Nach Flammen-Inferno von Paris: So steht es um die Sicherheit Norddeutscher Kirchen

Lübeck/Rostock - Nach dem verheerenden Brand der Kirche Nôtre-Dame in Paris (TAG24 berichtete) haben Fachleute den Brandschutz in Kirchen im Nordosten als ausreichend eingeschätzt. Die Nordkirche verweist ebenfalls auf weitreichende Maßnahmen. Beim Brandschutz in historischen Gebäuden geht es um technische Fragen, aber auch um Handwerker.

Strenge Brandschutzbestimmungen für Kirchen im Norden

Die Sonne geht über die Hansestadt, der Stadt der sieben Türme, auf: Kirche St. Jakobi (v.l), Marienkirche, die drei Spitzen des Rathauses, St.-Aegidien-Kirche, Petrikirche und der Dom zu Lübeck. Im Vordergrund fließt die Trave.
Die Sonne geht über die Hansestadt, der Stadt der sieben Türme, auf: Kirche St. Jakobi (v.l), Marienkirche, die drei Spitzen des Rathauses, St.-Aegidien-Kirche, Petrikirche und der Dom zu Lübeck. Im Vordergrund fließt die Trave.  © DPA

Die Feuerkatastrophe von Nôtre-Dame hat auch in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern den Brandschutz in großen Kirchenbauten in den aktuellen Fokus gerückt.

Das gilt auch für die Altstadtkirchen in Lübeck und für den Dom St. Petri in Schleswig, zumal dort seit 2017 umfangreiche Sanierungsarbeiten laufen – ähnlich wie in der Pariser Kathedrale Nôtre Dame.

Der Kirchenkreis Lübeck gab für die historischen Kirchen in der Hansestadt am Dienstag allerdings Entwarnung. Beim Wiederaufbau der Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg habe man für die Turmhelme und teilweise auch für die Dächer nichtbrennbare Materialien verwendet, sagte der stellvertretende Leiter der Kirchenbauabteilung des Kirchenkreises, Jürgen Rösing.

Außerdem gebe es in den Innenstadtgemeinden Brandschutzkonzepte, die fortlaufend aktualisiert würden.

Man habe aus den Bränden nach der Bombardierung Lübecks durch die Alliierten im März 1942 gelernt, sagte Rösing. Damals waren nach seinen Angaben die brennenden Turmhelme auf die Kirchendächer gestürzt und hatten sie in Brand gesetzt. Drei der fünf aus dem Mittelalter stammenden Innenstadtkirchen wurden durch die Brände nach dem Bombenangriff schwer beschädigt.

In Schleswig-Holstein gab es im Dezember 2003 einen verheerenden Kirchenbrand. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen setzte damals ein Kurzschluss in einem Sicherungskasten die St.-Severin-Kirche in Hanerau-Hademarschen im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Brand. Die mittelalterliche Feldsteinkirche brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Kirchenbau-Experten: Brandschutz im Nordosten ausreichend

Der Schleswiger Dom während der Sanierung / Blick auf den Bordesholmer Altar im Dom.
Der Schleswiger Dom während der Sanierung / Blick auf den Bordesholmer Altar im Dom.  © DPA

Für den Schleswiger Dom sei ein maßgeschneidertes Brandschutzkonzept aufgestellt worden, das die Besonderheiten des Gebäudes berücksichtige, sagte eine Sprecherin des Sprengels Schleswig und Holstein.

Dazu gehörten brandschutztechnische Abtrennungen, die ein Übergreifen eines einmal entstandenen Brandes auf weitere Bereiche möglichst lange verhindern sollen, zum Beispiel zwischen dem Turm und dem Kirchenschiff mit seinem fast vollständig aus dem Mittelalter stammenden hölzernen Dachstuhl.

Während der Sanierungsarbeiten am Schleswiger Dom würden beispielsweise Schweißarbeiten von Brandwachen begleitet, sagte die Sprecherin.

Der überwiegende Teil der Baumaßnahmen betrifft den Turm und die Westfassade des Langhauses. Dieser Baustellenbereich wurde vom Kirchenschiff mit dessen wertvollen Kunstschätzen zu Beginn der Baumaßnahmen abgetrennt. So könne im Falle eines Brandes auf der Baustelle das Feuer nicht auf Kirchenschiff und Dachstuhl übergreifen, sagte die Sprecherin.

Außerdem seien Restauratoren und Zimmerleute besonders versiert im Umgang mit Holz und anderen brennbaren Materialien. Insgesamt seien alle am Bau beteiligten Handwerker im Umgang mit brennbarem Material geschult.

Vorbeugender Brandschutz und regelmäßige Kontrollen

Flammen und Rauch, steigen aus der Kathedrale Notre Dame auf: Ein Brand verwüstete am Montag die Kathedrale Notre-Dame.
Flammen und Rauch, steigen aus der Kathedrale Notre Dame auf: Ein Brand verwüstete am Montag die Kathedrale Notre-Dame.  © DPA

In den drei großen Backsteingotik-Stadtkirchen in Wismar St. Georgen, St. Marien und St. Nikolai sind zum Schutz vor verheerendem Feuer hingegen Brandmeldeanlagen installiert. Das erklärte Stadtsprecher Marco Trunk am Dienstag, gibt aber zu bedenken: "Die Höhe der Kirchen erfordert aber natürlich auch spezielle Vorkehrungen."

Für die Brandbekämpfung stünden deshalb spezielle, dreifach eingebundene Schläuche zur Verfügung, die den erforderlichen Wasserdruck aushielten. In St. Marien sei auf 23 Metern Höhe eine Verstärkerpumpe installiert, außerdem gebe es in den Kirchen Steigleitungen.

"Zudem sind Löschlanzen installiert, die das Löschwasser im Dachstuhl verteilen", sagte der Sprecher. Diese speziellen Strahlrohre funktionierten ähnlich wie eine Sprinkleranlage und könnten von außen mit Wasserdruck gespeist werden.

Als größte Gefahrenquelle für Brände in Kirchen gelten die elektrischen Anlagen, wie der Bau-Fachbereichsleiter im Kirchenkreis Mecklenburg, Kurt Reppenhagen, sagte.

Deshalb werde jede der 468 Kirchen und Kapellen in Mecklenburg alle zwei Jahre von einem Experten mit Blick auf den vorbeugenden Brandschutz begangen – bei Mängeln würden Auflagen erteilt.

Als am Montagabend die Kathedrale Nôtre-Dame in Paris heftig brannte hat, könnten Bauarbeiten am Dach die Ursache gewesen sein.

Weitere Risiken sind laut Reppenhagen offenes Licht und Bauarbeiten. Hier sei äußerste Vorsicht angebracht, sagte er. Bei Schweißarbeiten am Dach müsse beispielsweise eine Brandwache nachkontrollieren, dass alles in Ordnung sei.

Es gibt keinen absoluten Schutz vor Bränden

Auch in Hamburg arbeiten Behörden, Feuerwehr und Kirchen Zeit-Online zufolge eng zusammen, um Gefahrenquellen für Brände von Vornherein auszuschließen und ein Maximum an Brandschutz in historischen Gebäuden wie im Michel oder auch dem Rathaus zu garantieren.

Aus dem Gespräch mit Jan Ole Unger von der Feuerwehr Hamburg geht hervor, dass bei allen historischen Gebäuden ein gewissen Risiko für unkontrollierbares Feuer besteht. Unger unterstrich, dass besonders die Kombination aus alten Bautechniken, langen Bauzeiten und Renovierungen mit verschiedensten Materialien, Lösch- und Rettungsarbeiten immer potentiell erschweren und unübersichtlich werden lassen können.

Gegen alle Gefahren könne man sich aber nicht 100-prozentig absichern, sagte der Experte. Die Kirchen im Nordosten verfügten nicht alle über Rauchmelder, denn "das würde auch nichts bringen, das wäre eine Scheinsicherheit."

Die Rauchmelder müssten bei der Feuerwehr aufgeschaltet werden, damit sie jemand höre. Doch sie würden auf den Kirchendachböden einstauben und Fehlalarme auslösen, meinte er. Auch Sprinkleranlagen und Wassertanks gebe es in der Regel nicht unter Kirchendächern. Das sei in den historischen Bauten nicht möglich.

Eine Brandkatastrophe wie in Paris sei sehr selten, sagte Reppenhagen weiter. Er könne sich in Mecklenburg nur an einen Kirchenbrand in den letzten Jahren erinnern: In Lübsee (Landkreis Rostock) ging 2013 der Kirchturm durch Blitzschlag in Flammen auf. Die Feuerwehr habe den Brand damals schnell unter Kontrolle gebracht.


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