Der große Fisch-Report: Was Sachsen isst, fängt und liebt

Die Teichwirte aus Müglenz haben Karpfen aus dem Teich gezogen. Die Fische sind traditionell sächsische Verkaufsschlager.
Die Teichwirte aus Müglenz haben Karpfen aus dem Teich gezogen. Die Fische sind traditionell sächsische Verkaufsschlager.

Von Pia Lucchesi

Wermsdorf - Sachsens Fischer haben die Karpfensaison eingeläutet. Bis Ende November wollen sie ihre Teiche abfischen. Sie hoffen auf fetten Fang und den Durchbruch der Maräne...

Der deutsche Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch lag 2014 bei 14 Kilogramm im Jahr (weltweiter Pro-Kopf-Verbrauch 20 Kilogramm). Seefische hatten 2014 hierzulande einen Marktanteil von 61 Prozent (Süßwasserfische 26,9 Prozent, Krebs und Weichtiere 11,1 Prozent).

In der Hitliste der bedeutendsten Speisefische (Top 10 s.u.) stehen als heimische Produkte Forellen auf Platz 5 und Karpfen auf Platz 15. Sachsen gehört neben Bayern und Brandenburg zu den größten Fisch-Erzeugern der Republik.

224 Fischzuchtbetriebe sind hier im Land ansässig. Sie bewirtschaften 8 400 Hektar Teichfläche mit der Speisekarpfen-Produktion (entspricht rund zwei Drittel der Fischzucht in Sachsen).

Sarah Appenfelder (20) aus Wermsdorf ist Sachsens neue Fischkönigin. Sie wirbt für den Genuss von Karpfen und frischem Fisch aus heimischen Gewässern. Dieses Wochenende tritt die junge König auf dem Landeserntedankfest in Löbau auf.
Sarah Appenfelder (20) aus Wermsdorf ist Sachsens neue Fischkönigin. Sie wirbt für den Genuss von Karpfen und frischem Fisch aus heimischen Gewässern. Dieses Wochenende tritt die junge König auf dem Landeserntedankfest in Löbau auf.

„Wir erwarten dieses Jahr einen Ertrag von etwa 2 000 Tonnen Speisekarpfen. Das sind 200 Tonnen weniger als 2014“, sagt Marco Jung (26), der Chef vom Landesfischereiverband.

Die Einbußen sind der Trockenheit und Hitze geschuldet. Nicht nur die Wetterkapriolen bereiten den Binnenfischern sorgen: Ihre Karpfen haben ein Image-Problem. Sie stehen im Ruf ein „Oma-Opa-Essen“ zu sein.

Werbung soll jetzt junge Kundschaft ködern. Aber auch neue Arten probieren die Fischer aus - zum Beispiel Maränen.

Oliver Naumann (44) vom AVD Angel-Service Teichwirtschaft Zschorna: „Das ist ein Edel-Speisefisch. Man kennt ihn hier bisher kaum.

Wir sind dabei ihn in Tagebau-Restlöchern wie dem Bärwalder See zu etablieren und setzen große Hoffnungen in das Projekt.“

Diese Fische essen die Deutschen am liebsten

Der Seelachs.
Der Seelachs.

1. Alaska-Seelachs (22,9% des gesamten Fisch-Verzehrs)

Auch als Alaska-Pollack oder Pazifischer Pollack bekannt. Er wird hauptsächlich zu Fischstäbchen und Schlemmerfilets verarbeitet.

2. Lachs (18,7%)

Der Atlantische Lachs lebt küstennah im Nordatlantik, wandert je nach Lebenszyklus vom Süß- ins Salzwasser oder zurück.

3. Hering (14,5%)

Der Hering kommt in Ost- und Nordsee und im gesamten Nordatlantik vor. Matjes, Bückling, Rollmops - Hering wird vielfältig verarbeitet

Der Thunfisch.
Der Thunfisch.

4. Thunfisch, Boniten (12,5%)

Der Thunfisch ist weltweit verbreitet. Sein Fang mit Treibnetzen wurde geächtet. Einige Bestände gelten als gefährdet.

5. Forellen (5,5%)

Man unterscheidet die Hauptarten See-, Bach-, und Regenbogenforelle. Die Forelle ist die bedeutendste Art der deutschen Binnenfischerei.

6. Kabeljau (4,4%)

Sein Lebensraum ist fast der gesamte Nordatlantik bis zum 45. Breitengrad. Als Jungfisch nennt man ihn Dorsch, Kabeljau als älterer, laichreifer Fisch.

Der Pangasius.
Der Pangasius.

7. Pangasius/Welse (2,8%)

Pangasii findet man im Süßwasser in Südostasien. Rund 90% der weltweit verzehrten Pangasii stammen aus Aquakulturen in Vietnam.

8. Makrele (2,1%)

Sie tritt vom Nordkap entlang der europäischen Atlantikküste und in Unterarten im Mittelmeer auf.

9. Seelachs „Köhler“ (1,8%)

Der Seelachs lebt in Gewässern um Island, Spitzbergen, Norwegen und in der Nordsee.

10. Rotbarsch (1,4%)

Rotbarsche fängt man vor allem im Nord-Atlantik. Sie lieben Wassertemperaturen von 3-8°C.

Wann und wo Ihr an Euren Fisch kommt

Am 24. und 25. Oktober steigt das Fisch-und Waldfest am Schloßteich in Moritzburg.
Am 24. und 25. Oktober steigt das Fisch-und Waldfest am Schloßteich in Moritzburg.

Sonntag: Markkleeberger See Fischerfest mit Schaufischen von 10 bis 17 Uhr. 

3. Oktober: Ab 14 Uhr im Fischereimuseum in Malschwitz Ortsteil Guttau auf dem Gutshof

Fischerfest mit Schaufischen am Großteich Deutschbaselitz (bei Kamenz) ab 9 Uhr.

10 Uhr beginnt das Fischerfest am Altteich Weigersdorf (bei Hohendubrau). 

4. Oktober: Schaufischen in Schönfeld (bei Großenhain) ab 9 Uhr. 

9.-11. Oktober: Horstseeabfischen in Wermsdorf von 9 bis 18 Uhr. 

24.-25. Oktober: 9 bis 18 Uhr Fisch-und Waldfest am Schloßteich in Moritzburg. 

7.-8. November: Abfischen Großer Teich Torgau von 9 bis 17 Uhr.

Einkaufstipp

Die Weltmeere sind überfischt. Wer bewusst einkauft, leistet einen Beitrag zum Umweltschutz. Kaufen Sie Fischarten, die nicht bedroht sind! Lachs, Scholle, Dorsch, Thunfisch und Schwertfisch zählen nicht dazu! Greifen Sie wenn dann bei zertifizierten Bio-Fischen und Produkten zu, die das blaue MSC-Zertifikat (Marine Stewardship Council) tragen. Nachhaltige Alternative: Heimische Fische vom Binnenfischer

Rezept-Tipp: Karpfen blau mit Preiselbeer-Meerrettichsahne

Karpfen blau mit Preiselbeer-Meerrettichsahne.
Karpfen blau mit Preiselbeer-Meerrettichsahne.

Zutaten (4 Portionen): 1 Karpfen 1,7 kg (küchenfertig), 1 Bund Suppengrün, 750 g Kartoffeln, 1 l Wasser, 1 Lorbeerblatt, 4 Pimentkörner, 5 Pfefferkörner, Salz, 1 Prise Zucker, 8 EL Essig, 1 Bund glatte Petersilie, 200 ml Schlagsahne, 3-4 TL Meerrettich, 100 g Preiselbeerkompott, 40 g Butter

Zubereitung: Karpfen vorsichtig waschen, damit die Schleimschicht nicht verletzt wird. Suppengrün putzen, waschen, stückeln. Kartoffeln waschen, schälen. Suppengrün mit Wasser und Gewürzen aufkochen. Essig ebenfalls aufkochen. Den Karpfen vorsichtig in den Gemüsesud geben und löffelweise mit dem heißen Essig überziehen, damit sich die Haut „ blau“ färbt. Karpfen zugedeckt im Sud 25 Min. dünsten.

Kartoffeln in Salzwasser weich kochen. Inzwischen Petersilie waschen, zupfen, hacken. Sahne steif schlagen. Meerrettich, 1 Prise Salz und Preiselbeerkompott vorsichtig unterheben. Butter schmelzen. Kartoffeln abgießen, in Butter schwenken, mit Petersilie bestreuen.

Karpfen mit Preiselbeer-Meerrettichsahne und Kartoffeln servieren.

Fotos: dpa; Ove Landgraf; PR/fischinfo.de


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