Feuerwehrmann gefeuert, weil er schwul ist?

Moritzburgs Bürgermeister Jörg Hänisch erklärt, dass er den Feuerwehrmann nicht wegen seiner Homosexualität entlassen hat.
Moritzburgs Bürgermeister Jörg Hänisch erklärt, dass er den Feuerwehrmann nicht wegen seiner Homosexualität entlassen hat.

Von Andrzej Rydzik

Moritzburg - Wer lügt in dieser pikanten Affäre? Der homosexuelle Feuerwehrmann Richard Vollprecht (19) wirft dem Moritzburger Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos) vor, ihn wegen seiner sexuellen Neigung aus der Ortswehr Reichenberg geschmissen zu haben.

Hänisch streitet das ab, wehrt sich gegen den Diskriminierungsvorwurf.

Die Entlassung des schwulen Feuerwehrmannes hat eine Vorgeschichte. Als Richard 16 Jahre alt war, begann er eine Beziehung mit dem damals 13-jährigen Sohn eines Feuerwehrkameraden.

Der Vater bekam davon Wind, erstattete Anzeige - Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern folgten. „Im April 2014 musste ich mich vor dem Amtsgericht Meißen verantworten. Der Richter beließ es bei einer Ermahnung und der Weisung, mich von Minderjährigen fernzuhalten“, so Vollprecht.

Das Gerätehaus Reichenberg ist für Ex-Feuerwehrmann Richard Vollprecht (19) tabu. Er glaubt, dass er entlassen wurde, weil er schwul ist.
Das Gerätehaus Reichenberg ist für Ex-Feuerwehrmann Richard Vollprecht (19) tabu. Er glaubt, dass er entlassen wurde, weil er schwul ist.

„Allerdings beurlaubte mich der Bürgermeister im Anschluss, wollte Gras über die Sache wachsen lassen. Er stellte mir aber in Aussicht, dass ich nach einem Jahr Pause wieder in die Feuerwehr zurückkehren könne.“

Der glühende Feuerwehrmann habe die bittere Pille deshalb geschluckt. Jetzt wurde er vom Bürgermeister jedoch endgültig gefeuert.

„Den wahren Grund hat er mir nicht genannt. Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. Mir drängt sich nur ein Grund auf - meine Homosexualität.“

Wehrleiter Maik Zscheile ist die ganze Affäre unangenehm, er bleibt wortkarg: „Das ist doch Quatsch!“ Bürgermeister Hänisch dagegen wiegelt ab: „Seine Homosexualität spielte keine Rolle. Es gab vielmehr seinerseits Übergriffe auf andere Kameraden.“

Details will er zum Schutz Dritter nicht nennen. „Ich musste mich gegen ihn entscheiden, um den Schutz der Gemeinde zu gewährleisten.“

Der geschasste Feuerwehrmann prüft jetzt rechtliche Schritte gegen die Gemeinde: „Ich habe niemanden in der Feuerwehr und außerhalb unsittlich berührt oder sexuell belästigt.“

Fotos: Thomas Türpe


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