Firmengründer Opfer einer Verschwörung? Windreich-Insolvenz vor Gericht

Stuttgart - Hohe Schulden trieben Windreich 2013 in die Insolvenz, sechs Jahre später wird der Fall nun vor Gericht noch einmal in allen Details aufgearbeitet. Firmengründer Balz sieht sich als Opfer einer Verschwörung.

Bei einer Pressekonferenz 2012 spricht Walter Döring auf einer Pressekonferenz.
Bei einer Pressekonferenz 2012 spricht Walter Döring auf einer Pressekonferenz.  © Julian Stratenschulte/dpa

Fast sechs Jahre nach der Insolvenz des Windpark-Projektentwicklers Windreich wird der Fall nun vor Gericht aufgearbeitet.

Am Landgericht Stuttgart beginnt am Mittwoch (9 Uhr) der Prozess gegen Firmengründer Willi Balz und sieben weitere Angeklagte.

Balz werden unter anderem Insolvenzverschleppung und Betrug vorgeworfen. Der 59-Jährige weist die Vorwürfe zurück. Aus seiner Sicht haben erst die damals von der Staatsanwaltschaft eingeleiteten Ermittlungen zu der Insolvenz geführt.

Windreich plante und entwickelte Windparks, beschaffte Genehmigungen und organisierte den Bau, um die Projekte dann an Investoren zu verkaufen. 2013 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Zu den Angeklagten gehört auch Baden-Württembergs einstiger FDP-Wirtschaftsminister Walter Döring, der nach seiner politischen Karriere eine Zeit lang für Windreich tätig war. Auch er weist die Vorwürfe zurück.

Das Verfahren dürfte bis weit ins kommende Jahr hinein dauern.

Willi Balz (links im Bild) redet mit seinem Anwalt Philipp Kaufmann.
Willi Balz (links im Bild) redet mit seinem Anwalt Philipp Kaufmann.  © Fabian Sommer/dpa

Aktenberge, acht Angeklagte und fast 20 Anwälte - mit dem Prozess zur Insolvenz des Windpark-Projektentwicklers Windreich vor knapp sechs Jahren hat am Landgericht Stuttgart eine voraussichtlich monatelange Spurensuche begonnen. In dem Verfahren, das am Mittwoch losging, ist so ziemlich alles strittig.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Firmengruppe schon im Frühjahr 2012 zahlungsunfähig war und Gründer Willi Balz, der Hauptangeklagte, das wusste und vertuscht hat. Sie wirft ihm neben Insolvenzverschleppung unter anderem auch Betrug, unrichtige Darstellung in den Bilanzen und Insiderhandel vor. Balz selbst bestreitet die Vorwürfe vehement und sieht sich als Opfer einer Verschwörung von Gegnern der Energiewende.

Windreich plante und entwickelte Windparks vor allem auf hoher See, beschaffte Genehmigungen und organisierte den Bau, um die Projekte dann an Investoren zu verkaufen - ein risikoreiches Geschäft mit Millionensummen, für das Balz teils mit Hilfe seiner sieben Mitangeklagten über die Jahre ein kompliziertes Firmengeflecht aufgebaut hatte. Schon im Herbst 2011 habe die Insolvenz gedroht, spätestens Ende April 2012 sei Windreich tatsächlich zahlungsunfähig gewesen, heißt es in der am Mittwoch über mehrere Stunden verlesenen Anklageschrift. Erst im September 2013 aber sei die Insolvenz angemeldet worden.

Bis dahin, so die Vertreter der Staatsanwaltschaft, hätten Balz und seine Vorstandskollegen mit falschen Darstellungen in der Bilanz dafür gesorgt, dass Banken und Geschäftspartner nichts merken. So seien Verträge geschlossen worden, obwohl klar gewesen sei, dass Windreich selbst oder die Tochterfirmen die vereinbarten Leistungen gar nicht hätten bezahlen können. Für Kredite seien die geschönten Bilanzen und gar nicht existierende Sicherheiten vorgelegt worden.

Zusammen mit Balz sitzt auch der baden-württembergische Ex-Wirtschaftsminister Walter Döring auf der Anklagebank, der nach seiner politischen Karriere eine Zeit lang im Vorstand von Windreich war. Er bestreitet den Vorwurf der Insolvenzverschleppung und des Betrugs "energisch und mit Nachdruck", wie er sagte. Mitangeklagt ist auch ein Wirtschaftsprüfer, der die illegalen Geschäfte unterstützt und gedeckt haben soll.

Balz wird sich voraussichtlich an diesem Montag persönlich äußern. Am Rande der Verhandlung erneuerte er aber seinen Vorwurf, die Ermittler hätten sich vor den Karren anonymer Hinweisgeber spannen lassen, die dem Unternehmen schaden wollten. Windreich sei weder zahlungsunfähig noch überschuldet gewesen. Erst die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2013 hätten die Firma letztlich in die Insolvenz getrieben, betonte Balz erneut.

Eine Windkraftanlage stand 2013 in Gnannenweiler.
Eine Windkraftanlage stand 2013 in Gnannenweiler.  © Daniel Maurer/dpa

Prozess hat begonnen

Titelfoto: Daniel Maurer/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Stuttgart:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0