MOPO exklusiv: So leben die Flüchtlinge in Dresden wirklich!

Damit die Flüchtlinge Kontakt zu Bekannten halten können, sind Handystationen besonders wichtig. Sie stehen in allen Camps bereit
Damit die Flüchtlinge Kontakt zu Bekannten halten können, sind Handystationen besonders wichtig. Sie stehen in allen Camps bereit

Dresden - Exklusiver Einblick in den Alltag dreier Asylcamps: Insgesamt 2222 Menschen leben aktuell in den Erstaufnahmeeinrichtungen an der Bremer Straße (Zeltlager, 927 Flüchtlinge), Nöthnitzer Straße (TU-Sporthallen, 594 Flüchtlinge) und in Heidenau (Ex-Baumarkt, 701 Flüchtlinge).

Rund 75 haupt- und ehrenamtliche Helfer des sächsischen Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind im Einsatz. Der Alltag der Einwohner ist eintönig, die größte Gefahr ist ein Lagerkoller.

Die Fakten im Überblick:

Wohnen:
Rückzugsmöglichkeiten gibt es nicht. Die Feldbetten stehen dicht an dicht. „Raumtrenner dürfen wir nicht aufstellen“, sagt Campleiter Mike Hacke (45) an der Nöthnitzer Straße. Grund: Der Brandschutz darf nicht aufgelockert werden. In der großen TU-Sporthalle leben 300 Menschen, in der zweiten Halle hängen Raumtrenner, sorgen für kleinere Bereiche. Platz und Ruhe für Intimitäten: Fehlanzeige. In Heidenau haben die Helfer die großen Baumarkt-Etagen mit Bauzäunen aufgeteilt, mit Folie bespannt. Die Zelte im Camp an der Bremer Straße sollen übrigens bis Ende Oktober durch Leichtbauhallen ersetzt werden.

Mitarbeiter der DRK-Erstaufnahmeeinrichtung im Heidenauer Baumarkt.
Mitarbeiter der DRK-Erstaufnahmeeinrichtung im Heidenauer Baumarkt.

Gesundheit:
In allen drei Lagern gibt es medizinische Hilfe, im Zeltlager sogar rund um die Uhr. „Wir haben Sanitäter und Mediziner vor Ort, bei schlimmeren Problemen fahren wir die Leute per Fahrdienst in die neue Flüchtlingsambulanz“, erklärt Campleiter Reicko Pöschl (48).

Sicherheit:
Jeder Flüchtling besitzt eine persönliche Chipkarte samt Foto. Bei der Essensausgabe, bei Ein- und Ausgang und beim Arzttermin wird der Pass gescannt. Allein in Heidenau passen 25 Wachmänner pro Schicht auf. „Die Essensausgabe ist ein neuralgischer Punkt“, so der Heidenauer Lagerleiter Christoph Neidhardt (31). Vor Ort kommt es häufig zum Streit, weil nicht jeder die Schlange einhält. An der Nöthnitzer Straße geht´s ruhiger zu: „Die Leute sitzen auf Bänken, rutschen langsam zum Essen vor. Das macht die Sache entspannter“, erklärt Campleiter Hacke sein Konzept.

Blick auf die Toilettencontainer im Zeltcamp an der Brehmer Straße.
Blick auf die Toilettencontainer im Zeltcamp an der Brehmer Straße.

Essen:
Die Speisen sind rationiert und einheitlich, egal ob dick oder dünn. Pro Person und Mahlzeit eine Portion, die Chipkarte sorgt für eine faire Verteilung. Als Getränke gibt´s Wasser, gesüßten Tee, Milch. Obst, Käse, helles Brot und Hühnchenfleisch stehen auf dem Speiseplan.

Unterstützung:
Allein an der Nöthnitzer Straße helfen abwechselnd 200 Studenten, organisieren sich selbständig. Sie verteilen Essen, spielen mit Kindern, geben Deutschunterricht. Auch die anderen Camps profitieren von ehrenamtlichen Helfern. Campchef Hacke: „Ohne die Studenten kämen wir nicht klar.“

Religion:
In Heidenau beten Muslime zwischen Rolltreppe und Bauzaun. Ein Raum der Stille soll noch kommen. An der TU-Sporthalle gibt’s einen Gebetsraum.

Eine Infowand übersetzt einige wichtige deutsche Wörter für die Flüchtlinge.
Eine Infowand übersetzt einige wichtige deutsche Wörter für die Flüchtlinge.
Hier werden die Kleiderspenden für die Unterkunft in der Noethnitzer sortiert und ausgegeben.
Hier werden die Kleiderspenden für die Unterkunft in der Noethnitzer sortiert und ausgegeben.
So sieht der Schlafsaal für die Flüchtlinge in der Noethnitzer Turnhalle aus.
So sieht der Schlafsaal für die Flüchtlinge in der Noethnitzer Turnhalle aus.
Die Essensausgabe ist durch Chips geregelt. Diese werden vor der Ausgabe gescannt.
Die Essensausgabe ist durch Chips geregelt. Diese werden vor der Ausgabe gescannt.
In der Unterkunft in Heidenau, wurden die einzelnen Schlafplätze mittels mit Planen behangenen Metallzäunen abgetrennt.
In der Unterkunft in Heidenau, wurden die einzelnen Schlafplätze mittels mit Planen behangenen Metallzäunen abgetrennt.
Deutsch für Anfänger: Mit Zeichnungen versucht das DRK den Flüchtlingen Alltagsdinge zu erklären.
Deutsch für Anfänger: Mit Zeichnungen versucht das DRK den Flüchtlingen Alltagsdinge zu erklären.
Im ehemaligen Baumarkt in Heidenau sind aktuell 701 Menschen untergebracht, davon 395 aus Syrien.
Im ehemaligen Baumarkt in Heidenau sind aktuell 701 Menschen untergebracht, davon 395 aus Syrien.
Kritischer Punkt: An der Essensausgabe in Heidenau kommt es häufiger zu Streitigkeiten.
Kritischer Punkt: An der Essensausgabe in Heidenau kommt es häufiger zu Streitigkeiten.

Fotos: DRK


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