Flüchtling droht anderem mit dem Tod: Behörden reagieren kaum

In seiner Heimat glaubt man an okkulte Rituale und Voodoo-Zauber. Sein Lebe wurde davon bedroht, deshalb kam Festus Osasuyi nach Deutschland.
In seiner Heimat glaubt man an okkulte Rituale und Voodoo-Zauber. Sein Lebe wurde davon bedroht, deshalb kam Festus Osasuyi nach Deutschland.  © 123RF

Lübbecke - Weil sein Leben in seiner Heimat Nigeria bedroht war, flüchtete Festus Osasuyi 2015 nach Deutschland und kam in Lübbecke unter.

Nach dem Tod seines Vaters, der in einer Geheimgesellschaft, die sich unter anderem mit okkulten Ritualen und Voodoo-Zauber beschäftigt, tätig war, stellte die unerfüllbare Forderungen an den 23-Jährigen. Der einzige Ausweg war die Flucht.

Doch auch hier hat er keine Perspektive: Sein Asylantrag wurde abgelehnt, er wird lediglich geduldet. Selbst in der Lübbecker Unterkunft, die vor allem für alleinstehende Männer gedacht ist, muss er um sein Leben fürchten!

Denn mit einem seiner Zimmergenossen gab es immer wieder Stress: "Der Serbe hat sich im Zimmer betrunken und Cannabis geraucht, wenn ich schlafen wollte", erzählt Festus gegenüber der Neuen Westfälischen.

Irgendwann schaukelten sich die Streitigkeiten so sehr hoch, dass es zu Rangeleien kam. Doch dabei blieb es nicht: Am 25. März, als der Serbe getrunken und Besuch von seiner Freundin hatte, eskalierte es. "Er hat gedroht, mich umzubringen und mich in den Kanal zu werfen. Ich hatte Angst und habe mich gefragt, was passiert, wenn ich schlafe und mich nicht wehren kann."

Der Flüchtling meldete sich sofort bei seinem Paten Ralf Böhning, der die Sorgen des jungen Mannes ernst nahm. Er alarmierte die Polizei. Mehrfach habe er "darum gebeten, dass ein Streifenbeamter vor Ort nach dem Rechten sehen möge". Doch es passierte nichts.

Die Beamten sagten, solange der Serbe nicht handgreiflich geworden sei, wären sie nicht zuständig. Das Sozialamt fühlte sich ebenfalls erst mal nicht verantwortlich - und das, obwohl der Widersacher bereits mehrfach kriminell geworden sein soll.

Die Unterstützung von den Behörden im Fall von Festus Osasuyi ist erschreckend gering.
Die Unterstützung von den Behörden im Fall von Festus Osasuyi ist erschreckend gering.

Wird bei den Behörden mit zweierlei Maß gemessen? In anderen Fällen, beispielsweise wenn städtische Mitarbeiter von Flüchtlingen angegriffen wurden, reagierten die Beamten nämlich meistens erstaunlich schnell.

Bei der Polizei weist man diese Kritik von sich. "Sachverhalte werden immer nach denselben Kriterien und Maßstäben geprüft und bewertet", erklärt Polizeisprecher Thomas Bensch.

Als der Flüchtlingshelfer sich gemeldet hätte, sei man dem Fall umfassend nachgegangen, habe aber "keine Hinweise auf eine akute Gefährdungslage" feststellen können.

Nach der Strafanzeige, die der 23-Jährige mit Böhning gemeinsam am 7. April stellte, wurde der Fall an die Staatsanwaltschaft Bielefeld übergeben. Doch bereits einige Wochen später wurden die Ermittlungen "vorläufig eingestellt, weil der Aufenthaltsort des Beschuldigten nicht ermittelt werden konnte".

Allerdings wurden angeblich "die erforderlichen Fahndungsmaßnahmen veranlasst". Trotzdem lägen der Stadt "keine behördliche Mitteilungen oder gar Amtshilfeersuchen im Zusammenhang mit Ermittlungsverfahren" vor.

Seit April ist der Serbe bereits spurlos verschwunden. Sämtliche Behörden wussten darüber Bescheid. Wirklich nach ihm gesucht, wird aber offensichtlich nicht.

Für Festus geht das Leben trotzdem weiter: "Zurück nach Nigeria kann ich nicht, deshalb würde ich gern meine Mutter und meinen Bruder hierher holen." Gegen die Ablehnung seines Asylantrags hat er bereits Widerspruch eingelegt.

Mittlerweile hat er sogar eine Arbeitsstelle gefunden. Als Produktionshelfer arbeitet er beim Lübbecker Fertigungsbetrieb Pro CNC.


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