Florian Henckel von Donnersmarck will erst den Goldenen Löwen, dann den Oscar

Dresden/Venedig - Filmregisseur Florian Henckel von Donnersmarck (45) geht nach seinem Oscar-Triumph mit dem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" (2006) wieder auf Trophäenjagd.

Regisseur Florian Henkel von Donnersmarck (45, r.) mit seinen Hauptdarstellern Sebastian Koch (56, l.), Tom Schilling (36) und Paula Beer (23) als Elizabeth "Ellie" Seeband, die Heinrich Eufingers Tochter und Gerhard Richters erster Ehefrau Marianne "Ema"
Regisseur Florian Henkel von Donnersmarck (45, r.) mit seinen Hauptdarstellern Sebastian Koch (56, l.), Tom Schilling (36) und Paula Beer (23) als Elizabeth "Ellie" Seeband, die Heinrich Eufingers Tochter und Gerhard Richters erster Ehefrau Marianne "Ema"  © DPA

Sein neuer Film "Werk ohne Autor" fährt alles auf, was international Erfolg verspricht: Nazis, die DDR und die Vita des bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstlers - Gerhard Richter (88) aus Dresden. Beim Filmfestival Venedig hat das Werk Weltpremiere.

Mit dem Erstlingsfilm gleich den Oscar gewinnen, das kann für einen jungen Filmemacher eine Bürde sein. Auch wenn man, wie Donnersmarck, stets Richtung Hollywood schielt.

Mit der Krimi-Komödie "The Tourist" folgte 2010 prompt ein böser Flop. Am Lido feiert der Regisseur nun nach acht Jahren Abwesenheit sein Comeback.

Donnersmarcks mehr als drei Stunden langes Epos "Werk ohne Autor" konkurriert im Wettbewerb von Venedig um den Goldenen Löwen.

Der Film wurde vor zwei Jahren unter anderem in Dresden und Görlitz gedreht. Aus Kreisen des beteiligten Filmteams sickerte durch, dass Donnersmarck keinerlei Hehl daraus machte, dass er wieder einen Oscar gewinnen will.

German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, ist ihm zu Diensten: "Werk ohne Autor" wird als deutscher Beitrag ins Oscar-Rennen geschickt.

Ein Film über das Familiendrama Gerhard Richters

Tom Schilling als Kurt Barnert/Gerhard Richter. Rechts eine Aufnahme Richters von 1968, zuletzt Bestandteil der Schau "Gerhard Richter. Selbstbildnisse 1993" im Albertinum.
Tom Schilling als Kurt Barnert/Gerhard Richter. Rechts eine Aufnahme Richters von 1968, zuletzt Bestandteil der Schau "Gerhard Richter. Selbstbildnisse 1993" im Albertinum.  © Disney, Manfred Leve

Der Film setzt, wie bei "Das Leben der Anderen", auf ein sehr deutsches Drama. Ihm zugrunde liegt die Lebensgeschichte des in Dresden geborenen Malers Gerhard Richter.

Mit seinem Drehbuch stützt sich Donnersmarck unverhohlen auf das 2005 erschienene Buch "Ein Maler aus Deutschland: Gerhard Richter. Das Drama einer Familie".

Dessen Autor Jürgen Schreiber deckte darin erstmals die unglaublich anmutenden Verflechtungen der Lebenswege von Richters Tante Marianne und dem NS-Euthanasie-Arzt Heinrich Eufinger auf.

Dieser verantwortete als Direktor der Dresdner Frauenklinik ihren gewaltsamen Tod und wurde später zum Schwiegervater Richters, der sich in dessen Tochter verliebte, ohne zu ahnen, was Eufinger der Familie Richter angetan hatte.

Erste Erfolge feierte Richter mit fotorealistischen Porträts seiner Verwandten. Auf einem Familienbild ist auch Heinrich Eufinger verewigt.

Die Klarnamen nennt der Film nicht. Richter heißt dort Kurt Barnert (Tom Schilling), Eufinger wird zu Professor Seeband (Sebastian Koch).

Sebastian Koch als Carl Seeband/Heinrich Eufinger. Oben eine Abbildung des wahren Eufinger.
Sebastian Koch als Carl Seeband/Heinrich Eufinger. Oben eine Abbildung des wahren Eufinger.  © Disney, Archiv

Die Handlung umspannt die Zeit von 1937 bis 1966 und widmet sich in der zweiten Hälfte der Entstehung des berühmten Richter-Bildes "Tante Marianne".

Weil Richter den persönlichen Hintergrund im Dunkeln ließ, wurde sein Werk damals als eines "ohne Autor" bezeichnet.

Donnersmarck nimmt sich viel vor, er zeichnet Richters Werdegang zwischen Dresden und Düsseldorf chronologisch nach und erzählt von der Entdeckung des Künstler-Ichs.

Gleichzeitig porträtiert er mit Seeband/Eufinger einen ewigen Nazi, der in allen Systemen wieder auf die Füße fällt.

Die Faktentreue hat Tücken: Da Richter die schrecklichen Zusammenhänge lange nicht kannte, kann auch der Film eine finale Zuspitzung zwischen diesen beiden Figuren nicht konstruieren. Spannend, wie diese Lebensgeschichte ohne erlösenden Höhepunkt ankommt.

"Werk ohne Autor" wird in Venedig am 4. und 5. September erstmals gezeigt und kommt am 3. Oktober in die deutschen Kinos.


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