Diese pelzigen Tierchen sind die letzten ihrer Art

Hohenburg - Wer in Hohenburg in einer lauen Sommernacht auf der Terrasse sitzt, kann sie fliegen sehen: die vom Aussterben bedrohten Großen Hufeisennasen.

Hufeisennasen-Fledermäuse hängen an der Decke in einem Stadel am Fledermaushaus in Hohenburg.
Hufeisennasen-Fledermäuse hängen an der Decke in einem Stadel am Fledermaushaus in Hohenburg.  © Armin Weigel/dpa

Die kleinen Bewohner des Fledermaushauses im oberpfälzischen Hohenburg sind scheu und verspielt. Nur im Schutz der Dunkelheit schwärmen sie aus und suchen nach Nahrung.

Die Fledermaus-Art siedelt in einer denkmalgeschützten Scheune in der oberpfälzischen Gemeinde. Es ist ihre letzte Kolonie in Deutschland.

Und die wird gehegt und gepflegt. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) betreibt das Fledermaushaus und sorgt dafür, dass es den Bewohnern an nichts fehlt. Etwa 200 "Hufis" leben hier. Tagsüber hängen sie kopfüber unterm Dachgebälk, mit der Dämmerung flattern sie durch eine Luke in der Wand hinaus ins Freie.

Etwa 20 Fledermaus-Arten gibt es in Bayern und alle kämpfen ums Überleben. Um die Menschen für Große Hufeisennase & Co. zu sensibilisieren, gibt es im Fledermaushaus in Hohenburg (Kreis Amberg-Sulzbach) den Sommer über jeden Freitagabend öffentliche Führungen.

Dass sich die "Hufis" ausgerechnet in Hohenburg wohlfühlen, hat einen triftigen Grund: das angrenzende Gelände der US-Armee. Der Truppenübungsplatz Hohenfels in Schmidmühlen ist quasi die Futterstelle der Fledermäuse, wie Projektleiter Johannes Pirner berichtet. Hier finden die Tiere genau die Insekten, die auf ihrem Speiseplan stehen: Käfer, Spinnen, Schnaken und Schmetterlinge.

Der Truppenübungsplatz sei pestizidfrei, hier werde kein Gift gespritzt.

Keine Blutsauger: Die Fledermäuse sind sozial, liebevoll zu ihren Babys und verspielt

Johannes Pirner, vom Fledermaushaus zeigt auf das Tagesquartier der Fledermausart der Großen Hufeisennasen.
Johannes Pirner, vom Fledermaushaus zeigt auf das Tagesquartier der Fledermausart der Großen Hufeisennasen.  © Armin Weigel/dpa

In einer alten Scheune nahe diesem Fledermaus-Schlaraffenland haben einige Exemplare der Großen Hufeisennasen überlebt. Vor gut 25 Jahren wurden die hierzulande ausgestorben geglaubten Tiere entdeckt.

Aus dem leerstehenden Gebäude wurde das von der Regierung geschützte Feldermaushaus. Weiter Unterstützer ließen zusätzlich eine denkmalgeschützte Kirchenruine für die Fledermäuse wiederaufbauen.

Diese und die alte Scheune finden laut Pirner nicht nur die Großen Hufeisennasen wohnlich, bisweilen mischten sich auch einige andere Fledermäuse darunter. Streit zwischen den Arten gebe es aber nicht, sagt der Forstingenieur. Generell seien Fledermäuse eher sozial eingestellt.

Die Mütter kümmerten sich liebevoll und geduldig um ihre Jungen, die sich an ihren Bauch klammern. Wenn die Mutter auf Nahrungssuche geht, setzt sie das Junge ab, das währenddessen in der Scheune zurückbleibt. Wenn es kühl wird, kuscheln sich die Fledermäuse unter dem Dach hängend zusammen, was man >>hier in der Live-Webcam gut sehen kann. Manchmal könne man eine "Hufi" beobachten, wie sie sich an ein Kabel hängt und schaukelt. Denn verspielt sind die Tierchen auch.

Böse und blutrünstig seien sie jedenfalls nicht, sagt Pirner - auch wenn das die häufigste Frage sei, die Besucher ihm stellten. Oder die Leute hätten Angst, eine Fledermaus könnte sich in ihrem Haar festkrallen. Aber auch das machten die Tiere nicht, beruhigt er. Sie seien zwar neugierig, aber doch viel zu scheu.

Die größte Gefahr für Fledermäuse ist laut LBV der Verlust von Lebensraum, etwa durch den Rückgang von Insekten oder durch das Abholzen alter Bäume, die als Unterschlupf dienen können. In Hohenburg haben die Großen Hufeisennasen jedenfalls einen sicheren Rückzugsort.

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