Nackte stürmt den Gerichtssaal beim Gina-Lisa-Prozess

Fünf Beamte waren nötig, um das nackte Femen-Mitglied aus dem Gerichtssaal zu zerren.
Fünf Beamte waren nötig, um das nackte Femen-Mitglied aus dem Gerichtssaal zu zerren.

Berlin - Nackte Tatsachen im Saal 572 des Kriminalgerichts Moabit. Doch dieses Mal war es nicht Busenwunder Gina-Lisa Lohfink (29), die blank zog. Ein Mitglied der feministischen Gruppe Femen solidarisierte sich oben-ohne mit der prominenten Angeklagten.

Es ist ein Prozess, der hohe Wellen schlägt. Plötzlich stehen Feministinnen aus aller Welt hinter der der "Germany´s next Topmodel"-Kandidatin, die sich früher auch gern mal selbst ins Klischee der dümmlichen Blondine gesteckt hat.

Warum? Für Gina-Lisa Lohfink hat sich der Spieß umgedreht: 2012 hatte sie zwei Männer wegen Vergewaltigung und Verbreitung eines Sexvideos angezeigt. Doch laut Gericht soll das eine falsche Verdächtigung gewesen sein.

Nun sitzt die 29-Jährige selbst auf der Anklagebank, soll 24.000 Euro blechen. Damit ist sie jedoch garnicht einverstanden - und eine Masse an Frauenrechtlerinnen steht hinter ihr.

Gina-Lisa Lohfink (29) wird vor dem Kriminalgericht von ihrem besten Freund Florian Wess (l., 36) und Anwalt Burkhardt Benecken unterstützt.
Gina-Lisa Lohfink (29) wird vor dem Kriminalgericht von ihrem besten Freund Florian Wess (l., 36) und Anwalt Burkhardt Benecken unterstützt.

Auch am Montag versammelten sich zahlreiche Frauen vor dem Kriminalgericht im Stadtteil Moabit, um gegen sexuelle Gewalt zu demonstrieren.

Ein Mitglied der radikalen Gruppe Femen stürmte bei der Fortsetzung der Verhandlung den Gerichtssaal, konnte nur mit vollem Körpereinsatz der Justizbeamten aus dem Raum entfernt werden.

Bei ihrer Aktion war die junge Frau barbusig, auf ihrem nackten Körper standen Sätze wie "No means no" und "Still not asking for it" - Parolen gegen nicht einvernehmliche sexuelle Übergriffe.

Als die Beamten die Feme entfernen wollten, wehrte sie sich mit Schreien und Tritten gegen die Ordnungshüter.

Die feministische Gruppe Femen ist bekannt für ihre provokanten Nackt-Proteste.

Mit Parolen und nackten Tatsachen solidarisierte sich die feministische Gemeinde mit Gina-Lisa.
Mit Parolen und nackten Tatsachen solidarisierte sich die feministische Gemeinde mit Gina-Lisa.

Beispielsweise feierten sie in Dresden "Bomber Harris" für die Zerstörung der Stadt oder stürmten den Laufsteg von "Germany´s Next Topmodel", der Sendung die Gina-Lisa Lohfink berühmt machte.

Am Montag wurde Pardis F. (28), einer ihrer mutmaßlichen Peiniger, befragt.

Eine schwierige Situation für die Angeklagte.

In der Mittagspause richtete sie das Wort an ihre Unterstützerinnen: „Dieser Typ sitzt da und dann lügt er auch noch so frech. Ich danke euch, dass ihr mir helft. Es ist so schrecklich, dass mir nicht geglaubt wird.“

Die Frauenrechts-Demonstrantinnen stehen hinter der 29-Jährigen: "Du bist nicht allein!" Ob die Nacktstörung für die Feme Konsequenzen haben wird, ist noch unklar.

Update 17:23

Lohfink und ihre Verteidiger verließen am Montagnachmittag empört den Verhandlungssaal im Amtsgericht Berlin-Tiergarten.

Zur Begründung hieß es von ihnen, das Gericht habe die Öffentlichkeit bei einer geplanten Anschauung eines Sex-Videos mit Lohfink nicht ausschließen wollen.

Die Richter wollten Filmsequenzen auf einem Laptop, abgewandt vom Publikum und ohne Ton, ansehen. Der Bildschirm wäre für das Publikum im Saal und die Presse nicht sichtbar gewesen.

Wann die Verhandlung fortgesetzt werden sollte, war zunächst unklar. Zuvor waren Zeugen gehört worden.

Fotos: imago


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