Fortschritt statt Stillstand! Aue-Coach Meyer will Veilchen auf nächstes Level heben

Aue - Daniel Meyer ist keiner, der gerne von der Hand in den Mund lebt. Er denkt nicht nur ans Heute, sondern auch ans Morgen. Der 39-Jährige will vorankommen - als Trainer des FC Erzgebirge. Er will seine Visionen mit dem Verein verwirklichen, ihn professionell auf ein neues Level heben. Ob er darf, steht auf einem anderen Blatt Papier. Das weiß er.

Will und wird Aue-Boss Helge Leonhardt seinen bisher durchaus erfolgreichen Trainer im Erzgebirge halten? Daniel Meyer stellt dafür einige Bedingungen.
Will und wird Aue-Boss Helge Leonhardt seinen bisher durchaus erfolgreichen Trainer im Erzgebirge halten? Daniel Meyer stellt dafür einige Bedingungen.  © Picture Point

Meyer will nicht enden wie zahlreiche seiner Vorgänger. Entlassen, weggekauft oder entnervt gegangen. Er hat vor, zu bleiben. Auch über sein Vertragsende im Juni 2020 hinaus. Doch dafür muss sich einiges beim FC Erzgebirge Aue ändern.

Alles aufzuschreiben, was der Coach umkrempeln will, würde zu sehr ins Detail gehen. Doch es sind Dinge dabei, die für einen Profiverein völlig normal, in Aue aber nicht vorhanden sind, "weil wir es schon immer so machen", wie Meyer weiß.

Doch genau das will er nicht mehr. Er hat vor, das Verkrustete aufzukratzen. "Schon immer so" heißt für ihn Stillstand. Meyer möchte Fortschritt, "um mal in eine Saison gehen zu können und zu sagen: wir streben einen einstelligen Tabellenplatz an und nicht nur den Klassenerhalt". Nächstes Level halt.

Daniel Meyer will sich auf sein Team konzentrieren

Robin Lenk
Robin Lenk  © Picture Point

Und dafür hat er Vorstellungen und Wünsche. Dass der Verein keinen Sportdirektor will, akzeptiert er. "Zusammen mit Geschäftsführer Michael Voigt und Präsident Helge Leonhardt ist das machbar. Dann müsste ich aber in anderen Bereichen entlastet werden."

Im Dezember war das Team um ihn noch zu fünft, jetzt nach den Weggängen von Robin Lenk und Werner Schoupa zu dritt. "Die alte Stärke hätte ich gern wieder. Dazu noch einen, der sich nur um die Video-Analyse, einen, der sich nur ums Scouting kümmert. Wir müssen schauen, was zu uns passt, müssen nichts aufblasen. Aber es sollten fähige Leute sein. Wenn wir wenige sind, müssen wir viel können."

Professioneller heißt für ihn irgendwo auch ruhiger arbeiten: "Mein erstes Jahr in Aue ist sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig", sagt Meyer mit süßsauerem Lächeln. "Es war nicht nur aufgrund der angespannten sportlichen Situation mit dem Abstiegskampf intensive Monate. Mir waren auch außerhalb des Fußballs zu viele Störfeuer dabei. Ständig passieren irgendwelche Dinge, die mich nicht kalt lassen. Es sind oft nur banale Dinge im Alltag. Aber sie treten gehäuft auf. Vor allem wenn jeder denkt, er muss sportliche Dinge kommentieren, auch wenn er völlig andere Aufgaben hat", lässt er tief blicken.

Meyer will sich auf sein Team konzentrieren. Er hat sein Bekenntnis zum Verein abgegeben. Dieses steht von Vereinsseite noch aus. "Es gab noch keine Gespräche zum Thema Verlängerung", sagt er auf TAG24-Nachfrage. "Mit einem auslaufenden Vertrag in die neue Serie zu gehen, ist erfahrungsgemäß keine gute Situation - für beide Seiten. Das würde zum Dauerthema während der Saison werden."

Und er sagt dabei einen Satz, der den Verein zum Umdenken bewegen sollte: "Noch so ein Jahr dürfte sehr schwierig werden, ich will nicht Gefahr laufen, den Fokus für das Wesentliche zu verlieren und mich abzunutzen.“

Der Verein ist am Zug!

Kommentar von Thomas Nahrendorf

Seit Falko Götz 2013 habe ich jeden Trainer in Aue erlebt. Alle habe ich kommen und gehen sehen. Bis auf Daniel Meyer, ihn sah ich nur kommen. Sollte er gehen (müssen), wäre das nicht gut für den Verein.

Kontinuität auf dem Trainerstuhl wäre wünschenswert für den Verein. Die letzten Jahre waren dahingehend aufreibend genug. Sich alle Namen zu merken, fällt jetzt schon schwer. Es waren zu viele. Jeder hat versucht, Dinge zu ändern, zu verbessern. Die meisten sind gescheitert, aus den unterschiedlichsten Gründen. Aue hat sie geschafft.

Nun hat der FCE einen Coach, der vehement versucht, dem Klub den Schuss fehlende Professionalität einzuimpfen. Die Verantwortlichen um Präsident Helge Leonhardt wären gut beraten, Meyer gewähren zu lassen, ihm seine Wünsche zu erfüllen.

Der Coach ist unbequem, ja. Aber genau das ist das Gute an ihm. Er drischt keine Phrasen, seine Worte haben Hand und Fuß - und auch seine Taten. Die Mannschaft ist auf einem guten Weg, auch wenn noch die Konstanz fehlt. Sie hat eine Zukunft. Vor allem dank Meyer.

Daher sollte der FCE bald mit ihm verlängern, Aue ist am Zug. Sonst heißt es möglicherweise im Juni: "The same procedure as every year." Und das will keiner.

Werner Schoupa
Werner Schoupa  © Picture Point
FCE-Trainer Daniel Meyer hat den Ball in den Ring geworfen - jetzt muss sich der Verein positionieren.
FCE-Trainer Daniel Meyer hat den Ball in den Ring geworfen - jetzt muss sich der Verein positionieren.  © Picture Point

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