Nach Sonntag ist Schluss: Schauburg schließt für Umbau

Die in den 50er-Jahren entstandene rote Fassade wird einer neuen weichen.
Die in den 50er-Jahren entstandene rote Fassade wird einer neuen weichen.  © Steffen Füssel

Dresden - Patina und eine etwas abgewetzte Aura mögen ihren Charme haben, irgendwann aber muss jedes Kleinod aufpoliert werden. Das gilt nicht zuletzt für das Filmtheater Schauburg, Dresdens ältestes noch aktive Kino.

Im Oktober wird das Haus 90 Jahre alt, dann wird man es kaum wiedererkennen: Die Schauburg wird im Sommer saniert, um zwei Säle erweitert und bekommt mit anderer Fassade ein neues Gesicht.

Am Montag beginnen die Bauarbeiten. Es ist die vierte, massive Umbauphase die das 1927 eröffnete Kino erlebt. Die bislang letzte fand vor 23 Jahren statt. Für mehrere Monate muss die Schauburg deshalb geschlossen bleiben. Denn die geplanten Maßnahmen können nicht bei laufendem Betrieb umgesetzt werden.

Es werden nicht nur die drei bestehenden Säle „Fritz Lang“, „Andrej Tarkowski“ und „Sergio Leone“ komplett neu aufgemöbelt, sondern auch zwei neue Säle errichtet.

Über dem „Tarkowski“-Saal wird ein Saal mit 150 Plätzen auf das Dach gesetzt, ein zweiter Saal mit 60 Plätzen soll unterirdisch entstehen. Dafür wird der Hof ausgegraben.

Der bisher enge Foyer- und Eingangsbereich wird erweitert.
Der bisher enge Foyer- und Eingangsbereich wird erweitert.  © Thomas Türpe

Damit wächst die Schauburg von bisher 700 auf rund 850 Plätze. Geschäftsführer Stefan Ostertag erklärt das mit dem Wandel im Kinogeschäft: „Immer mehr Filme kommen ins Kino, drei Säle reichen nicht mehr aus.“ Um das Angebot künftig zu verbreitern, habe man sich für zwei kleinere Zusatzsäle entschieden.

Ostertag: „Man braucht heute keine riesengroßen Säle mehr.“ Allein den „Leone“-Saal mit seinen 400 Plätzen nur durch Filme auszulasten werde immer schwieriger.

Seit gut drei Jahren wurde die anstehende Sanierung mit den zuständigen Architekten Benjamin Grill und Hendrik Neumann vom Dresdner Büro G.N.b.h. Architekten geplant, die Kosten werden sich im siebenstelligen Bereich bewegen.

Ostertag: „Das im Raum stehende Gerücht von sechs Millionen Euro stimmt jedoch nicht, das wäre eine Summe jenseits von Gut und Böse.“

Die Wandkunst, hier Alfred Hitchcock und seine Vögel, wird verschwinden.
Die Wandkunst, hier Alfred Hitchcock und seine Vögel, wird verschwinden.  © Thomas Türpe

Wie die künftige Schauburg endgültig aussehen wird, ist noch offen, die Denkmalpflege muss die vorgelegten Pläne noch freigeben. Klar ist nur: Die rote Backsteinfassade wird es nicht mehr geben. Dafür wird der bisher eher abweisend wirkende, enge Eingangsbereich erweitert, das Foyer soll größer, heller, lichter werden.

Hendrik Neumann: „Wir öffnen die Schauburg zur Straße.“ Befürchtungen, die Schauburg könne ihren Charakter verlieren, wollen die Planer gar nicht erst aufkommen lassen. Sie stellen klar: „Es wird kein gelecktes, kühles Multiplex-Ambiente geben.“ Man wolle dem Ruf und Charme des Hauses treu bleiben.

Weitere wichtige Maßnahmen: Die Bestandssäle werden neu bestuhlt, bekommen neue Teppiche und Wandbespannungen. Auch die Sanitäreinrichtungen, laut Ostertag das „größte Ärgernis“, werden erneuert.

Bis zum 90. Geburtstag am 15. Oktober soll der Betrieb wieder laufen, auch wenn die zwei neuen Säle dann noch nicht fertiggestellt sein werden.

Am Sonntag erlebt das Kino seinen letzten Tag im alten Gewand. Um 15 Uhr werden Andenken versteigert, abends gibt es eine Abschiedsparty mit Live-Musik bei freiem Eintritt. Am Montag werden bereits die Stühle entfernt und für 10 Euro pro Stück an Interessierte vergeben.

Will mit zwei weiteren Sälen das Angebot verbreitern: Geschäftsführer Stefan 
Ostertag.
Will mit zwei weiteren Sälen das Angebot verbreitern: Geschäftsführer Stefan Ostertag.  © Thomas Türpe

Titelfoto: Thomas Türpe


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