Sex, Internet, Narzissmus: Hip-Hop-Urgesteine rechnen mit der Liebe ab und batteln Berliner Investoren!

Hamburg - Seit mehr als 25 Jahren gehört die Hamburger Band Fettes Brot zu den festen Größen des deutschen Hip-Hops, die auch Pop-Songs können. Jetzt holen die drei Rapper mit neuen Songs zum Rundumschlag aus!

Die deutsche Hip-Hop-Crew Fettes Brot dreht bei einem Festival auf der Bühne ordentlich auf.
Die deutsche Hip-Hop-Crew Fettes Brot dreht bei einem Festival auf der Bühne ordentlich auf.  © DPA

Auf ihrem neuen und neunten Album "Lovestory" geht es nämlich wie in vielen ihrer Tracks, auch diesmal wieder um Emotionen und brandaktuelle Themen: Doktor Renz, König Boris und Björn Beton jetzt nehmen die verschiedenen Facetten der Liebe unter die Lupe – und rechnen mit dem Internet ab.

"Im Laufe der Produktion haben wir einfach gemerkt, dass die stärksten Lieder alle zum Thema Liebe waren", sagte Martin Vandreier im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

So geht es auf "Lovestory" um das Thema Narzissmus versus gesunde Selbstliebe ("Ich liebe mich"), die Liebe zu einem depressiven Menschen ("Klapse"), aber auch um politische Themen wie "Du driftest nach rechts" über einen (Ex-)Partner, mit dem man nicht mehr einer Meinung ist oder die Liebe zwischen älteren Homosexuellen ("Opa + Opa").

Das schaffen sie wie immer mit einer gehörigen Portion (Selbst-)Ironie und ohne erhobenen Zeigefinger: "Wir sind Geschichtenerzähler. Was die Leute als Botschaft daraus hören, bleibt dem Zuhörer überlassen", meinte König Boris aka Boris Lauterbach.

Musikalisch knüpft "Lovestory" an den Sound früherer Alben an - mit etwas weniger Hip-Hop, dafür mehr Funk und Disco.

Es geht noch fetter: Rapper sammeln 7 Millionen Euro mit Soli-Konzerten

Seit ein Investor aus Berlin den Künstlerhof "Bernie" gekauft hat, ist es mit der Idylle vorbei: Die Gemeinschaft fürchtet, bald vertrieben zu werden.
Seit ein Investor aus Berlin den Künstlerhof "Bernie" gekauft hat, ist es mit der Idylle vorbei: Die Gemeinschaft fürchtet, bald vertrieben zu werden.  © DPA

Entstanden ist das neue Album zusammen übrigens mit ihrer Live-Band.

"Wir haben uns tatsächlich an dem spielerischen Prozess des Musikmachens noch mal neu berauscht", erklärte Boris Lauterbach. "Wir waren alle in einem Raum, haben Geräusche aus unseren Instrumenten geholt und so die Songs erarbeitet", beschreibt der Musiker wie sie das Album angegangen sind.

Aufgenommen haben die Hamburger Jungs die neue Liebes-Platte in ihrem Studio in der Bernstorffstraße 117, direkt an der Grenze zum Stadtteil St. Pauli. Ob sie dort auch in Zukunft werden arbeiten können, wissen sie jedoch nicht.

Der Grund: Der Hinterhof "Bernie", auf dem rund 110 Handwerker und Künstler arbeiten und leben, wurde von Investoren gekauft. Seitdem fürchtet die Hofgemeinschaft, langfristig durch Mieterhöhungen vertrieben zu werden. Hier läutet wohl der Hamburger Gentrifizierungs-Alarm!

Zusammen haben sie deshalb den Verein "Viva la Bernie" ins Leben gerufen (TAG24 berichtete), Solidaritätskonzerte veranstaltet und sieben Millionen Euro(!) zusammenbekommen, um das Areal zurückzukaufen. Mehr "Nordisch by Nature" geht kaum.

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Gegen den Ausverkauf des Künstler-Hofs formiert sich kreativer Protest unter dem Motto "Viva ba Bernie" - zuletzt feierten sie ein Solidaritätskonzert mit Jan Delay, Samy Deluxe und Fettes Brot.
Gegen den Ausverkauf des Künstler-Hofs formiert sich kreativer Protest unter dem Motto "Viva ba Bernie" - zuletzt feierten sie ein Solidaritätskonzert mit Jan Delay, Samy Deluxe und Fettes Brot.  © DPA

Was steckt hinter dem riesigen Aufriss um das Künstler-Quartier?

König Boris meint: "Das Thema ist: Wem gehört die Stadt? Das spitzt sich ja immer mehr zu an allen Ecken. Es gibt kaum noch Wohnraum, der bezahlbar ist. Die Frage ist doch: Was passiert mit einer Stadt, wenn das so weiter geht?"

Björn Warns, der sonst als Björn Beton über die Bühne tobt, freut sich, dass mittlerweile auch viele Politiker das Thema erkannt haben und hofft auf "gangbare Wege, das nicht allein dem Kapital zu überlassen, ohne dass man dadurch gleich in die Planwirtschaft abrutscht".

Für Doktor Renz, der eigentlich Martin Vandreier heißt, könnte "Viva la Bernie" Symbolcharakter haben: "Ich glaube, dass wir jetzt schon für andere Projekte Inspiration sind und Leuten Mut machen. Das heißt man ist vielleicht gar nicht so ohnmächtig, wie man sich manchmal vorkommt."

Mit "Jein" und "Nordisch by Nature" feierten sie ihren Durchbruch, besangen "Schwule Mädchen" und schafften mit "Emanuela" den 2. Platz beim Bundesvision Song Contest: Seit mehr als 25 Jahren gehört die Hamburger Band Fettes Brot zu den festen Größen des deutschen Hip-Hop.

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