Ab in den Knast! Steinewerfer zu sechs Jahren Jugendhaft verurteilt

Flensburg - Sechs Jahre Jugendknast! So lautet das Urteil gegen zwei 19-Jährige, die vom Landgericht Flensburg wegen Steinwürfen auf fahrende Autos auf der A7 und der Bundesstraße 200 unter anderem wegen versuchten Mordes verurteilt worden.

Die zertrümmerte Windschutzscheibe zeigt die Wucht des Aufpralls der Steine.
Die zertrümmerte Windschutzscheibe zeigt die Wucht des Aufpralls der Steine.  © DPA

Das sagte ein Gerichtssprecher am Dienstag im Anschluss an die nichtöffentliche Urteilsverkündung.

Das Gericht sah es demnach als erwiesen an, dass es nur Zufall gewesen sei, dass bei einigen Taten niemand getötet worden sei.

Die beiden 19-jährigen Deutschen haben nach Überzeugung des Gerichts gemeinsam in der Zeit vom 11. Februar bis 8. Mai 2018 in Flensburg und Umgebung nicht nur Steine, sondern auch Felsbrocken und Gehwegplatten auf Fahrzeuge geworfen.

Dabei wurde eine Autofahrerin schwer verletzt. Mehrere Autos, Lastwagen und ein Bus wurden beschädigt.

Die gefährlichste Tat geschah am 8. Mai 2018: Damals wurde eine Autofahrerin auf der A7 durch einen rund 46 Kilogramm schweren Stein schwer verletzt. Sie trat als Nebenklägerin in dem Verfahren auf.

Der fußballgroße Brocken zertrümmerte die Windschutzscheibe, traf die 58 Jahre alte Dänin am Oberkörper und durchschlug im Anschluss die Heckscheibe.

Wäre der Stein nur 20 Zentimeter weiter auf der Fahrerseite eingeschlagen, wäre die Frau getötet worden, so die Überzeugung des Gerichts. Diesen und zwei weitere Fälle wertete das Gericht als versuchten Mord, andere Fälle als gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Der Prozess gegen die beiden 19-Jährigen fand vor dem Flensburger Landgericht statt.
Der Prozess gegen die beiden 19-Jährigen fand vor dem Flensburger Landgericht statt.  © DPA

Die Öffentlichkeit war seit dem ersten Tag von dem Prozess ausgeschlossen gewesen. Es wurde eine Stigmatisierung der Heranwachsenden befürchtet, die deren weitere Entwicklung gefährden könnte.

Die Motive der beiden Steinewerfer sind den Angaben zufolge nicht zur Gänze aufgeklärt worden. Sie selbst hätten gesagt, sie hätten einen Kick gesucht, wollten etwas Verbotenes tun.

Die Dimension ihres Handels will ihnen erst im Laufe des Prozesses klar geworden sein. Die Angeklagten haben sich in dem Prozess zu einer Schmerzensgeldzahlung von 70.000 Euro an die Nebenklägerin verpflichtet.

Zur Tatzeit waren die Verurteilten noch 18 Jahre alt. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass sie in ihrer Entwicklung eher Jugendlichen entsprechen.

Die Staatsanwaltschaft hatte Jugendstrafen von sechseinhalb Jahren gefordert. Die Verteidiger sahen einen Tötungsvorsatz nicht als nachgewiesen an.

Der Anwalt des einen Angeklagten hielt eine Jugendstrafe im Bereich von vier Jahren für angemessen. Der Verteidiger des anderen Angeklagten hatte ebenfalls für eine Jugendstrafe plädiert. Er nannte allerdings kein konkretes Strafmaß. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

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