Plötzlich flog das Handtuch: Boxer Firat Arslan nach verlorenem WM-Kampf stinksauer

Göppingen - Nach dem verpassten Rekord als ältester Box-Weltmeister der Geschichte war der fast 50 Jahre alte Firat Arslan vor allem traurig - und sauer.

Ringrichter Leszek Jankowiak (Mitte) erklärt den Südafrikaner Kevin Lerena (rechts) zum Sieger.
Ringrichter Leszek Jankowiak (Mitte) erklärt den Südafrikaner Kevin Lerena (rechts) zum Sieger.  © Marijan Murat/dpa

Denn das Handtuch geworfen hatte in der sechsten Runde niemand aus seinem Team, sondern der mit dem Arslan-Lager befreundete Hamburger Promotor Erol Ceylan.

Ringrichter Leszek Jankowiak beendete den Kampf daraufhin und erklärte IBO-Champion Kevin Lerena zum Sieger durch technischen K.o. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum skurrilen Ende des WM-Kampfes - und wahrscheinlich auch Arslans Karriere.

Wie ist der Kampf beendet worden?

Es lief die sechste Runde, Weltmeister Lerena hatte seinen 22 Jahre älteren Gegner Arslan gerade hart getroffen und zum Taumeln gebracht, da flog ein weißes Handtuch aus Arslans Roter Ecke in die Ringmitte. Aber weder Arslans Trainer und Mentor Ted Lackner noch sonst jemand aus dem Betreuerstab hatte es auf die Reise geschickt - sondern der Hamburger Promotor Erol Ceylan.

"Ja, es ist ungewöhnlich", sagte der IBO-Kampfbeauftragte Philippe Verbeke der Deutschen Presse-Agentur. "Aber ich denke der Promotor wollte seinen Boxer schützen. Und es war nötig, ihn zu schützen." Aus seiner Sicht gehöre Ceylan zum Team. Die Entscheidung des Ringrichters sei korrekt.

Inmitten einer Angriffsreihe von Kevin Lerena flog aus Arslans Roter Ecke nach 1:17 Minuten in der sechsten Runde ein Handtuch in die Ringmitte.
Inmitten einer Angriffsreihe von Kevin Lerena flog aus Arslans Roter Ecke nach 1:17 Minuten in der sechsten Runde ein Handtuch in die Ringmitte.  © Sebastian Gollnow/dpa

Wie hat Arslan auf die Niederlage reagiert?

Als Arslan mit dickem rechten Auge gut eine Stunde nach dem Kampf in der Pressekonferenz saß, war er noch immer sauer. "Er gehört nicht zu meinem Team. Es ist traurig, dass der Kampf so endet", sagte Arslan. "Ich schätze Erol als Mensch, ich weiß, dass er an meine Gesundheit gedacht hat. Aber so geht das nicht."

Ceylan habe kein Recht gehabt, das Handtuch zu werfen. "Das könnte ja sonst jeder machen, der sich um meine Gesundheit sorgt." Er sei noch nicht verteidigungsunfähig gewesen. "Meine Deckung war noch oben", sagte Arslan. Ceylan dagegen betonte: "Er wäre schwer K.o. gegangen."

Mit etwas Abstand und Schlaf sagte Arslan am Sonntag: "Ich mache dem Erol keine Vorwürfe. Weil ich weiß, dass er das gut gemeint hat und nicht böse. Deswegen bin ich da auch nicht sauer."

Firat Arslan (rechts) verlor den Kampf in der sechsten Runde durch technischen K.o..
Firat Arslan (rechts) verlor den Kampf in der sechsten Runde durch technischen K.o..  © Sebastian Gollnow/dpa

Wie ist Ceylan an das Handtuch gekommen?

Ein Boxer, ein Handtuch - sollte man meinen. Glaubt man Arslans Mentor Lackner, hat er das entscheidende Stück Stoff nie aus der Hand gegeben. Ceylan dagegen sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das lag da auf der Treppe und ich habe es einfach aus Reflex reingeworfen." Er hätte es wieder gemacht. "Ich bereue es nicht."

Was bedeutet die Niederlage und der verpasste Rekord für Arslans Zukunft?

Mit 49 Jahren und 133 Tagen wollte Arslan den US-Amerikaner Bernard Hopkins ablösen, der 2013 im Alter von 48 Jahren und 53 Tagen noch einmal Weltmeister geworden war. Daraus wird wohl nichts mehr, denn Ceylan hat wohl nicht nur den Kampf, sondern auch Arslans Karriere beendet.

"Es ist gut möglich, dass es mein Karriereende ist. Aber ich muss mir das erst anschauen", sagte Arslan. Auch am Sonntag wollte er sich noch nicht festlegen. Einen Rückkampf gegen Lerena wird es sicher nicht geben.

Der Südafrikaner erteilte einem erneuten WM-Kampf gegen Arslan noch in der Nacht eine Absage: "Ich habe größere Pläne."

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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