Trotz Fachkräftemangel: Deshalb werden jetzt fast 600 Lehrer in Hamburg arbeitslos

Hamburg - Ferienzeit bedeutet für viele befristet angestellte Lehrer in Hamburg auch sechs Wochen lange Arbeitslosigkeit.

Mit den Sommerferien In Hamburg enden 590 Verträge für Lehrer.
Mit den Sommerferien In Hamburg enden 590 Verträge für Lehrer.  © DPA

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat nun scharf kritisiert, dass viele Verträge zum Beginn der Sommerferien enden, auch wenn die Kräfte im nächsten Jahr wieder gebraucht werden.

Für die GEW ist diese Praxis ein Unding. Sie gehe nicht nur zulasten der Lehrkräfte, sondern auch der Sozialkassen und der Kinder.

In Hamburg enden nach Angaben der Schulbehörde in diesen Tagen 590 Verträge von befristet angestellten Lehrern an öffentlichen Schulen - für wie viele es nach den Sommerferien weitergeht, ist offen. Bei der Zahl sei zu beachten, dass ein Lehrer auch Verträge an mehreren Schulen haben könne.

"Der Schulbehörde geht es einzig darum, zulasten der Lehrkräfte Geld zu sparen", sagte GEW-Vize Frederik Dehnerdt der Deutschen Presse-Agentur. "Die meisten Lehrkräfte bekommen nach den Ferien erneut eine befristete Anstellung, sodass es überhaupt keinen sachlichen Grund gibt, hier mit Fristverträgen zu arbeiten."

Den Vorwurf, man wolle nur Personalkosten sparen, wies Behördensprecher Peter Albrecht zurück. "Hintergrund der Befristung in Hamburg ist immer eine Vertretungssituation wie zum Beispiel Krankheit oder Mutterschutz. Sachgrundlose Befristungen werden nur in absoluten Ausnahmefällen geschlossen." Die Vertretungssituation ende in der Regel mit Ende des Schuljahres.

"Für die Betroffenen ergeben sich mehrere Probleme", sagte Dehnerdt. "So sind sie gezwungen, ihre Existenz über die Ferienzeit abzusichern, was meistens Arbeitslosengeld II bedeutet, da sie nicht ein volles Jahr durchgängig beschäftigt wurden." Es sei nicht Aufgabe der Bundesagentur für Arbeit, die Sozialkosten der Länder zu tragen. Zudem habe die berufliche Unsicherheit auch Auswirkungen auf die Lebensplanung der Lehrkräfte.

Besonders betroffen seien jüngere Lehrkräfte. "Dass die Schulbehörde an dieser Praxis festhält, ist für uns unverständlich", monierte Dehnerdt. "Insbesondere vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels ist die Behörde in der Pflicht, den Lehrkräfteberuf attraktiver zu machen."

Titelfoto: DPA


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