Flüchtlinge versinken im Schlamm

Ein Asylbewerber hat sich in eine blaue Mülltüte gehüllt, um sich vor dem Dauerregen zu schützen.
Ein Asylbewerber hat sich in eine blaue Mülltüte gehüllt, um sich vor dem Dauerregen zu schützen.

Von Ronny Licht und Doreen Grasselt

Chemnitz - Erst ausgetrockneter Boden, dann tagelanger Regen - jetzt säuft die Zeltstadt langsam ab. Beim Wasser-Drama in der Zeltstadt am Asylbewerberheim Adalbert-Stifter-Weg versinken seit Dienstag 576 Flüchtlinge in Schlamm und Wasser.

„Ja, wir haben große Schwierigkeiten in der Zeltstadt“, bestätigte der Sprecher der Landesdirektion Sachsen, Ingolf Ulrich (49).

Seit dem Mittag rollten Helfer vom Deutschen Roten Kreuz ins Gelände, brachten Decken für die durchnässten Flüchtlinge, schaufelten Gräben, um das Wasser umzuleiten.

Trotzdem lief das Wasser in viele Zelte, die Wege wurden zu Schlammwüsten.

Die Helfer mussten sich mit ihren Fahrzeugen durch Schlamm und Wasser quälen.
Die Helfer mussten sich mit ihren Fahrzeugen durch Schlamm und Wasser quälen.

Bis zum frühen Abend war noch nicht klar, ob die Zeltstadt evakuiert werden muss.

Ingolf Ulrich: „Wenn wir das machen müssten, bräuchten wir eine gute Idee. Unser Ziel ist es, die Lage zu stabilisieren.“

Denn in den Wohnblöcken, in denen aktuell 782 Menschen untergebracht sind, ist auch kein Platz mehr.

Auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei (hier leben 273 Flüchtlinge in Zelte) gab es kaum Probleme, dort lief das Wasser besser ab.

Ulrich schaut etwas neidisch nach Dresden: „In der Zeltstadt Dresden wurde vorher Bauschutt als Untergrund verteilt. Dort läuft das Wasser problemlos ab. So etwas fehlt uns in Chemnitz.“

Der Boden in der Zeltstadt ist komplett aufgeweicht.
Der Boden in der Zeltstadt ist komplett aufgeweicht.

Update, 19:20 Uhr

Die Landesdirektion Sachsen räumt nun die Zeltstadt der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber am Adalbert-Stifter-Weg. Dieser Schritt wurde notwendig, da der anhaltende Regen den Boden völlig aufgeweicht hat.

Von den 420 Bewohnern werden 250 in die Turnhalle der TU Chemnitz am Thüringer Weg verlegt. Bereits im Laufe des Tages wurden 40 Personen, vor allem Familien mit Kindern, in festen Unterkünften der Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht.

Weitere 100 Personen wurden in die Außenstelle Schneeberg verlegt. 60 Asylbewerber werden vorrübergehend in der Sporthalle der HTKW Leipzig in der Arno-Nitzsche-Straße Leipzig einquartiert.

Derzeit ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK) dabei, in der Sporthalle der TU Chemnitz die Voraussetzungen für die Unterbringung zu schaffen. Dazu wird die Infrastruktur der Zeltstadt, wie Sanitär-, Aufenthalts- und Kühlcontainer vom DRK an die TU-Sporthalle verlegt.

Es werden vom DRK neue Betten aufgestellt. Die Volkssolidarität liefert die Verpflegung. Für die Sicherheit ist ein Wachschutzunternehmen vor Ort.

Den Betrieb der Notunterkunft in der Sporthalle übernimmt das Deutsche Rote Kreuz. Die Asylbewerber werden gegen 22 Uhr in der Sporthalle der TU Chemnitz erwartet.

Fotos: TNN, Jens Uhlig, Harry Härtel


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