Abgelehnte Flüchtlinge mit Ausbildungsplatz sollen bleiben

Junge Flüchtlinge sollen einen Duldungsstatus bekommen, wenn sie bis 21 Jahre eine Ausbildung beginnen.
Junge Flüchtlinge sollen einen Duldungsstatus bekommen, wenn sie bis 21 Jahre eine Ausbildung beginnen.

Sachsen - Sachsens Nachbarländer Sachsen-Anhalt und Thüringen machen es vor: Dort können Flüchtlinge, die eine Ausbildung beginnen, in Deutschland bleiben - auch wenn sie eigentlich abgeschoben werden sollten. Die Regelung tritt im September in Kraft, könnte auch in anderen Bundesländern eingeführt werden.

Vorraussetzung für die Neuregelung ist eine Änderung des Aufenthaltsgesetzes. Federführend ist der Freitstaat Thüringen. Dort wird dieses Vorgehen, genau wie in Sachsen Anhalt, bereits umgesetzt.

Die Idee: In Thüringen blieben im letzten Jahr etliche Ausbildungsplätze unbesetzt, während die Erstaufnahmeeinrichtungen immer voller wurden. Viele junge Flüchtlinge saßen unverschuldet tatenlos herum. Das soll sich ändern.

Flüchtlinge bis 21 Jahre, die abgelehnt werden, können durch eine Ausbildung einen Duldungsstatus erhalten, dürfen so für die Zeit ihrer Lehre in Deutschland bleiben.

"Von dieser Möglichkeit grundsätzlich ausgenommen sind Jugendliche und Heranwachsende aus den so genannten sicheren Herkunftsstaaten", so ein Sprecher des Innenministeriums Sachsen-Anhalt gegenüber dem MDR.

Martin Strunden (44), Sprecher Sächsische Staatsministerium des Inneren.
Martin Strunden (44), Sprecher Sächsische Staatsministerium des Inneren.

Unternehmen bemühen sich schon länger um Flüchtlinge in Thüringen, um sie auszubilden. Bei der IHK Thüringen wurde extra das Programm "Vocational Training Center" gestartet. Dabei werden Asylbewerber auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, bekommen spezielle Sprachkurse und Bewerbertraining, um dann besser vermittelt werden zu können.

Sachsen schiebt abgelehnte Asylbewerber weiter ab.

Die Landesregierungen von Thüringen und Sachsen-Anhalt sind von den Vorteilen der Regelung überzeugt - Sachsen nicht. Martin Strunden, Sprecher des sächsischen Innenministeriums (44), sagte MDR Info: "Die Möglichkeit einer Ausbildung zu ermöglichen durch eine Verlängerung der Duldung, kann im Einzelfall eine vernünftige Lösung sein. Trotzdem ist aber klar: Der Grundsatz gilt, abgelehnte Asylbewerber haben eine Ausreisepflicht."

Trotzdem sollen junge Asylbewerber in Sachsen die Chance auf eine Ausbilung und den Duldungstatus bekommen. Nur müsse hier jeder Einzelfall bei den Ausländerbehörden sorgfälltig geprüft werden.

Viele Ausbildungsbetriebe in Sachsen finden keine Azubis

Gut einen Monat vor Beginn des neuen Lehrjahres am 1. September sind in Sachsen noch rund 8700 Ausbildungsplätze frei. Für Berufe wie Bäcker, Elektroniker, Friseur und Mechatroniker ist das Angebot besonders groß, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz mitteilte. Allein im Handwerk sind noch 1500 Stellen unbesetzt.

Den Maschinenbauern im Osten geht der Nachwuchs aus. Die Hälfte der ausbildenden Unternehmen hat Schwierigkeiten, Lehrstellen zu besetzen, wie eine Umfrage unter 350 Mitgliedern des Branchenverbandes VDMA Ost in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ergab.

Die Zahl der ausgebildeten Erzieher in Sachsen steigt hingegen. 2014 hätten den Krippen, Horten und Kindergärten 2215 Absolventen zur Verfügung gestanden, teilte das Kultusministerium am Montag mit. 2003 seien es nur knapp 200 Erzieher gewesen.

Fotos: dpa, Eric Münch


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