Sachsen bekommt mehr elternlose Flüchtlingskinder

Ein 16-Jähriger aus Eritrea in einem Wohnheim: Viele Minderjährige verlieren ihre Eltern auf der Flucht.
Ein 16-Jähriger aus Eritrea in einem Wohnheim: Viele Minderjährige verlieren ihre Eltern auf der Flucht.

Von Juliane Morgenroth

Dresden - Ab 2016 muss Sachsen wesentlich mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen als bisher. Sozialministerin Barbara Klepsch (50, CDU) rechnet mit Kosten von 100 Millionen Euro für Sachsen.

Bisher wurden die Jugendlichen dort betreut, wo sie ankamen - vor allem in Bayern, Hamburg und Hessen. Ab Januar werden sie auf alle Bundesländer verteilt - nach den gleichen Kriterien wie Asylbewerber.

Heißt für Sachsen: Gerechnet wird mit 1500 Minderjährigen ohne Begleitung. Zum Vergleich: Ende Mai waren 141 Jugendliche im Freistaat untergebracht. Sie sind fast immer männlich.

Das Kabinett hat jetzt ein Unterbringungskonzept beschlossen.

Obwohl die örtlichen Jugendämter zuständig sind, übernimmt der Freistaat die Kosten in Höhe von rund 100 Millionen Euro für Investitionen, Betreuung und Personal, so die Ministerin: „Das Geld steht bereit. Verzögerungen können wir uns nicht leisten.“

Hinzu kämen Ausgleichszahlungen an andere Bundesländer - 23,5 Mio. Euro. Zudem soll das Personal bei Landesbehörden aufgestockt werden. Das Geld kommt aus dem Haushalt, woanders gekürzt werde dafür nicht, hieß es.

Die Minderjährigen bekommen einen Vormund und werden betreut, gehen zur Schule.

Mit 18 können sie einen Asylantrag stellen. Klepsch: „Sie haben häufig Schreckliches erlebt. Wir sollten sie nicht mit Vorurteilen, sondern mit offenem Herzen empfangen.“

Foto: dpa/Daniel Karmann


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