FDP-Chef Holger Zastrow weiß, dass es dieses Mal um alles geht!

Dresden - Am 1. September wählt Sachsen einen neuen Landtag. Der Countdown zum Urnengang läuft. "Wem diesmal die Stimme geben?", fragen sich viele Wähler. In der Reihe "Großes Sommer-Interview" wird TAG24 die Spitzenkandidaten der aussichtsreichsten Parteien vorstellen und befragen. Diesmal im Gespräch: Holger Zastrow (50) von der FDP.

Nach dem Scheitern bei der Landtagswahl vor fünf Jahren sieht sich Holger Zastrow (50) geerdet. Nun steckt er viel Energie in sein Projekt Hofewiese. Aber auch politisch möchte er es im September noch einmal wissen.
Nach dem Scheitern bei der Landtagswahl vor fünf Jahren sieht sich Holger Zastrow (50) geerdet. Nun steckt er viel Energie in sein Projekt Hofewiese. Aber auch politisch möchte er es im September noch einmal wissen.  © Eric Münch

TAG24: Herr Zastrow, wir sitzen hier im Biergarten der Hofewiese, die Sie seit 2016 betreiben. Wie läuft's mit der Sanierung?

Holger Zastrow: Am Biergarten haben wir ja schon viel gemacht. Und das Haus ist gesichert, das Dach ist dicht und repariert. Für drinnen suchen wir jetzt einen Architekten.

TAG24: Was können Sie denn empfehlen?

Holger Zastrow: Bratwurst, Steak, Currywurst, Nudeln, auch Vegetarisches. Für unser Angebot werden wir oft gelobt.

TAG24: Das klingt sehr bodenständig. Dabei haftet der FDP oft das Image von Lachshäppchen und Schampus an.

Holger Zastrow: Die Ost-FDP war nie so. In Sachsen ist die FDP eine bodenständige Partei. Wir kommen aus der Kommunalpolitik. Wir sind keine Salonliberalen, sondern Macher.

TAG24: Ihre politischen Anfänge liegen in der Wendezeit. Sie sind zu den Montagsdemos gegangen. Stört es Sie, dass andere nun seit Jahren diesen Tag und den Ruf "Wir sind das Volk" für ihre Zwecke benutzen?

Holger Zastrow: Ja, weil sie lügen. Sie sind auch das Volk, aber sie sind nicht das Volk! Aber ein Wert unserer Gesellschaft ist, dass man auch idiotische Dinge sagen darf.

Im Interview steht der Politiker Rede und Antwort - auch zu manch unangenehmer Frage.
Im Interview steht der Politiker Rede und Antwort - auch zu manch unangenehmer Frage.  © Eric Münch

TAG24: Auch die AfD ist seitdem im Aufwind. Die FDP hingegen ist etwas von der Bildfläche verschwunden.

Holger Zastrow: Das ist die Stunde der Populisten. Egal, ob sie blau, rot oder grün sind. In diesen aufgeregten Zeiten, wo alles immer absolut und schwarz-weiß ist, ist es für uns schwer, Gehör zu finden. Denn für uns ist die Welt bunt und nicht jede Lösung immer einfach. Über unsere Vorschläge muss man oft mal eine Minute länger nachdenken.

TAG24: Was sind Ihre Themen?

Holger Zastrow: Das große Thema ist: "Einfach machen!" Wir machen es uns zu schwer. Vieles ist so schwerfällig, langsam, raubt soviel Energie. Es ist so schwer geworden, mit eigener Hände Arbeit etwas aufzubauen. Deswegen müssen wir es leichter machen - durch weniger Regeln, weniger Bürokratie, weniger Gängelung, weniger Bevormundung.

TAG24: Aber kann man das auf Landesebene umsetzen?

Holger Zastrow: Das Entscheidende ist zuerst, dass es jemand auf die Tagesordnung setzt und kämpft - und macht. Ich sehe hier niemanden kämpfen und machen, auch den Ministerpräsidenten nicht. Der geht hin, debattiert und das war's. Ich will Taten sehen und dass er sich auch mit Berlin anlegt. Ich werde kämpfen, laut sein, die anderen damit nerven, darauf zu gucken, was mit dem Mittelstand passiert. Ich werde erstmal scheitern, aber die Leute werden sich daran erinnern und irgendwann mitkämpfen.

TAG24: Bei der Wahl zum Spitzenkandidaten stimmten nur knapp 64 Prozent für Sie. Fehlt Ihnen der Rückhalt in den eigenen Reihen?

Holger Zastrow: Es gibt natürlich auch bei uns Leute, die mit mir, meiner Art, mit dem, was ich mache, nicht so klar kommen. Ich kann damit leben. Hauptsache ist doch, dass die Partei im Wahlkampf zusammensteht und wir geschlossen für den gemeinsamen Erfolg kämpfen.

TAG24: Die FDP war eine der ersten Parteien, die Nein zur AfD gesagt hat. Halten Sie daran fest?

Holger Zastrow: Ja. Wir machen keine Koalition mit der AfD und keine mit den Linken.

Der Parteichef polarisiert auch in den eigenen Reihen.
Der Parteichef polarisiert auch in den eigenen Reihen.  © Thomas Türpe

TAG24: Sie haben im Vorfeld auch Nein zu einer Vierer-Koalition gegen die AfD gesagt.

Holger Zastrow: Ich habe nicht Nein gesagt. Mit den anderen muss man gesprächsfähig sein. Aber ich kann mir eine Koalition mit einem Vierer-Bündnis einfach nicht vorstellen. Ich glaube, es wäre ein Fehler, das zu machen.

TAG24: Warum?

Holger Zastrow: Weil dann Partner zusammenkommen, die nicht wirklich zusammenpassen. Wenn man, bloß um andere zu verhindern, ein Bündnis eingeht, das von vornherein so konfliktbeladen ist, macht man es der Opposition sowas von leicht. Ich werbe dafür, über eine Minderheitsregierung nachzudenken. Die Leute wollen, dass man miteinander redet.

TAG24: Würden Sie diesmal ein Ministeramt annehmen?

Holger Zastrow: Wenn es sich anbietet, mache ich es. Mit 50 fühle ich mich jetzt dazu bereit. Vor zehn Jahren habe ich mich persönlich noch nicht reif genug dafür gefunden.

TAG24: Welcher Posten dürfte es denn sein?

Holger Zastrow: Meine Gebiete sind bekanntermaßen Wirtschaft, Verkehr, auch Umwelt und Landschaftsschutz, Land- und Forstwirtschaft. Ich wollte immer Förster werden. Der Plan war mal, einsam und schweigend durch den Wald zu gehen ... (lacht)

TAG24: Die jüngsten Umfragen sehen die FDP bei 5 Prozent. Wenn es wieder nicht mit dem Landtag klappt, nehmen Sie dann Ihren Hut?

Holger Zastrow: Sollte es nicht klappen, werde ich mich landespolitisch zurückziehen. Aber ich denke, wir bieten den Sachsen eine interessante Alternative und auch eine Alternative zur Alternative.

Von ersten Demos bis zum Parteichef

1969 in Dresden geboren, absolvierte Holger Zastrow zunächst eine Lehre zum Industriekaufmann. 1991 machte er das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre brach er dann jedoch ab. Heute ist er Inhaber einer Eventagentur und betreibt seit 2016 die Hofewiese. Seit 2010 ist er verheiratet.

Seine politische Karriere begann mit den Montagsdemos 1989. So gründete er die Jungliberale Aktion (JuliA) in Dresden. 1993 trat er in die FDP ein und übernahm 1999 die Parteispitze. 2004 bis 2014 war er Fraktionschef der FDP im sächsischen Landtag.

2011 bis 2013 war er zudem stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei.

Die Montagsdemonstrationen waren für viele DDR-Bürger der Einstieg in die Politik. Auch für Holger Zastrow.
Die Montagsdemonstrationen waren für viele DDR-Bürger der Einstieg in die Politik. Auch für Holger Zastrow.  © imago images/Jürgen Ritter
Die FDP möchte gerne wieder in den Sächsischen Landtag einziehen. Dafür muss sie am 1. September aber erst einmal die 5 Prozent-Hürde nehmen.
Die FDP möchte gerne wieder in den Sächsischen Landtag einziehen. Dafür muss sie am 1. September aber erst einmal die 5 Prozent-Hürde nehmen.  © DPA/Robert Michael

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