Hier könnten 10 Flüchtlinge einziehen, doch...

NS-Gauleiter Martin Mutsch mann (1879-1947) lud Nazigrößen zur Jagd nach Pobershau.
NS-Gauleiter Martin Mutsch mann (1879-1947) lud Nazigrößen zur Jagd nach Pobershau.

Marienberg - Der Besitzer des Hotels Berghaus am Katzenstein im Ortsteil Pobershau möchte zehn Asylbewerber dauerhaft unterbringen. Ausgerechnet im Berghaus, wo sich einst Nazigrößen wie Propagandaminister Joseph Goebbels trafen.

Doch der Landkreis Erzgebirge rührt sich in der Sache nicht. Seit Oktober kämpft Hotelchef Ortwin Temmel (70) um die Belegung eines seiner drei Häuser mit Flüchtlingen. Begründung: „Die Not ist unübersehbar, ebenso der Mangel an Unterkünften.“

Er gibt auch eigene Vorteile zu: „Natürlich würde ich mich über eine bessere Hotelauslastung freuen.“

Doch die Idee findet bisher kein Echo im Landratsamt. Seit Oktober schickt Ortwin Temmel Anfragen über Anfragen an die Behörde. Nicht nur ohne Erfolg, sondern meist auch ohne Antwort: „Wochenlang gab es keine Reaktion. Am 13. November hieß es, die Behörde wolle umgehend einen Besichtigungstermin organisieren. Seitdem warte ich.“

Hotelier Ortwin Temmel (70).
Hotelier Ortwin Temmel (70).

Auch auf MOPO-Nachfrage beim Landratsamt gab es keine Antwort. Nur eine „zeitnahe Besichtigung“ wurde angekündigt - vor einer Woche.

Ortwin Temmel ist genervt: „Bei mir hätten Asylbewerber eine vernünftige Unterkunft mit Betreuung, die Kinder sogar Spielplätze. Die zehn Betten könnte ich in meinem Privathaus ausgleichen, zusätzlich zum Haupthaus.“

Für einige Erzgebirger wären Flüchtlinge im Berghaus wohl eine Provokation. Der Sachsen-Gauleiter in der NS-Zeit, Martin Mutschmann, nutzte die Gebäude für Jagden mit Nazigrößen.

Temmel: „Einmal saßen Reichsminister Joseph Goebbels, Eva Braun und Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß im Kaminzimmer.“

Bett, Tisch, Fernseher - die Hotelzimmer sind fertig ausgestattet.
Bett, Tisch, Fernseher - die Hotelzimmer sind fertig ausgestattet.

Fotos: Bernd Rippert


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