Ekel-Studie: Antibiotikaresistente Keime im Discounter-Fleisch gefunden

Berlin - Günstiges Hähnchenfleisch beim Discounter kaufen. Was für viele von uns Alltag ist, hat die Umweltorganisation Germanwatch nun auch getan – und dabei erschreckendes festgestellt!

Mit dem bloßen Auge natürlich nicht zu erkennen, aber solche multiresistenten Keime können sich auf Hähnchenfleisch befinden und uns auch krank machen. (Bildcollage)
Mit dem bloßen Auge natürlich nicht zu erkennen, aber solche multiresistenten Keime können sich auf Hähnchenfleisch befinden und uns auch krank machen. (Bildcollage)

Denn Germanwatch kaufte das Fleisch nicht für Geschnetzeltes oder Schnitzel, sondern um es auf Keime zu untersuchen. Und siehe da: auf etwa jedem zweiten Stück Fleisch fanden sich Keime, die resistent gegen Antibiotika sind.

Gekauft wurde das Fleisch laut "tagesschau.de" bei den bekannten Discounter-Ketten Lidl, Netto, Real, Aldi und Penny. Jeweils 12 Portionen kauften die Tester in den fünf Märkten ein.

Die Keime werden unter anderem darum resistent gegen unsere Medikamente, weil sie zu häufig und unnötig eingesetzt werden. Das ist offenbar in vielen industriellen Zuchtbetrieben der Fall. Oft wird ein Antibiotikum dort schon vorsorglich gegeben, damit die Tiere erst gar nicht krank werden. Das würde die Betriebe nämlich einiges an Geld kosten.

Allerdings entwickeln sich Keime stetig weiter, werden resistent gegen Medikamente – und darum auch zur Gefahr für uns Menschen!

Auch Notfall-Medikamente wirken nicht mehr

Problematisch ist insbesondere die vorsorgliche Behandlung des gesamten Tierbestands. Das erhöht das Risiko für die Entwicklung multiresistenter Keime. (Symbolbild)
Problematisch ist insbesondere die vorsorgliche Behandlung des gesamten Tierbestands. Das erhöht das Risiko für die Entwicklung multiresistenter Keime. (Symbolbild)  © Marc Müller/dpa

Denn schon kleinere Krankheiten, bei denen wir heute zur Heilung nur schnell ein Antibiotikum nehmen müssen, können dann wieder tödlich werden.

Gerd-Ludwig Meyer ist Facharzt für Innere Medizin und Nierenspezialist und behandelt schwerkranke Patienten. Gerade bei ihnen schlagen lebensrettenden Medikamente kaum oder sogar überhaupt nicht mehr an. Mehrere seiner Patienten sind daran bereits gestorben.

Wie viele Deutsche genau durch diese resistenten Keime krank werden oder sogar sterben, ist nicht bekannt. Denn der Erreger wird meist nicht durch das Essen selbst übertragen. Zumindest, wenn das Fleisch gut durchgegart ist. Laut Germanwatch geraten sie eher durch die Hygiene in der heimischen Küche oder Restaurants an den Menschen.

Beispielsweise, wenn das Fleisch gewaschen wird – dann können Spritzer auf Schneidebretter gelangen. Wird auf ihnen anschließend beispielsweise Salat geschnitten, der ja nicht gekocht wird, dringen die Keime beim Essen in den Körper ein.

Nun gibt es zahlreiche verschiedene Abwandlungen von Antibiotika, um gegen immer neue Keime gewappnet zu sein. Manche Antibiotika werden sogar ganz bewusst zurückgehalten, damit sie bei Notfallpatienten auf jeden Fall wirken – auch wenn die herkömmlichen Medikamente versagen. "Reserveantibiotika" nennt man diese Art von Medikamenten.

Doch inzwischen wirken selbst diese oft nicht mehr. Beispielsweise Geschlechtskrankheiten wie Syphilis sind darum heutzutage häufig gar nicht mehr therapierbar (TAG24 berichtete).

Öko-Fleisch ist nicht so oft betroffen

Auch bei Hofschlachtereien kaufte Germanwatch ein. Mit einem deutlich besseren Ergebnis: bei nur einer von elf Fleischproben wurden multiresistente Keim gefunden.

Anscheinend nimmt auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Testergebnisse von Germanwatch sehr ernst.

So soll es bald einen staatlichen Bericht der BMEL zum Thema geben. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte dazu: "Aus den Ergebnissen werden wir gegebenenfalls gesetzgeberische Schlussfolgerungen ziehen".

Auch Öko-Fleisch ist betroffen, allerdings nicht annähernd so häufig wie Fleisch aus industrieller Haltung. (Symbolbild)
Auch Öko-Fleisch ist betroffen, allerdings nicht annähernd so häufig wie Fleisch aus industrieller Haltung. (Symbolbild)  © Patrick Seeger/dpa

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