Hinter dem "Fußballgott" vom Millerntor liegt eine durchwachsene Hinrunde. Mal spielt er und führt die Mannschaft sogar als Kapitän aufs Feld, mal sitzt er auf der Bank. Leistete sich bei der Niederlage gegen Hannover 96 einen kapitalen Bock, der zum Gegentor führte. Braucht mehr Einsatzzeit für mehr Sicherheit.

Christopher Avevor wird mit Wadenbeinbruch von den Sanitätern vom Platz getragen.
Christopher Avevor wird mit Wadenbeinbruch von den Sanitätern vom Platz getragen.  © dpa/Daniel Bockwoldt

Christopher Avevor: 2-

Der 27-jährige Kapitän sollte eine wichtige Stütze im Team bilden. Doch am zweiten Spieltag zog er sich einen Wadenbeinbruch und Riss des vorderen Syndesmosebandes zu. Wann der Innenverteidiger wieder ins Team stößt, ist noch offen. Bei seinen Einsätzen zeigte er allerdings seine Klasse.

Marc Hornschuh: 5

Der 28-Jährige profitierte zu Saisonbeginn von den Verletzungen seiner Mitspieler und durfte wohl schneller als ihm recht war, Spielpraxis sammeln. Da er aber selbst nach langer Verletzungspause zurückkehrte, fehlte ihm allerdings sichtbar die Sicherheit. Findet sich mittlerweile auf der Tribüne wieder und gilt im Winter als Wechselkandidat.

Niklas Hoffmann: 4-

Trainer Luhukay überraschte mit dem 22-Jährigen zu Saisonbeginn, doch der konnte sich nicht nachhaltig bei seinen Einsätzen empfehlen. Wurde wieder in die U23 zurückversetzt.

Mert Kuyucu: 4

Feierte am 16. Spieltag sein Zweitliga-Debüt gegen Jahn Regensburg. Agierte solide und soll für die Zukunft aufgebaut werden. Eigentlich Stammspieler im Regionalliga-Team.

Zudem kam Jakub Bednarczyk zum Einsatz. Überzeugen konnte der der polnische U20-Nationalspieler aber nicht.

Mittelfeld

Mats Möller-Daehli spielt seine Gegenspieler schwindelig.
Mats Möller-Daehli spielt seine Gegenspieler schwindelig.  © Friso Gentsch/dpa

Mats Möller-Daehli: 2

Der quirlige Norweger ist der große Gewinner beim FC St. Pauli. Sicher am Ball mit dem Auge für den Mitspieler. Einziges Manko: Dem 24-Jährige fehlt es an Torgefahr. Ist für die Kiezkicker in dieser Form aber unverzichtbar.

Marvin Knoll: 3-

Pendelt zwischen Innenverteidigung und Sechserposition. Mangelnden Einsatz kann man dem 29-Jährige nicht vorwerfen. Findet sich ab und an aber auch auf der Bank wieder. Seine Standards sind eine Waffe.

Christopher Buchtmann: 4+

Hinter dem Zehner liegt eine schwierige Hinrunde. Erst fand er kaum Berücksichtigung, dann verletzte er sich. Kam am Ende immer besser in Fahrt und zeigte seine Wichtigkeit.

Finn-Ole Becker: 3+

Der Youngster im Team verblüfft Woche für Woche mit starken Leistungen. Spielt er weiter auf diesem Level führt sein Weg im Sommer weg vom Kiezclub. Überzeugt mit Technik und Übersicht. Erzielte gegen Sandhausen auch endlich sein erstes Tor.

Youba Diarra: 5

Die Leihgabe von RB Salzburg konnte bisher kaum zeigen, was in ihr steckt. Flog in Osnabrück nach seiner Einwechslung binnen 17 Minuten vom Platz. Anschließend reichte es nur noch für einen Einsatz. Fehlte am Ende verletzt.

Johannes Flum: 4

Verletzungen sorgten für wenig Einsätze. Seine Routine und Abgeklärtheit ist allerdings wichtig, für das junge Team.

Rico Benatelli und Ersin Zehir kamen bisher nur zu Kurzeinsätzen.

Sturm

St. Paulis neues Traumpaar im Sturm: Henk Veerman (links) und Viktor Gyökeres
St. Paulis neues Traumpaar im Sturm: Henk Veerman (links) und Viktor Gyökeres  © Daniel Bockwoldt/dpa

Henk Veerman: 3+

Der 2,01-Meter-Riese musste lange passen und kämpfte sich nach seinem Kreuzbandriss zurück. Und wie! Mit vier Toren in sieben Spielen (darunter ein Doppelpack gegen Tabellenführer Arminia Bielefeld) zeigte er, was in ihm steckt. Mit seiner Größe hält er vorne die Bälle und dient als Anspielstation.

Viktor Gyökeres: 3

Der junge Schwede hatte anfangs zu kämpfen, auch weil er nicht im Sturmzentrum spielen durfte.

Mit drei Toren in den letzten beiden Partien hat er aber gezeigt, wozu er zu leisten in der Lage ist. Setzt seinen Körper gut ein und sucht den Abschluss. Muss aber öfter den Blick für den Mitspieler haben und sich nicht in Laufduelle verstricken.

Dimitrios Diamantakos: 3

Der Grieche legte einen super Start in die Saison hin und ist mit sechs Toren immer noch gefährlichster Angreifer der Kiezkicker. Muskelprobleme setzten ihn aber außer Gefecht. Hat gezeigt, dass er einen Torriecher hat.

Ryo Miyaichi: 3

Der 27-Jährige läuft die Linie hoch und runter wie ein Duracell-Hase. Das Tempo des Japaners ist eine absolute Waffe. In Osnabrück wurde mit 35,17km/h geblitzt. So schnell war noch kein Spieler zuvor in der zweiten Liga unterwegs. Ihm fehlt aber oft die Konzentration beim letzten Pass.

Waldemar Sobota überzeugt mit seiner Laufstärke.
Waldemar Sobota überzeugt mit seiner Laufstärke.  © Armin Weigel/dpa

Borys Tashchy: 5

Der Sommer-Neuzugang trat bisher kaum in Erscheinung und konnte sich bei seinen Einsätzen kaum empfehlen.

Christian Conteh: 3

Der 20-Jährige war zu Saisonbeginn der Senkrechtstarter. Überzeugte mit zwei Toren in den ersten Spielen.

Verzettelt sich aber zu oft in Zweikämpfe und fällt theatralisch zu Boden. Eine schwere Verletzung sorgte für ein Ende des Höhenfluges.

Kevin Lankford: 4-

Der Außenspieler bekommt immer mal wieder seine Chance, kann sie aber nur selten nutzen.

Waldemar Sobota: 3+

Je älter der 32-Jährige wird, desto besser wird er. Hat sich mittlerweile zu einer unverzichtbaren Größe entwickelt. Überzeugt mit Laufbereitschaft und Übersicht am Ball.

Zudem durfte Talent Lucas Coordes einige Minuten Zweitliga-Luft schnuppern.

Titelfoto: Montage: Axel Heimken/dpa, Daniel Bockwoldt/dpa,

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