Nach Absage wegen Drohung: Ministerin sieht mit Schülern Film über Feine Sahne Fischfilet

Lübeck - Vor zwei Monaten wurde eine Schulvorführung des Films "Wildes Herz" wegen einer Bombendrohung abgesagt (TAG24 berichtete). Nun sahen Schüler und die Bildungsministerin den Film gemeinsam.

Schülerinnen und Schüler sahen sich zusammen mit Bildungsministerin Karin Prien (CDU, links) sowie den Regisseuren Sebastian Schultz und Charly Hübner den Film "Wildes Herz" an.
Schülerinnen und Schüler sahen sich zusammen mit Bildungsministerin Karin Prien (CDU, links) sowie den Regisseuren Sebastian Schultz und Charly Hübner den Film "Wildes Herz" an.  © dpa/Christian Charisius

"Ich finde, dieser Film musste gezeigt werden", sagt Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), als das Licht im Kino wieder an geht.

Im Kommunalen Kino in Lübeck haben am Montag rund 80 Schüler der Grund- und Gesamtschule (GGS) Strand aus Timmendorfer Strand den Film "Wildes Herz" über die umstrittene Polit-Punkband Feine Sahne Fischfilet und ihren Frontmann Jan "Monchi" Gorkow gesehen.

Mit der Vorführung hat Prien ihr Versprechen aus dem Dezember 2018 eingelöst, eine Ersatzvorstellung des Films zu organisieren (TAG24 berichtete).

Die ursprünglich im Rahmen der Schultheaterwoche geplante Vorstellung in einem Kino in Bad Schwartau im Kreis Ostholstein war wegen einer Bombendrohung abgesagt worden.

"Der Film hat mit gut gefallen. Er regt zum Nachdenken an", sagte der 15-jährige Kai Kissman nach der Vorführung.

Polizisten standen vor dem Kino in der Lübecker Altstadt und sicherten es, nachdem eine zuerst geplante Vorführung wegen einer Bombendrohung abgesagt werden musste.
Polizisten standen vor dem Kino in der Lübecker Altstadt und sicherten es, nachdem eine zuerst geplante Vorführung wegen einer Bombendrohung abgesagt werden musste.  © dpa/Christian Charisius

In dem Dokumentarfilm zeichnen die Regisseure Charly Hübner und Sebastian Schultz ein Porträt von Gorkow und der Band, die in ihren Songs und ihren Aktivitäten massiv gegen Neonazis und deren Gedankengut eintritt.

An der Vorführung und der anschließenden Diskussion nahmen auch Hübner und Schultz teil - für viele Schülerinneneine gute Gelegenheit, sich nach der Diskussion noch rasch ein Autogramm zu holen.

Die Band ist wegen ihrer linken und teilweise staatskritischen Texte umstritten. In den Jahren 2011 bis 2015 tauchte sie im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern auf.

Im Oktober 2018 hatte das Bauhaus in Dessau in Sachsen-Anhalt ein geplantes Konzert der Band aus Angst vor Ausschreitungen von rechten Gruppierungen abgesagt (TAG24 berichtete).

Stattdessen gab "Feine Sahne Fischfilet" ein Konzert in der Alten Brauerei in Dessau, an dem auch der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin und Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (beide Grüne) teilnahmen.

Der Film "Wildes Herz" porträtiert Jan "Monchi" Gorkow (Mitte) und die Band Feine Sahne Fischfilet.
Der Film "Wildes Herz" porträtiert Jan "Monchi" Gorkow (Mitte) und die Band Feine Sahne Fischfilet.  © dpa/Hendrik Schmidt

Auf die Frage eines Schülers an die Filmemacher, was sie angesichts der Bombendrohung gedacht hätten, sagte Hübner: "Ich hatte eigentlich schon viel früher damit gerechnet."

Am Montag standen uniformierte Polizisten vor dem Eingang des Kommunalen Kinos (KoKi) in der Lübecker Altstadt.

Nach Angaben des Bildungsministeriums hatte sich das KoKi bereits einen Tag nach der Absage der Vorführung in Bad Schwartau bereit erklärt, den Film zu zeigen.

"Wer von euch würde denn nach diesem Film zu einem Konzert der Band gehen", fragt Schulleiter Hans-Georg Rath nach der Vorführung. Zahlreiche Hände gehen nach oben.

"Ich finde es gut, wofür die Band steht", sagt ein Schüler auf die Frage nach dem Warum. Ein anderer sagt dagegen: "Ich würde da nicht hingehen, weil mir das zu linksradikal ist."

Auch die 15-jährige Linda Getta ist nicht so begeistert von der Band. "Ich interessiere mich nicht so für Politik und auch die Musik ist nicht so meins", sagt sie. "Ich fand es aber interessant, die verschiedenen Meinungen zu hören."

Kunstfreiheit sei ein Gradmesser einer demokratischen Gesellschaft, sagt Bildungsministerin Prien. "Gerade wenn man unterschiedlicher Meinung ist, ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben und zu lernen, die Meinung des anderen auszuhalten."

Titelfoto: dpa/Christian Charisius

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