Im Eis eingebrochen: So verhaltet ihr Euch richtig

Feuerwehrmänner wagen sich mit Rettungsgerät aufs Eis. (Symbolbild)
Feuerwehrmänner wagen sich mit Rettungsgerät aufs Eis. (Symbolbild)  © TAG24/Johannes Kohlstedt

Berlin - Die eisigen Temperaturen der letzten Tage haben auch einen Vorteil für so manchen Winter-Fan. Endlich kann es wieder aufs Eis, doch Vorsicht: Jahr für Jahr muss die Feuerwehr eingebrochene Menschen aus dem Eis holen.

Am Mittwoch zeigte die Berliner Feuerwehr am Landwehrkanal, wie man sich bei solch einem Szenario verhalten sollte. Dafür inszenierte sie eine Art Eis-Rettungsaktion. Zum einen wurde gezeigt wie die Tauchergruppe des Technischen Dienstes eine hilflose Person mit einem sogenannten Eiswagen retten, zum anderen diente der Rettungsring als Lebensretter.

Grundsätzlich gibt aber nicht die Feuerwehr, sondern die Wasserschutzpolizei das Go für Schlittschuhfahren und Co. "Das werden im Normalfall aber keine Fließgewässer, also keine Kanäle. Wenn Flächen zum Betreten freigeben werden, dann werden es Seen in Berlin sein, also stehende Gewässer wie zum Beispiel der Weißensee, Schlachtensee oder die Krumme Lanke", erklärt Dominik Preetz von der Pressestelle der Berliner Feuerwehr TAG24.

Auch wenn es gerade am Mittwoch bitterkalt ist, kann ein sorgenfreies Betreten der Seen noch dauern. Die Eisdecke muss nämlich mindestens zehn Zentimeter betragen. "Erst dann ist sie soweit tragfähig, dass keine Person einbricht".

Feuerwehrmänner suchen im eisigen See nach einem untergegangenen Mensch. (Symbolbild)
Feuerwehrmänner suchen im eisigen See nach einem untergegangenen Mensch. (Symbolbild)

Bricht man allerdings unglücklicherweise trotzdem ein, sollte man versuchen, das Eis soweit aufzubrechen, bis man wieder stehen kann. Problematischer wird es, sich aus eigener Kraft inmitten eines Gewässers zu befreien. "Man hat selten irgendwas dabei, wo man sich festhalten kann. Das Wasser schwappt über. Es ist rutschig. Am besten man macht sofort auf sich aufmerksam, dass andere Leute Hilfe holen können."

Zudem sollte man sich an der Eiskante, an der man eingebrochen ist, festhalten und eine Art "Kauerstellung" einnehmen. Das heißt: "Beine und Arme anziehen am Körper, sich nicht großartig bewegen, damit durch die Bewegung der Körper nicht noch schneller auskühlt, sondern versucht, sich wie eine kleine Kugel zu machen und dann dort leider ausharren bis Hilfe kommt."

Das große Problem: Das Wasser beträgt unter der Eisfläche nur ein bis zwei Grad. Schon nach fünf Minuten treten die ersten Muskellähmungen ein. Nach ungefähr zehn Minuten kann man sich nicht mehr bewegen. Deswegen sollte man versuchen, jemanden so zu sichern, dass er nicht untergeht oder gar unter das Eis gerät.

Doch selbst wenn jemand ohmächtig wird und untergeht, ist eine Rettung nicht ausgeschlossen. Ein Mensch kann bei solchen kalten Temperaturen noch bis zu 45 Minuten nach Einbruch reanimiert werden, wie Dominik Preetz TAG24 erklärte:

Die Tauchergruppe des Technischen Dienstes macht sich bereit.
Die Tauchergruppe des Technischen Dienstes macht sich bereit.  © TAG24/Johannes Kohlstedt

"Wenn eine Person einen Kreislaufstillstand erleidet, dann kommt es zu einem Zellsterben. Dieses Zellsterben verursacht, dass eine Reanimation bis zu einer gewissen Zeit nicht mehr möglich ist. Bei einer normalen Körpertemperatur von ungefähr 37 Grad liegt der kritische Zeitpunkt bei ungefähr zehn Minuten. Ab da wird eine Reanimation sehr schwierig. Wenn jetzt aber jemand im Eis einbricht, dann wird die Körpertemperatur heruntergekühlt. Das Sterben der Zellen findet hier dann nicht so schnell statt, so dass eine Reanimation auch noch nach längerer Zeit möglich ist. Wir haben schon Leute aus dem Eis geholt, die 30 Minuten unter dem Eis waren. Die Personen konnten aber reanimiert werden und später das Krankenhaus auch wieder verlassen."

Wenn jetzt ein Passant jemanden in Notlage sieht, gilt grundsätzlich erstmal die Feuerwehr zu rufen. Dennoch kann auch jeder Bürger helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. An vielen Eisrettungsstationen hängen Rettungsringe, diese können dank einer Leine auch vom Ufer geworfen werden, sodass keine weitere Person aufs Eis muss. Im schlechtesten Fall muss die Feuerwehr dann statt einer gleich zwei Personen retten.

Ist die Rettung erfolgreich, ist es wichtig, dass der Gerettete nur langsam erwärmt wird. "Die Person darf sich auch nicht großartig bewegen, weil ansonsten der Kreislauf wieder in Schwung gebracht." Aufgrund der Kälte zieht der Körper das Blut aus Extremitäten zurück, um es den lebenswichtigen Organen zuzuführen.

"Der Körper zentralisiert. Das heißt: Nur noch im inneren Kern des Körpers werden die lebenserhaltenden Maßnahmen aufrecht erhalten. Wenn er sich jetzt schnell bewegen würde, würde der Blutkreislauf wieder in Bewegung kommen. Das kalte Blut in den Armen und Beinen würde dann zum Herzen fließen und könnte einen Herzinfarkt auslösen. So etwas nennt man dann Bergungstod".

Darum gilt: Leute, die aus dem Wasser geholt werden, müssen vorsichtig und langsam wieder aufgewärmt werden.


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