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Rollentausch: FCE-Stürmer Nicky Adler als Reporter in der MOPO-Redaktion

Chemnitz - Er ist neugierig, dieser Nicky Adler. Einer, der sich mit vielen Dingen des Profi-Daseins auseinandersetzt. Auch mit den Medien. Er fragt immer freundlich und höflich, warum wir Redakteure das eine so, anderes so sehen. Also haben wir den Stürmer des FC Erzgebirge eingeladen, um ihm unsere Welt zu zeigen.
Willkommen bei der MOPO! Nicky Adler (l.) ließ sich am Dienstag von Thomas Nahrendorf den Redaktionsalltag erklären.
Willkommen bei der MOPO! Nicky Adler (l.) ließ sich am Dienstag von Thomas Nahrendorf den Redaktionsalltag erklären.

Chemnitz - Er ist neugierig, dieser Nicky Adler. Einer, der sich mit vielen Dingen des Profi-Daseins auseinandersetzt. Auch mit den Medien. Er fragt immer freundlich und höflich, warum wir Redakteure das eine so, anderes so sehen. Also haben wir den Stürmer des FC Erzgebirge eingeladen, um ihm unsere Welt zu zeigen.

Und wir haben den Spieß umgedreht: Adler stellt die Fragen, Sportredakteur Thomas Nahrendorf antwortet. Ein Vormittag, der dem 30-jährigen Kicker sichtlich Spaß gemacht hat.

Adler: „Haben Sie selbst Fußball gespielt?“

Nahrendorf: Ja, 25 Jahre beim VfB Auerbach.

Adler (lacht): „Super, dann haben Sie ja Ahnung davon. Das ist das eine. Aber wie sind Sie Journalist geworden, haben Sie das studiert?“

Locker ging es zu, die beiden hatten viel zu lachen.
Locker ging es zu, die beiden hatten viel zu lachen.

Nahrendorf: „Journalismus nicht, aber Sport und Deutsch auf Lehramt. Nach einer schweren Verletzung musste ich mit studieren aufhören, habe aber fast nahtlos ein Volontariat bekommen. Das war 1995. Das Studium hat daher schon sehr geholfen. Es gibt aber auch andere Wege für Journalisten.“

Adler: „Wie sehen Sie ein Fußballspiel von Aue oder generell eine Sportveranstaltung?“

Nahrendorf: „Nicht als normaler Zuschauer, sondern als Berichterstatter. Ich kann mich also nicht zurücklehnen und genießen. Ich muss stets konzentriert bleiben - so wie Sie. Manchmal vergleiche ich mich mit einem Schiri: Ich sehe die Situation auf der Tribüne nur einmal und muss sie bewerten."

"Ich habe selten eine Zeitlupe, mit deren Hilfe ich die Szene nochmal sehen kann."

Nicky Adler in Aktion. Der gebürtige Leipziger kam im Sommer vom SV Sandhausen nach Aue. In 21 Spielen bisher schoss der 30-Jährige vier Treffer.
Nicky Adler in Aktion. Der gebürtige Leipziger kam im Sommer vom SV Sandhausen nach Aue. In 21 Spielen bisher schoss der 30-Jährige vier Treffer.

"Daher passieren natürlich auch Fehler. Beispiel Aalen: Vorm 1:0 durch Cebio Soukou habe ich gesehen, wie Philipp Riese den Ball abfängt und weiterspielt. Einen Tag später im TV erkannte ich aber, dass Christian Tiffert der Absender des Passes war. Er stand von meiner Position aus gesehen direkt hinter Riese. So etwas ärgert mich, passiert aber.“

Adler: „Bei uns wird viel über die Noten in Ihrer Einzelkritik diskutiert. Wie entstehen die?“

Nahrendorf: „Zwei Dinge vornweg: Es ist immer der subjektive Eindruck von mir. Andere sehen die Spieler anders. Dann ist es in der Tat schwer, elf bis 14 Spieler im Blick zu haben. Ich gehe immer mit einer 3 für jeden Spieler in die Partie. Das ist die Ausgangsnote."

"Ich konzentriere mich auf einzelne Aktionen - Torvorlagen, Tore, gewonnene Zweikämpfe, Pässe oder auch Fehlabspiele. Macht ein Nicky Adler gegen Chemnitz ein starkes Spiel, rennt, kämpft und trifft, dann springt da schon mal eine 1 raus. Spielt er - wie bei den Stuttgarter Kickers - etwas unglücklich und verschießt auch noch einen Elfmeter, ist es halt für mich eine 4.“

Nicky Adler erzählte der MOPO auch, wie er über die Medien denkt, was er sich von ihnen wünscht.
Nicky Adler erzählte der MOPO auch, wie er über die Medien denkt, was er sich von ihnen wünscht.

Adler: „Gut, das ist Kritik, mit der ich leben muss und kann. Aber so wie wir Fußballer stehen auch Sie in der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie damit um?“

Nahrendorf: „Kommt die in höflicher Form und ist konstruktiv, dann setzte ich mich auch damit auseinander. Ich bin nicht so überheblich, um zu sagen: Ich mache alles richtig. Ich suche auch ab und an das Gespräch mit den Kritikern. Was ich nicht leiden kann sind anonyme Beschimpfungen und Beleidigungen, die in den privaten Bereich gehen. Auch das gab es schon. Damit muss ich zwar klarkommen, aber ich kann es nicht ab.“

Adler: „Was hat sich für Sie in Ihrem Beruf zwischen gestern und heute verändert?“

Nahrendorf: „Nahezu alles. Früher war es wichtig, News einen Tag eher zu haben als die Konkurrenz."

Anhand der Ausgabe vom Dienstag erklärte Thomas Nahrendorf (r.) FCE-Kicker Nicky Adler, wie die Zeitung entsteht
Anhand der Ausgabe vom Dienstag erklärte Thomas Nahrendorf (r.) FCE-Kicker Nicky Adler, wie die Zeitung entsteht

"Heute kommt es durch das Internet und sämtliche sozialen Netzwerke auf Sekunden an. Das bedeutet gerade in den Wechselperioden Stress."

"Der erste gewinnt nunmal. Aber auch da muss man aufpassen. Im Netz sind viele Gerüchte unterwegs - nicht nur im Fußball. Die gilt es dann für mich zu prüfen. Erst wenn ich mir sicher bin, dass die Quelle seriös ist, werde ich es veröffentlichen."

"Auch da habe ich ein Beispiel: Das ist der Wechsel von Fabian Müller von Aue nach Dresden. Wir in der Redaktion wussten, dass er geht. Wir hatten es aus einer Quelle, der wir vertraut haben, die für uns 100 Prozent sicher war. Also habe ich es geschrieben. Ich wurde zunächst von allen Seiten für blöd erklärt, es wurde heftigst dementiert. Selbst Müllers Berater beteiligte sich daran. Das Ende vom Lied? Ergebnis? 24 Stunden später wurde ,Fabi‘ bei Dynamo vorgestellt.“

Adler: „Arbeiten Sie eigentlich nach einem Leitmotiv?“

Nahrendorf: „Durchaus, das haben mir meine Eltern mit auf den Weg gegeben: Bevor du was sagst oder schreibst, überlege dir, wie es umgedreht bei dir ankommen würde! Das halte ich so, nicht nur im Sport. Mir würde es nie einfallen, einen Spieler persönlich zu beleidigen, nur weil er Mist spielt."

"Kritik am Spieler ja, Beleidigungen an dem Menschen nein. Das wünsche ich mir umgedreht auch so. Kritik am Journalist Nahrendorf ist erwünscht. Am Menschen Nahrendorf sehe ich das nicht gern, weil mich nur die wenigsten als solchen wirklich gut kennen.“

Fotos: Maik Börner, Picture Point/Sven Sonntag

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