Parteitag der Sachsen-FDP: Zastrows Abrechnung zum Abtritt

Neukieritzsch - Generalabrechnung zum Abtritt als Chef der Sachsen-FDP: Holger Zastrow (50) ist auf dem Landesparteitag in Neukieritzsch hart mit seiner Partei ins Gericht gegangen. Zugleich übernahm er die Verantwortung für den erneuten Nicht-Einzug in den Landtag. Die FDP war mit 4,5 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert - wie schon 2014.

Bei seiner Rücktrittsrede rechnete Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow mit seiner Partei ab.
Bei seiner Rücktrittsrede rechnete Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow mit seiner Partei ab.  © Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

Zastrow, wie schon 2014 Spitzenkandidat bei der Landtagswahl, sprach von einem "bitteren Parteitag“, wieder mal. Er und der gesamte Landesvorstand hatten nach der Wahlniederlage ihren Rücktritt erklärt.

"Letztlich sind wir an uns selbst gescheitert. Wir waren kein Team. Nicht mal ansatzweise. So wenig Unterstützung wie ich als Spitzenkandidat hatte, hatte ich noch nie. Sie glauben gar nicht, wie das ist, wenn man sich als Spitzenkandidat so allein gelassen fühlt.“

Er kritisierte, dass er zwar zum Spitzenkandidat gewählt worden sei, dann aber kein Zusammenhalt und gemeinsamer Kampf stattgefunden habe. "So kann das nichts werden. Das wird auch beim nächsten Mal nicht funktionieren. “

Ihm habe der Wahlkampf die Augen geöffnet. "Wir hatten keine flächendeckende Präsenz. Auch keine flächendeckende Professionalität. Es haben sich sogar einige Mitglieder für die Kampagne geschämt, so werden wir es nicht schaffen."

Holger Zastrow über die FDP: "Die Partei hat sich sehr verändert"

Die Partei habe sich verändert. Zastrow fremdle zunehmend mit ihr.
Die Partei habe sich verändert. Zastrow fremdle zunehmend mit ihr.  © Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

Es seien sogar Plakate von eigenen Kandidaten übersprüht worden, weil manchem die Kampagne nicht gepasst habe. Er beklagte zudem, dass sich FDP-Mitglieder am Wahlabend sogar gefreut und abgeklatscht hätten.

"Die Partei hat sich verändert, der Charakter verändert sich weiter. Wer mich kennt, der weiß, dass ich zunehmend fremdle, mit dem, was die Partei macht.“ Er ertrage diese ritualisierte Partei nicht mehr, das Geschwätz, die Ineffizienz und Selbstverliebtheit, die Irrelevanz vieler diskutierter Themen.

Zastrow war seit 1999 Partei-Chef.

Er kündigte nun eine "landespolitische Pause“ an. Abschied nehme er nicht, er habe noch viele Ideen. Seitenhieb zum Schluss: "Warum meine Ergebnisse in der Partei immer schlechter, aber bei der Bevölkerung immer besser werden, muss mir auch mal jemand erklären. Ich dachte, wir machen das für die Leute da draußen.“ Er verwies darauf, dass die FDP im Dresdner Norden bei den Kommunalwahlen stärkste Kraft geworden sei. Zastrow war dort Stimmenkönig bei der Stadtratswahl.

Am Nachmittag will der Landesparteitag den gesamten Landesvorstand neu wählen. Als Zastrow-Nachfolger kandidiert der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt (37), bisher Landes-Vize.

Frank Müller-Rosentritt zum neuen sächsischen FDP-Chef gewählt

Update 14.07 Uhr: Frank Müller-Rosentritt (37) ist neuer Chef der sächsischen FDP. Er wurde von den 250 Delegierten auf dem Parteitag mit 75,6 Prozent gewählt. Insgesamt erhielt Müller-Rosentritt 189 von 250 möglichen Stimmen. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Der Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt (37) ist neuer Vorsitzender der sächsischen FDP.
Der Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt (37) ist neuer Vorsitzender der sächsischen FDP.  © Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

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