Finster! Köln-"Tatort" serviert schwere Kost

Köln - Es war schwer verdauliche Kost, die der Kölner "Tatort: kaputt" seinen Zuschauern da am Pfingstmontag serviert hat. Das Anschauen des nihilistischen Krimi-Dramas hat sich aber trotzdem gelohnt.

Die Polizistin Melanie Sommer (Anna Brüggemann, r) wurde niedergeschlagen, ihre Kollegin Janine Meier (Caroline Hanke, l) kümmert sich um sie.
Die Polizistin Melanie Sommer (Anna Brüggemann, r) wurde niedergeschlagen, ihre Kollegin Janine Meier (Caroline Hanke, l) kümmert sich um sie.  © WDR/Thomas Kost

Zwar war schnell klar, wer hier den Polizisten Frank Schneider bei einem nächtlichen Ruhestörungs-Einsatz brutal totgeschlagen hatte: der drogensüchtige, notorische Polizisten-Hasser Ben Theissen (Hauke Diekamp) und zwei Kumpane.

Als der Theissen auch erschossen wird, geraten die Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) in die Bredouille: Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen und auch ein Rache-Akt von Schneiders Kollegen kann nicht ausgeschlossen werden.

Das führt bei den Polizisten natürlich zu Unmut. Selbst der sonst so gutmütige Jütte (Roland Riebeling) ergreift Partei, wettert über die drogensüchtigen Polizisten-Mörder und muss sich schließlich vom erbosten Ballauf fragen lassen, ob es denn Opfer erster und zweiter Klasse gäbe.

Ein Hauptverdächtiger will sich aber trotz aller Bemühungen der Kommissare zunächst nicht zeigen, auch wenn manch ein Motiv durchaus plausibel erscheinen mag.

Erst zum Schluss gerät eine Person in den Fokus, die bisher keiner auf dem Schirm hatte: Schneiders traumatisierte Kollegin Melanie Sommer (Anna Brüggemann), die den Mord an Schneider mitansehen musste. Nach eigener Aussage konnte sie sich an nichts erinnern, machte in Wirklichkeit aber Jagd auf die Täter, da sie sich schuldig an Franks tot fühlte.

Spirale der Gewalt ohne klare Täter- und Opferrolle

Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Schenk (Dietmar Bär) kommen erst spät auf die richtige Spur.
Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Schenk (Dietmar Bär) kommen erst spät auf die richtige Spur.  © WDR/Thomas Kost

Hier wird dann ein weiteres internes Dilemma der Polizei offensichtlich - ein überholtes Verständnis von Geschlechter-Rollen.

Melanie fühlte einen besonderen Druck, sich als Frau gegenüber den Kollegen im besonderen Maße beweisen zu müssen. Nach der Tat ist sie "die, die überlebt hat".

Auch die homosexuelle Beziehung zwischen Frank und seinem Kollegen Stefan (Max Simonischek) ist den anderen Polizisten ein Dorn im Auge. "Ein schwuler Bulle ist wie ein schwuler Fußball-Spieler", weiß Melanie, die mit beiden befreundet ist.

Ein wenig zu konstruiert wirkte der Fall in seiner Gesamtheit dann ja doch, allerdings wurden so überdeutlich klare Fronten geschaffen.

Auf der einen Seite die Brüder Thomas (Ronny Miersch) und Ben Theissen, die ihren Vater bei einem Autounfall mit dem Einsatzfahrzeug der Polizisten Frank und Stefan verloren haben, bei dem die Mutter außerdem schwer verletzt wurde. Die Schuldfrage blieb ungeklärt, die Polizisten wurden freigesprochen.

Auf der anderen Seite die Polizisten um Pohl und Melanie Sommer, deren Kollege Frank von Ben Theissen und zwei Freunden zu Tode geprügelt wurde. Und das führt dann wiederum dazu, dass die traumatisierte Melanie ihre und Franks Peiniger hinrichtet.

In dieser Spirale der Gewalt gibt es schließlich keine klare Täter- und Opferrolle mehr und selbst Ballauf, der als eine Art moralische Instanz fungiert, muss am Ende in auswegloser Situation töten.

So blieb schließlich eine spannende Mischung aus "Whodunit" und Psycho-Drama, die zudem das Dilemma in der Selbst- und Außendarstellung der Polizei gelungen thematisierte.

Titelfoto: WDR/Thomas Kost

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