"Einfach zum Kotzen!": FDP-Wahlplakate werden zur Zielscheibe

Hamburg - Die FDP Hamburg kämpft mit den Folgen des Thüringer Politbebens.

Rund 1500 Menschen demonstrierten am Mittwoch gegen FDP, CDU und AfD in Hamburg.
Rund 1500 Menschen demonstrierten am Mittwoch gegen FDP, CDU und AfD in Hamburg.  © Jonas Walzberg/dpa

Zwar haben sich die Landesvorsitzende Katja Suding (44) und die Fraktionsvorsitzende Anna von Treuenfels (57) früh von der überraschenden Wahl Thomas Kemmerichs (FDP, 54) mit den Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten distanziert.

Dennoch gab es am Mittwochabend eine spontane Demonstration mit rund 1500 Teilnehmern, die vor den Büros der CDU, AfD und FDP haltmachte.

In einer Mitteilung der Organisatoren hieß es: "In wenigen Wochen wird auch in Hamburg gewählt. Für die FDP wird in der Hansestadt ab sofort kein ruhiger Wahlkampf mehr möglich sein. Wer Faschisten Rosen auf den Weg streut, muss mit Widerstand rechnen: Wehret den Anfängen!"

Inzwischen haben sich diese Sätze bewahrheitet. Wahlplakate der FDP werden zur Zielscheibe und Opfer von Vandalismus. Davon berichten mehrere Partei-Mitglieder auf Twitter.

Der Fraktionsvorsitzender Michael Kruse hat 200 seiner Wahl-Plakate eingesammelt, da sie mit "verfassungsfeindlichen Zeichen beschmiert und zerstört" wurden. "Menschen, die sowas tun, beschützen unsere Demokratie nicht - sie zerstören sie mit", schrieb der 36-Jährige.

FDP-Mitglieder sind erschüttert

FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels packt bei der Präsentation ihres Wahlplakats zur Bürgerschaftswahl in Hamburg mit an.
FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels packt bei der Präsentation ihres Wahlplakats zur Bürgerschaftswahl in Hamburg mit an.  © Axel Heimken/dpa

Der Hass trifft dabei auch FDP-Mitglieder mit Migrationshintergrund. Jonas Bayer ist 21 Jahre alt und Halbägypter, wie er der Bild-Zeitung sagte. Er erlebe seit seiner Geburt Alltagsrassismus, schrieb er auf Twitter.

"Ich wurde auch mit gefährlichen Gegenständen bedroht. Das alles wegen meiner Herkunft. Und werde ich als Nazi diffamiert, obwohl ich schon immer auf der anderen Seite stehe. Ich verstehe das nicht."

Auch Hadi Al-Wehaily (18) hat einen Migrationshintergrund, auf seinen Wahlplakaten wird er ebenfalls als Nazi beschimpft. "Sowas ist einfach zum Kotzen. Und die echten Nazis lachen sich ins Fäustchen", kommentierte Ria Schröder (27), Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, den Vandalismus.

FDP-Landesgeschäftsführer Alexander Fröhlich von Elmbach hat seit Mittwoch eine Zunahme "übermäßig zerstörter Wahlplakate" festgestellt. "Wir mussten sehr viele austauschen", sagte er zu TAG24. Auf den Plakaten der Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels seien ebenfalls Sprüche aufgetaucht, die die FDP zu Unrecht in die rechte Ecke stellen wollen.

Unterstützung bekommen die Liberalen von der Grünen-Spitzenkandidatin und Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank (42). Auf Twitter schrieb sie: "Den Hass der AfD bekämpft man nicht mit Hass auf andere. Wer FDP-Politiker tätlich angreift, Veranstaltungen stört und systematisch Plakate zerstört, setzt sich selbst ins Unrecht und schadet unserer liberalen Demokratie."

Tweets zu den zerstörten FDP-Wahlplakaten in Hamburg

Titelfoto: Montage: Axel Heimken/dpa, Screenshot/Twitter


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