Forstrock in Jamel ausverkauft, doch Bands bleiben weiter geheim!

Jamel - In den vergangenen Jahren standen schon Größen wie Die Toten Hosen, Die Ärzte, Marteria und Herbert Grönemeyer beim "Forstrock" in Jamel auf. Doch wer wird in diesem Jahr auf der Bühne stehen?

Die Punkband "Dritte Wahl" spielt auf dem Open-Air-Musikfestival "Jamel rockt den Förster".
Die Punkband "Dritte Wahl" spielt auf dem Open-Air-Musikfestival "Jamel rockt den Förster".  © Danny Gohlke/dpa

Schon seit Monaten ist das Festival "Jamel rockt den Förster", das am 23. und 24. August stattfindet, in dem Mini-Dorf in Mecklenburg-Vorpommern ausverkauft. Dabei sind die Bands wie immer geheim.

Das Künstlerehepaar Lohmeyer lädt Künstler und 1200 Gäste auf ihren Forsthof ein. Sie alle wollen mit dem Konzert gemeinsam gegen die Naziszene im Ort protestieren.

Seit 15 Jahren leben Birgit und Horst Lohmeyer in Jamel, einer abgelegenen Ansammlung von Häusern bei Wismar mit weniger als 50 Einwohnern.

Dort hat der vielfach vorbestrafte Rechtsextremist Sven Krüger eine Anhängerschaft um sich geschart und versucht, eine "national befreite Zone" zu schaffen.

Von Anfang an wurden die Lohmeyers von ihnen angefeindet. 2015 wurde ihre Scheune angezündet, die Täter nie gefunden. Für ihr Engagement erhielten die Lohmeyers zahlreiche Preise. Eröffnet werden soll das Festival am Freitagabend gemeinsam mit der Schirmherrin, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), und DGB-Chef Reiner Hoffmann.

Schlagzeilen machte Jamel im vergangenen Jahr auch, weil die Gemeinde Gägelow, zu der Jamel gehört, eine Wiese in der Dorfmitte an einen der Neonazis für 65 Euro pro Jahr verpachtete (TAG24 berichtete).

Das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer steht vor einem Mahnmal bestehend aus den verkohlten Balken ihrer abgebrannten Scheune.
Das Ehepaar Birgit und Horst Lohmeyer steht vor einem Mahnmal bestehend aus den verkohlten Balken ihrer abgebrannten Scheune.  © Axel Heimken/dpa

Die kommunale Wiese war sonst für das Festival genutzt worden und diente der Polizei als Abstellfläche für ihre Kontrollen, wenn auf dem Grundstück Krügers Neonazis feierten. Nachdem die Verpachtung öffentlich wurde, beschäftigte sich die Gemeindevertretung mit dem Fall - und bestätigte den Vertrag mit deutlicher Mehrheit.

Seit der Kommunalwahl im Mai hat Jamel eine neue Gemeindevertretung und einen neuen Bürgermeister. Friedel Helms-Ferlemann (CDU) will den Pachtvertrag prüfen und kündigen lassen, sagt er. Allerdings müsse er sich erst ins Amt einarbeiten.

Sein Vorgänger, der parteilose Uwe Wandel, der seinerzeit auf einem SPD-Ticket antrat und immer wieder für seinen laschen Umgang mit den Jameler Neonazis kritisiert wurde, habe ihm keine Unterlagen überlassen. Zudem müsse die neue Gemeindevertretung über eine Kündigung entscheiden.

In der sitzt nun auch Sven Krüger. Bereits früher saß er für die NPD im Kreistag, im Mai zog er mit 281 Stimmen in die Gemeindevertretung von Gägelow ein. Nur die Fraktionschefin der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, erhielt mehr Stimmen.

"In wie vielen Köpfen hier rechtsextreme Straftäter als normale Menschen verankert sind, das hatte ich in der hohen Anzahl nicht erwartet", sagt Birgit Lohmeyer.

Titelfoto: Danny Gohlke/dpa


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0